EU-Mercosur-Abkommen, Deutscher

EU-Mercosur-Abkommen: Deutscher Export erhält historischen Schub

17.01.2026 - 00:31:12

Die EU und die Mercosur-Staaten schließen ein historisches Freihandelsabkommen, das deutsche Schlüsselindustrien begünstigt, aber strengere Nachhaltigkeitsregeln für Lieferketten mit sich bringt.

Nach 25 Jahren zäher Verhandlungen ist der Weg frei für die größte Freihandelszone der Welt. Das Abkommen zwischen der EU und den Mercosur-Staaten eröffnet deutschen Unternehmen gigantische Märkte – und stellt sie vor neue Regeln.

Das historische Handelsabkommen wurde heute in Asunción, Paraguay, unterzeichnet. Es schafft einen Markt mit über 700 Millionen Menschen und beendet einen der längsten Verhandlungsmarathons der Handelsgeschichte. Für die exportstarke deutsche Wirtschaft beginnt eine neue Ära im Handel mit Südamerika. Der Durchbruch gelang erst vor wenigen Tagen, als der Europäische Rat grünes Licht gab.

Deutscher Maschinenbau und Autobauer profitieren massiv

Die wirtschaftlichen Vorteile sind enorm. Die EU-Kommission schätzt, dass europäische Firmen durch wegfallende Zölle jährlich rund vier Milliarden Euro sparen. Die Exporte nach Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay könnten um bis zu 49 Milliarden Euro jährlich steigen.

Besonders deutsche Schlüsselindustrien stehen vor einem Boom. Bislang schützten hohe Zölle von bis zu 35 Prozent auf Autoimporte den südamerikanischen Markt. Diese werden nun schrittweise abgebaut. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) und der BDI begrüßen das Abkommen als großen Erfolg. Neben der Auto- und Pharmabranche profitiert vor allem der deutsche Maschinenbau. Zudem sichert das Abmerk den Zugang zu kritischen Rohstoffen wie Lithium, das für die Elektromobilität unverzichtbar ist.

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Neue Hürde: Strengere Nachhaltigkeitsregeln für Lieferketten

Doch der Deal hat einen Preis. Ein Kernstück sind neue Verpflichtungen zu Umwelt- und Sozialstandards. Das Pariser Klimaabkommen wird vertraglich verankert, spezielle Klauseln sollen den Schutz des Amazonas-Regenwaldes stärken.

Für deutsche Unternehmen bedeutet das: Sie müssen ihre Lieferketten noch transparenter machen und auf Nachhaltigkeit überprüfen. Die Einhaltung von Umwelt- und Arbeitsrechten wird zur Voraussetzung für zollbegünstigten Handel. Kritiker von Umweltorganisationen halten die vereinbarten Mechanismen jedoch für zu schwach. Sie fürchten, dass der erhöhte Handel mit Agrarprodukten und Autos die Klimaziele untergräbt.

EU-Landwirte bangen – Schutzklauseln sollen helfen

Die europäische Landwirtschaft blickt mit Sorge auf das Abkommen. Verbände fürchten eine Flut billiger Konkurrenz bei Rindfleisch, Geflügel und Zucker aus Südamerika.

Als Antwort darauf enthält der Vertrag Schutzmechanismen. Bei einer Marktstörung kann die EU Zollvorteile vorübergehend aussetzen. Für sensible Produkte wie Rindfleisch (99.000 Tonnen/Jahr) und Zucker (180.000 Tonnen) gelten zudem strikte Zollkontingente. Ob diese Instrumente die heimischen Bauern wirksam schützen, muss sich erst zeigen.

Geopolitisches Signal in unsicheren Zeiten

Politisch sendet die Unterzeichnung ein starkes Signal. In einer Zeit protektionistischer Tendenzen setzt Brüssel auf regelbasierten Freihandel. Das Abmerk stärkt die strategische Partnerschaft mit Südamerika und macht Europa unabhängiger von anderen Handelsblöcken. Die jüngsten geopolitischen Verschiebungen gaben den finalen Verhandlungen den nötigen Schub.

Was kommt jetzt? Der lange Weg der Ratifizierung

Mit der Unterschrift ist es nicht getan. Als nächstes muss das Europäische Parlament dem handelspolitischen Teil zustimmen. Da dieser in EU-Kompetenz fällt, könnte eine vorläufige Anwendung schon 2026 starten.

Das vollständige Partnerschaftsabkommen hingegen muss jedes nationale Parlament der EU ratifizieren – ein Prozess, der noch Jahre dauern kann. Deutsche Unternehmen sollten nun ihre Compliance-Strategien anpassen. Die Chance auf den weltgrößten Freihandelsraum ist da. Sie zu nutzen, wird zur neuen Herausforderung.

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