EU-Richtlinien, Gehalts-Transparenz

EU-Richtlinien zwingen Unternehmen zu radikaler Gehalts-Transparenz

16.01.2026 - 02:00:12

Ab Juni 2026 müssen europäische Unternehmen ihre Gehälter offenlegen. Die neue EU-Entgelttransparenzrichtlinie erzwingt einen tiefgreifenden Wandel in der Personalarbeit. Gleichzeitig verknüpfen neue ESG-Regeln Führungsgehälter mit Nachhaltigkeitszielen.

Die Richtlinie (RL 2023/970) verschärft das deutsche Entgelttransparenzgesetz massiv. Ihr Ziel: Die geschlechtsspezifische Lohnlücke schließen. Das hat konkrete Folgen für die Personalpraxis.

  • Stellenausschreibungen müssen künftig das Einstiegsgehalt oder eine Gehaltsspanne nennen.
  • Die Frage nach der bisherigen Vergütung im Bewerbungsgespräch wird unzulässig.
  • Mitarbeiter erhalten ein umfassendes Auskunftsrecht über durchschnittliche Gehälter in ihrer Vergleichsgruppe.
  • Firmen mit über 100 Beschäftigten müssen regelmäßig über den Gender Pay Gap berichten. Liegt die Lücke über fünf Prozent ohne sachliche Rechtfertigung, sind Gegenmaßnahmen Pflicht.

Nachhaltigkeit wird im Gehalt verankert

Parallel dazu gewinnt die Verknüpfung von Vergütung und Nachhaltigkeit an Bedeutung. Die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) verlangt, dass Unternehmen auch ihre Vergütungspolitik offenlegen.

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Investoren und Banken drängen darauf, nicht-finanzielle Ziele in die variable Vergütung von Vorständen zu integrieren. Experten empfehlen eine Gewichtung von 20 bis 30 Prozent für ESG-Kriterien wie CO2-Reduktion oder Diversität. So soll sichergestellt werden, dass Nachhaltigkeit mehr ist als nur ein Lippenbekenntnis.

HR-Abteilungen brauchen Technologie

Die neuen Reporting-Pflichten überfordern Personalabteilungen ohne digitale Unterstützung. Die Erfassung und Analyse der geforderten Daten erfordert moderne HR-IT-Systeme.

Der Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) im Performance Management wird zur Norm. KI-Systeme können helfen, Leistungsmuster zu erkennen und faire Beurteilungen zu unterstützen. Sie ermöglichen den Shift von der reinen Arbeitszeiterfassung hin zu einer ergebnisorientierten Leistungsbewertung.

Mehr als nur Bürokratie: Ein Kulturwandel

Die Veränderungen sind weit mehr als eine Compliance-Übung. Sie zwingen Unternehmen, ihre Stellenbewertungen zu objektivieren und klare, geschlechtsneutrale Karrierepfade zu definieren.

Transparente Gehälter können das Vertrauen der Belegschaft stärken. Sie bergen aber auch Risiken wie interne Unruhen oder steigende Lohnkosten. Viele Führungskräfte sorgen sich um die Wettbewerbsfähigkeit und die flexible Belohnung von Top-Talenten.

Doch der Wandel ist unumkehrbar. Unternehmen, die ihre Vergütungssysteme jetzt auf Fairness und Nachvollziehbarkeit ausrichten, könnten im Kampf um die besten Köpfe einen Vorteil haben. Bis zum Stichtag im Juni 2026 bleibt nur wenig Zeit für die Vorbereitung.

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