Offensive, Europäische

EU startet Offensive für offene digitale Ökosysteme

11.01.2026 - 14:43:12

Die Europäische Union will mit einer neuen Strategie Open-Source-Technologien als Wirtschaftsgut fördern, um Abhängigkeiten von ausländischen Tech-Giganten zu reduzieren und die Cybersicherheit zu stärken.

Die Europäische Union startet eine strategische Offensive für Open-Source-Technologien, um digitale Souveränität und Cybersicherheit zu stärken. Eine Konsultation soll die Weichen für eine neue Industriestrategie stellen.

Brüssel setzt auf Offenheit als Schlüssel zur Unabhängigkeit. Mit einer umfassenden Konsultation leitet die EU-Kommission diese Woche eine neue Phase ihrer Digitalpolitik ein. Ziel ist eine kohärente Strategie für ein „Europäisches Offenes Digitales Ökosystem“. Beobachter sprechen bereits von einer regelrechten Open-Source-Offensive.

Strategische Wende: Von der Nische zum Wirtschaftsgut

Die am Donnerstag gestartete Initiative markiert einen klaren Kurswechsel. Bislang konzentrierte sich die EU-Politik vor allem auf die interne Nutzung von Open-Source-Software in ihren Behörden. Das neue Rahmenwerk, das bis zum 3. Februar 2026 diskutiert wird, behandelt Open Source hingegen als fundamentales Wirtschafts- und Politikinstrument.

Die geplante Strategie zielt auf die Kommerzialisierung und den industriellen Einsatz quelloffener Lösungen in Schlüsselbereichen wie Cloud Computing, Künstlicher Intelligenz und Industriesoftware ab. Aus experimenteller Forschung sollen marktreife europäische Unternehmen werden, die global konkurrenzfähig sind.

„Während Europa einen bedeutenden Teil des weltweiten Open-Source-Codes produziert, wird der kommerzielle Wert überproportional von amerikanischen und asiatischen Tech-Giganten abgeschöpft“, analysieren Branchenkenner. Genau diesen Trend will Brüssel umkehren.

Cybersicherheit als Treiber der Offensive

Ein zentrales Motiv der neuen Initiative ist die Stärkung der Cybersicherheit. Die Kommission verweist darauf, dass 70 bis 90 Prozent moderner Software-Stacks auf Open-Source-Komponenten basieren. Diese Allgegenwart macht die Sicherheit der Lieferketten zur Frage der nationalen Sicherheit.

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Die Strategie ist eng mit der Umsetzung des Cyber Resilience Act (CRA) verknüpft, der Ende 2024 in Kraft trat. Ein „souveränes“ Open-Source-Ökosystem soll mehr Transparenz und Kontrolle über die Software-Lieferkette bringen. Der offene Code ermöglicht die Überprüfung auf Schwachstellen und Hintertüren – ein Vorteil gegenüber proprietärer Software ausländischer Anbieter.

Sicherheitsexperten begrüßen den Vorstoß. Ein staatlich geförderter Push könnte die Beseitigung von Sicherheitslücken beschleunigen und die Widerstandsfähigkeit kritischer Infrastrukturen erhöhen. Besonderes Augenmerk liegt auf „hochriskanten“ Abhängigkeiten von undurchsichtigem Code aus Drittstaaten.

Abkehr von der Abhängigkeit: Ein Ausweg vom Big Tech

Die geopolitische Dimension der Offensive ist unübersehbar. Die Konsultation spricht offen von einer „strategischen Haftung“ durch die Überabhängigkeit von nicht-europäischen Technologieanbietern. Diese Abhängigkeit bedrohe die Autonomie der EU und schwäche die Wettbewerbsfähigkeit in Bereichen wie Cloud-Infrastruktur.

Brüssel will öffentlichen Verwaltungen und Unternehmen eine praktikable „Exit-Strategie“ aus der Vendor-Lock-in-Falle bieten. Die Vision: interoperable und modulare europäische Plattformen, zwischen denen Nutzer wechseln können, ohne Daten oder Funktionalität zu verlieren.

Der Ansatz ergänzt den seit fast zwei Jahren geltenden Digital Markets Act (DMA). Während dieser das Verhalten von „Gatekeepern“ reguliert, will die Open-Source-Strategie die alternative Infrastruktur aufbauen, um deren Dominanz grundsätzlich herauszufordern. Echte digitale Souveränität erfordere nicht nur Regulierung, sondern auch die Fähigkeit, kritische Technologien in Europa zu entwickeln.

Fokus auf den Markt: Förderung von KMU und Start-ups

Anders als die Strategie von 2020-2023, die auf „Inner Sourcing“ innerhalb der Kommission setzte, priorisiert der Fahrplan für 2026 den Privatsektor. Die Konsultation fragt gezielt nach der besten Unterstützung für KMU und Start-ups, die ihr Geschäftsmodell auf Open Source aufbauen.

Zu den Schwerpunkten gehören:
* Anreize für Beiträge: Öffentliche Einrichtungen sollen Open-Source-Software nicht nur nutzen, sondern Verbesserungen auch an die Community zurückgeben.
* Nachhaltige Finanzierung: Es braucht Mechanismen für die finanzielle Absicherung kritischer Open-Source-Projekte, die als digitale öffentliche Infrastruktur dienen.
* Reform der Beschaffung: Vergabeverfahren sollen offene, interoperable Lösungen bevorzugen – nicht proprietäre Altsysteme.

Die Kommission räumt ein, dass die Unterstützung von Entwicklergemeinschaften allein durch Forschungsgelder für eine erfolgreiche industrielle Hochskalierung nicht ausreicht. Die neue Strategie wird voraussichtlich Finanzinstrumente vorschlagen, die helfen, die Lücke zwischen einer erfolgreichen GitHub-Repository und einem marktfähigen Produkt zu überbrücken.

Was kommt jetzt? Ein kurzes Zeitfenster für Einfluss

Die Konsultationsphase bis zum 3. Februar ist kurz – ein Zeichen für die Dringlichkeit, mit der die Kommission handelt. Die finale Strategie soll noch im ersten Quartal 2026 zusammen mit dem erwarteten „Cloud and AI Development Act“ (CAIDA) vorgestellt werden.

Die Reaktionen aus der Wirtschaft sind vorsichtig optimistisch. Europäische Tech-Verbände loben den Schritt als notwendig für die Reife der Softwarebranche. Doch Erfolg oder Scheitern hängen an den Details der Umsetzung: Kann die EU den bürokratischen Aufwand reduzieren, der die Agilität von Softwarefirmen oft hemmt?

Für in der EU tätige Unternehmen signalisiert die Entwicklung mehr regulatorische und finanzielle Unterstützung für Open Source in den kommenden Jahren. Bei Softwarebeschaffung könnten Transparenz, Datensouveränität und die Einhaltung europäischer Sicherheitsstandards immer wichtiger werden. In einer zunehmend fragmentierten digitale n Welt setzt Brüssel eine klare Wette: Auf Offenheit als sichersten Weg zu Sicherheit und Unabhängigkeit.

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