EU-Sanktionen, Kraft

EU-Sanktionen treten voll in Kraft: Reise und Energie im Visier

04.02.2026 - 22:35:12

Das 19. EU-Sanktionspaket ist in Kraft und verschärft die Regeln für Reisen und Energieimporte. Gleichzeitig gehen Behörden mit Razzien gegen Umgehungen vor.

Die neuen EU-Sanktionen gegen Russland entfalten ihre volle Wirkung und treffen gezielt Tourismus und Energieimporte. Gleichzeitig verschärfen die Behörden die Kontrollen, wie jüngste Razzien in Deutschland zeigen.

Seit Anfang 2026 sind zentrale Teile des 19. EU-Sanktionspakets aktiv. Die bereits im Herbst 2025 beschlossenen Maßnahmen zielen darauf ab, den wirtschaftlichen Druck auf die russische Kriegswirtschaft systematisch zu erhöhen. Der Fokus liegt nun klar auf der strikten Durchsetzung und der Schließung von Schlupflöchern. Für betroffene Unternehmen in Deutschland bedeutet das erhöhte Compliance-Anforderungen und das Risiko hoher Strafen.

Reisebranche: Keine Buchungshilfe mehr für Russland

Eine der für Verbraucher spürbarsten Neuerungen ist das Dienstleistungsverbot für Russlandreisen. Seit Jahresbeginn dürfen Fluggesellschaften, Reisebüros und Reisevermittler in der EU keine Dienstleistungen mehr für Reisen in die Russische Föderation verkaufen oder vermitteln. Das Verbot umfasst die Visa-Beantragung, den Ticketverkauf und die Hotelbuchung.

Das Ziel ist klar: Die Tourismus-Einnahmen für den Kreml sollen gekappt werden. Privatreisen sind zwar nicht grundsätzlich verboten, müssen aber komplett in Eigenregie organisiert werden. Das Auswärtige Amt warnt weiterhin vor erheblichen Risiken, einschließlich willkürlicher Festnahmen. Für Dutzende deutsche Reiseunternehmen bedeuten die Regeln eine direkte Geschäftseinschränkung.

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Energiesektor: LNG-Importstopp und rechtlicher Konflikt

Besonders scharf sind die Maßnahmen im Energiesektor. Ein Kernstück des Pakets ist das Importverbot für russisches Flüssigerdgas (LNG), das am 25. April 2026 in Kraft treten soll. Damit will die EU eine der letzten großen Einnahmequellen Moskaus trockenlegen.

Doch die Einheit bröckelt: Ungarn hat Klage beim Europäischen Gerichtshof (EuGH) eingereicht. Die Regierung in Budapest argumentiert, die jüngste Gas-Importverordnung sei als Sanktionsbeschluss einstimmig hätte beschlossen werden müssen – nicht mit qualifizierter Mehrheit als handelspolitische Maßnahme. Dieser Schritt offenbart die tiefen Gräben bei der gemeinsamen Sanktionspolitik.

Razzien in Deutschland: Kampf gegen Sanktionsumgehung

Parallel zu den neuen Verboten gehen die Behörden rigoros gegen Umgehungen vor. Am 2. Februar 2026 führte die deutsche Polizei Razzien durch und nahm fünf Personen fest. Ihnen wird vorgeworfen, über ein kriminelles Netzwerk Güter im Wert von mindestens 30 Millionen Euro an russische Rüstungsunternehmen geliefert und so das EU-Embargo gebrochen zu haben.

Die Botschaft ist eindeutig: Schlupflöcher werden aktiv gesucht und geschlossen. In Brüssel werden bereits Diskussionen über ein mögliches 20. Sanktionspaket geführt, bei dem die Bekämpfung von Umgehungsgeschäften im Mittelpunkt stehen wird.

Analyse: Von der Ankündigung zur harten Umsetzung

Die aktuellen Entwicklungen markieren eine neue Phase der EU-Sanktionspolitik. Es geht nicht mehr nur um neue Pakete, sondern um die harte, einheitliche Durchsetzung des bestehenden, komplexen Regelwerks. Die größten Herausforderungen sind dabei offensichtlich: der innereuropäische Zusammenhalt – exemplarisch am Vorgehen Ungarns – und die Unterbindung illegaler Handelsrouten über Drittländer.

Die Effektivität der gesamten Sanktionsarchitektur hängt maßgeblich davon ab, ob diese beiden Hürden überwunden werden können. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die wirtschaftliche Isolation Russlands weiter vertieft werden kann.

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