EU-Entscheidung, Mittelstand

EU-Entscheidung entlastet deutschen Mittelstand bei ESG-Berichten

20.01.2026 - 06:07:12

Eine EU-Reform befreit viele deutsche Unternehmen von der direkten CSRD-Berichtspflicht. Dennoch bleibt der Druck von Kunden und Banken hoch, sodass eine strategische Auseinandersetzung mit ESG-Themen weiterhin notwendig ist.

Eine EU-Reform befreit zehntausende deutsche Unternehmen von der direkten Nachhaltigkeits-Berichtspflicht. Doch der Marktdruck bleibt hoch – wer jetzt nicht handelt, riskiert Wettbewerbsnachteile.

Das von der EU beschlossene „Omnibus 1“-Vereinfachungspaket hat die Regeln für die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) grundlegend geändert. Die drastisch erhöhten Schwellenwerte sorgen für eine unerwartete Atempause im deutschen Mittelstand. Doch Experten warnen: Die gewonnene Zeit sollte strategisch genutzt werden, denn Kunden, Banken und Investoren fordern ESG-Daten weiterhin ein.

Neue Schwellenwerte entlasten die meisten Betriebe

Im Dezember 2025 einigten sich Europäisches Parlament und Rat auf die Reform. Kern ist eine massive Anhebung der Kriterien. Künftig sind nur noch Unternehmen direkt berichtspflichtig, die mehr als 1.000 Mitarbeiter beschäftigen und einen Nettoumsatz über 450 Millionen Euro erzielen.

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Diese Anpassung reduziert den Kreis der direkt betroffenen Firmen in der EU um schätzungsweise 90 Prozent. Ursprünglich sollten bereits Betriebe mit 250 Mitarbeitenden und 50 Millionen Euro Umsatz ab 2025 berichten. Für diese und weitere Gruppen wurden die Fristen um mindestens zwei Jahre verschoben. Die neuen Regeln gelten für Geschäftsjahre, die am oder nach dem 1. Januar 2027 beginnen.

Die Bundesregierung hat signalisiert, diese Erleichterungen bei der nationalen Umsetzung zu berücksichtigen. Das Ende des bürokratischen Drucks? Bei Weitem nicht.

Der Markt fordert, was das Gesetz nicht mehr vorschreibt

Trotz des gesetzlichen Aufschubs wäre es ein fataler Fehler, das Thema ESG nun ad acta zu legen. Der Druck von Geschäftspartnern nimmt sogar zu. Große Konzerne, die weiterhin berichten müssen, fordern die notwendigen Daten von ihren Zulieferern entlang der gesamten Wertschöpfungskette ein. Wer hier nicht liefern kann, riskiert den Verlust von Aufträgen.

Parallel haben Banken ihre Kreditvergabekriterien angepasst. Ein solides ESG-Profil ist entscheidend für günstige Finanzierungskonditionen. Die Befreiung von der Pflicht ist also keine Befreiung vom Markt. Die Auseinandersetzung mit Nachhaltigkeit hat sich von einer regulatorischen Last zu einem strategischen Wettbewerbsfaktor gewandelt.

Gewonnene Zeit strategisch nutzen

Für nun nicht mehr direkt betroffene Unternehmen rücken freiwillige Standards in den Fokus. Die European Financial Reporting Advisory Group (EFRAG) hat dafür die freiwilligen European Sustainability Reporting Standards für KMU (VSME ESRS) entwickelt. Dieser vereinfachte Rahmen hilft, Kerninformationen für Partner und Banken aufzubereiten, ohne die volle Komplexität der ESRS zu bewältigen.

Berater raten dringend, die gewonnene Zeit proaktiv zu nutzen. Empfohlene Schritte sind:
* Eine ehrliche Bestandsaufnahme der vorhandenen Nachhaltigkeitsaktivitäten.
* Der Aufbau robuster Prozesse zur Datenerfassung und -validierung.
* Die Integration von ESG-Aspekten in Risikomanagement und Unternehmensstrategie.

Pragmatische Korrektur mit Risiken

Die „Omnibus 1“-Reform ist eine direkte Reaktion auf die massive Kritik der Wirtschaft an bürokratischer Überlastung. Die EU korrigiert ihren ambitionierten Green Deal pragmatisch, ohne ihn aufzugeben.

Kritische Stimmen wie Prof. Dr. Patrick Velte von der Leuphana Universität Lüneburg warnen jedoch vor Risiken. Die vereinfachten VSME-Standards erfordern keine tiefgehende Wesentlichkeitsanalyse. Dadurch könnte die Steuerungsrelevanz der ESG-Daten für die Unternehmensführung leiden. Die Verzahnung von Nachhaltigkeits- und Finanzdaten, ein Kernziel der CSRD, droht an Bedeutung zu verlieren.

Dynamische Lage mit klarer Botschaft

In den kommenden Monaten wird die finale nationale Umsetzung in Deutschland erwartet. Die Lage bleibt dynamisch: Die EU-Kommission will die Schwellenwerte 2031 erneut prüfen, und branchenspezifische Standards stehen noch aus.

Die zentrale Botschaft für den deutschen Mittelstand ist klar: Die Auseinandersetzung mit der eigenen Nachhaltigkeitsperformance ist unausweichlich. Der Fokus hat sich lediglich verschoben – von der Pflichterfüllung hin zur strategischen Positionierung im Kampf um Kapital, Aufträge und Talente. Die Betriebe, die jetzt die Weichen stellen, werden langfristig im Vorteil sein.

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