EU schließt Schlupfloch für russisches Öl ab Januar
03.01.2026 - 03:00:12Die europäischen Energiemärkte stehen vor einer Zeitenwende: Ab dem 21. Januar 2026 schließt die EU das umstrittene „Raffinerie-Schlupfloch“, durch das russisches Öl über Drittländer in den Block gelangte. Für Händler und Importeure beginnt der finale Countdown.
Samstag, 03. Januar 2026 – Europa rüstet sich für die schärfste Verschärfung der Sanktionen seit Kriegsbeginn. In weniger als drei Wochen tritt Artikel 3ma der EU-Sanktionsverordnung in Kraft. Er verbietet den Import von Raffinerieprodukten wie Diesel oder Kerosin, die in Drittländern aus russischem Rohöl hergestellt wurden. Damit wird die Praxis beendet, russisches Öl etwa in Indien oder der Türkei zu veredeln und dann als „nicht-russisch“ in die EU zu liefern.
Fast drei Jahre lang nutzten Raffinerien in Drittstaaten eine Lücke im Regelwerk. Sie kauften russisches Rohöl zu Discountpreisen, verarbeiteten es zu hochwertigen Kraftstoffen und exportierten diese legal in die EU. Diese Umgehung der Sanktionen ist ab dem 21. Januar Geschichte.
Die neuen Regeln verlangen von EU-Importeuren „schlüssige Beweise“ dafür, dass ihre Ware nicht auf russischem Rohöl basiert. Einfache Ursprungszeugnisse reichen nicht mehr aus. Die Zollbehörden werden detaillierte Nachweise für die gesamte Lieferkette fordern. Die bisher gängige Praxis des „Mass Balancing“ – das Vermischen russischen und nicht-russischen Öls im Raffinerieprozess – wird für Europa-Exporte nicht mehr akzeptiert.
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Die Beweislast liegt damit vollständig bei den europäischen Abnehmern. Wer die Dokumentation nicht vorlegen kann, riskiert, dass seine Ladung an EU-Häfen abgewiesen wird.
Indien und Türkei vor strategischer Weichenstellung
Die neuen Maßnahmen treffen vor allem die großen Raffineriezentren in Indien und der Türkei. Sie hatten nach dem EU-Embargo 2023 ihre Kapazitäten massiv ausgebaut, um russisches Öl für den europäischen Markt zu veredeln.
Unternehmen wie Reliance Industries stehen nun vor einer grundlegenden Entscheidung: Sie müssen ihre Anlagen physisch umrüsten, um separate „saubere“ Produktionslinien für Europa zu schaffen. Alternativ müssen sie die aus russischem Öl gewonnenen Produkte in andere Märkte umlenken.
Bereits im Vorfeld des Stichtags zeichnete sich ein Wandel ab. Marktdaten deuten darauf hin, dass einige Raffinerien ihre Bezugsquellen umgestellt haben. Für Europa bestimmte Kraftstoffe werden zunehmend aus Rohöl aus dem Mittleren Osten oder den USA hergestellt.
Markt in Alarmbereitschaft
Die Ankündigung hat die Märkte bereits in Bewegung gebracht. Die Intercontinental Exchange (ICE) hat ihre Gasoil-Futures angepasst. Ab Januar dürfen nur noch Produkte ohne russischen Ursprung geliefert werden. So spiegeln die Finanzinstrumente die neue Realität wider.
Von der strikten Regelung ausgenommen sind lediglich Partnerländer mit vergleichbaren Sanktionen, darunter die USA, Großbritannien und die Schweiz. Für alle anderen Drittstaaten gelten die strengen Nachweispflichten.
In den Handelsabteilungen und Rechtsbüros europäischer Konzerne herrscht derzeit Hochbetrieb. Verträge werden überprüft und um Sanktionsklauseln sowie Prüfrechte ergänzt. Die Branche bereitet sich auf mögliche Lieferengpässe und Preisschwankungen vor.
Globale Handelsströme werden sich neu ordnen
Experten erwarten eine tiefgreifende Neustrukturierung der globalen Ölmärkte. Europa wird seinen Dieselbedarf künftig verstärkt aus dem Mittleren Osten und den USA decken. Das könnte die Preise im Atlantikraum kurzfristig stützen.
Gleichzeitig muss das russische Rohöl, das bisher für den europäischen Markt veredelt wurde, neue Abnehmer finden. Langfristig könnte sich ein zweigeteilter Markt entwickeln: eine „saubere“ Lieferkette für die G7- und EU-Staaten und eine „graue“ für den Rest der Welt.
Die größte Herausforderung bleibt die Durchsetzung. Der Erfolg der Maßnahme hängt davon ab, wie effektiv die EU-Zollbehörden die komplexen Lieferketten-Nachweise prüfen können. Während der Countdown läuft, bleibt die Energiebranche in höchster Alarmbereitschaft.
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