KI-Software, US-Tech-Giganten

EU setzt auf offene KI-Software gegen US-Tech-Giganten

11.01.2026 - 18:40:12

Die EU-Kommission plant eine Offensive für offene Software, um die Abhängigkeit von US-Techkonzernen zu verringern und europäische Wirtschaftskraft aufzubauen.

Die EU-Kommission will Europas Open-Source-Ökosystem zu einer industriellen Kraft ausbauen. Das ist die zentrale Antwort auf die Dominanz amerikanischer KI-Konzerne.

Mit einer neuen Strategie will Brüssel die kommerzielle Verwertung offener Software massiv vorantreiben. Das geht aus einem Konsultationspapier hervor, das diese Woche veröffentlicht wurde. Ziel ist es, die digitale Souveränität Europas zu stärken und die Abhängigkeit von proprietären Systemen aus dem Silicon Valley zu verringern.

Die Pläne markieren eine deutliche Schärfung des europäischen Kurses. Bisher floss viel Geld in die Forschung, doch den wirtschaftlichen Nutzen zogen oft amerikanische Tech-Riesen. „Ein Großteil des Werts von Open-Source-Projekten wird außerhalb der EU verwertet“, stellt die Kommission nun selbstkritisch fest.

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Vom Forschungserfolg zur Marktmacht

Die Strategie soll diesen Missstand beheben. Geplant ist ein Dreiklang aus Community-Ausbau, industriellem Einsatz und Marktintegration. So sollen Steuergelder endlich in europäische Wirtschaftskraft umgemünzt werden.

Konkret plant die Kommission:
* Öffentliche Aufträge für heimische Open-Source-Lösungen zu fördern.
* Die Governance-Strukturen von Projekten zu stärken, um Unternehmen anzulocken.
* Sicherheitsstandards für Open-Source-Komponenten zu verschärfen.

Hintergrund ist eine ernüchternde Bilanz: Trotz starker Forschung fehlen in Europa kommerzielle Schwergewichte wie OpenAI oder Google. Die neue Initiative setzt daher direkt bei der finanziellen Nachhaltigkeit an.

CAIDA: Das Gesetz als Wegbereiter

Rechtlichen Rückenwind soll der Cloud and AI Development Act (CAIDA) geben. Das Gesetz wird voraussichtlich im ersten Quartal 2026 finalisiert und gilt als industrielles Gegenstück zum regulativen KI-Gesetz.

Während das KI-Gesetz die Regeln aufstellte, soll CAIDA nun das Fahrzeug bauen. Analysten erwarten Anreize für Firmen, die europäische Open-Source-Infrastruktur nutzen und mitentwickeln. So könnte ein geschützter Markt für souveräne Technologien entstehen.

Der Fokus liegt bewusst auf der Grundlagenschicht – den Modellen und der Software, auf der alle Anwendungen aufbauen. Genau hier ist die US-Dominanz derzeit am größten.

Globale Tech-Konkurrenz schärft sich

Der Vorstoß fällt in eine Phase verschärften transatlantischen Wettbewerbs. Während die USA auf Deregulierung und Privatsektor setzen, verfolgt Europa einen staatlich koordinierten, wertebasierten Ansatz.

Kritiker warnten stets, Regulierung ersticke Innovation. Durch den Fokus auf Open Source versucht die Kommission nun, Europas kooperative Stärken auszuspielen. Befürworter sehen darin einen „asymmetrischen“ Vorteil: Durch breite Übernahme offener Standards ließe sich global Einfluss nehmen – auch ohne riesige Marktkapitalisierung.

Für US-Softwarekonzerne könnte die Strategie unangenehm werden. Wenn die EU öffentliche Aufträge auf Open-Source-Alternativen umlenkt, entgehen ihnen lukrative Einnahmen. Gleichzeitig entstünde ein neuer Finanzstrom für europäische Entwickler.

In den kommenden Wochen werden die Details der Strategie vor dem CAIDA-Start finalisiert. Die Erwartungen sind hoch, dass konkrete Finanzierungsmechanismen aus Programmen wie Horizon Europe folgen. Europa wettet darauf, dass offener Code der Schlüssel ist, um im globalen KI-Rennen aufzuholen.

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