EU-Mercosur-Abkommen: Historischer Durchbruch für deutsche Exporte
15.01.2026 - 09:34:12Nach über 20 Jahren Verhandlungen ebnet ein Freihandelsabkommen mit Südamerika den Weg für deutsche Unternehmen. Die Unterzeichnung erfolgt am Samstag in Paraguay.
Das Abkommen schafft eine der größten Freihandelszonen der Welt und entlastet deutsche Exporteure um Milliarden. Es ist die Antwort Europas auf Protektionismus und eine strategische Diversifizierung der Lieferketten weg von China. Besonders die deutsche Automobil- und Maschinenbauindustrie atmet auf.
Zölle fallen, Märkte öffnen sich
Der Vertrag mit den Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay umfasst einen Markt von über 700 Millionen Menschen. Der Kern: der schrittweise Abbau von rund 91 Prozent der Zölle auf europäische Exporte. Bislang belasteten hohe Schutzzölle insbesondere den Automobil- und Maschinenbau.
Die EU-Kommission rechnet mit jährlichen Einsparungen für europäische Unternehmen von vier Milliarden Euro. Ein weiterer zentraler Punkt ist der Zugang zu kritischen Rohstoffen. Die Mercosur-Länder sind reich an Lithium und Kupfer – Schlüsselmaterialien für die digitale und grüne Transformation Europas. Das verringert die einseitige Abhängigkeit von chinesischen Lieferanten.
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Deutsche Industrie begrüßt „überfällige“ Entscheidung
Die Reaktionen aus der deutschen Wirtschaft sind durchweg positiv. Die Verbände sehen in dem Abkommen einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil.
Automobilbranche: Chance für „Made in Germany“
Für die Automobilindustrie kommt die Einigung zum richtigen Zeitpunkt. Bisher behinderten Zölle von bis zu 35 Prozent auf Pkw und 18 Prozent auf Teile den Export. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) spricht von einer „überfälligen und positiven Nachricht“. Zwar produzieren deutsche Hersteller bereits vor Ort, doch das Exportpotenzial aus Europa ist noch lange nicht ausgeschöpft.
Der zollfreie Zugang könnte nicht nur den Absatz von Fahrzeugen steigern, sondern auch die Verbreitung der Elektromobilität in Südamerika beschleunigen. Ein klarer Schub für den Standort Deutschland.
Chemie und Pharmaindustrie atmen auf
Auch die chemisch-pharmazeutische Industrie, die bereits Waren im Wert von über vier Milliarden Euro pro Jahr in die Region liefert, begrüßt den Schritt. Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) betont die Schaffung fairer Wettbewerbsbedingungen gegenüber staatlich subventionierter Konkurrenz.
Neben dem Zollabbau sind für die Branche die Harmonisierung technischer Standards und der verbesserte Schutz geistigen Eigentums im Vertrag entscheidend.
Zäher politischer Weg mit Kompromissen
Die Einigung war bis zuletzt hart umkämpft. Vor allem Frankreich stemmte sich aus Sorge um die heimische Landwirtschaft gegen den Deal und versuchte, eine Sperrminorität zu organisieren.
Der Durchbruch gelang, als Italien seine Skepsis aufgab. Im Gegenzug sicherte sich Rom Schutzklauseln und einen Kompensationsfonds für europäische Landwirte. Diese „Safeguards“ erlauben der EU bei marktverzerrenden Importen – etwa von Rindfleisch oder Zucker – Schutzmaßnahmen.
Bei der finalen Abstimmung im EU-Ministerrat am 9. Januar zeigten sich die Risse: Während Deutschland, Spanien und Italien zustimmten, votierten Frankreich, Polen, Österreich und Ungarn dagegen. Dass das Abkommen dennoch durchkam, unterstreicht den politischen Willen zur Neuausrichtung der Handelspolitik.
Warum das Abkommen jetzt so wichtig ist
Das Timing ist kein Zufall. In einer Zeit globaler Handelskonflikte setzt Europa ein klares Zeichen.
- Antwort auf Protektionismus: Angesichts neuer Handelsbarrieren in den USA brauchen deutsche Exporteure alternative Wachstumsmärkte. Lateinamerika bietet diese Perspektive.
- Sicherung von Rohstoffen: Im Wettlauf um Ressourcen für die Energiewende bindet sich Europa vertraglich an rohstoffreiche Partner. Das reduziert das Risiko von Lieferengpässen.
- Geopolitisches Signal: Ein Scheitern des Abkommens hätte den Einfluss Chinas in Südamerika weiter gestärkt. Der Vertrag dient auch dazu, westliche Standards und Werte in der Region zu verankern.
Nächste Hürde: Die Ratifizierung im EU-Parlament
Nach der Unterzeichnung am 17. Januar ist der Prozess noch nicht abgeschlossen. Das Abkommen muss nun vom Europäischen Parlament ratifiziert werden, voraussichtlich im zweiten Quartal 2026.
Diese Abstimmung könnte zur Zitterpartie werden. Umweltgruppen und Agrarlobbyisten werden ihren Druck auf die Abgeordneten erhöhen. Die Befürworter verweisen auf die im Vertrag verankerten, strengen Nachhaltigkeitskapitel, die Verpflichtungen zum Klimaschutz und zum Erhalt des Regenwaldes enthalten.
Für deutsche Unternehmen heißt das: Die Tür nach Südamerika steht offen, doch bis zur vollständigen Umsetzung aller Zollsenkungen ist Geduld gefragt. Strategische Planungen für den Markteintritt sollten jedoch jetzt beginnen.
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