EU-Datenschützer, Großoffensive

EU-Datenschützer starten Großoffensive gegen KI-Blackboxen

02.01.2026 - 05:45:12

Europäische Datenschutzbehörden prüfen ab 2026 die Erklärbarkeit automatisierter Entscheidungen. Unternehmen müssen ihre Systeme anpassen, um Bußgelder zu vermeiden und für das kommende KI-Gesetz vorbereitet zu sein.

Die europäischen Datenschutzbehörden starten 2026 eine koordinierte Großaktion für transparente KI-Systeme. Hintergrund ist ein wegweisendes EuGH-Urteil, das vage Erklärungen für automatisierte Entscheidungen verbietet.

Transparenz wird zur Pflicht

Seit Jahresbeginn läuft die fünfte koordinierte Durchsetzungsaktion des Europäischen Datenschutzausschusses (EDPB). Im Fokus stehen die Transparenzpflichten der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Nationale Aufsichtsbehörden in ganz Europa prüfen nun, wie Unternehmen Betroffene über automatisierte Entscheidungen informieren – besonders bei Scoring und Profiling.

„Dies ist keine Routineprüfung“, betonen Branchenbeobachter. Die Aktion reagiert direkt auf die wachsende Intransparenz von Algorithmen in Kreditvergabe, Versicherungen und Personalauswahl. Durch EU-weite Koordination wollen die Regulierer „Forum Shopping“ verhindern und klare Standards von Dublin bis Warschau durchsetzen.

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EuGH-Urteil setzt neue Maßstäbe

Rechtliche Grundlage ist das EuGH-Urteil im Fall C-203/22 vom 27. Februar 2025. Damals ging es um einen Österreicher, dem ein Mobilfunkvertrag aufgrund eines automatisierten Kreditscores verweigert wurde. Das Gericht urteilte eindeutig: Geschäftsgeheimnisse dürfen nicht das Recht auf Erklärung automatisierter Entscheidungen aushebeln.

Unternehmen müssen nun „prägnant, verständlich und leicht zugänglich“ erklären, wie ihre Systeme funktionieren. Entscheidend ist, dass Betroffene nachvollziehen können, wie konkrete Datenpunkte das Ergebnis beeinflussten. Bloße mathematische Formeln oder allgemeine Parameterbeschreibungen reichen nicht mehr aus.

Brücke zum KI-Gesetz

Die Timing der EDPB-Aktion ist strategisch. Sie schlägt eine Brücke zum EU-KI-Gesetz, dessen Transparenzregeln für Hochrisiko-KI erst am 2. August 2026 voll greifen. Bis dahin bleibt die DSGVO das Hauptinstrument gegen KI-Opazität.

Experten sehen darin einen cleveren Schachzug: Regulierer nutzen das EuGH-Präzedenz, um bereits jetzt „KI-Gesetz-Level“-Transparenz durchzusetzen. Unternehmen, die die aktuellen Prüfungen bestehen, wären damit für das neue Regime im August bereits vorqualifiziert. So entsteht ein nahtloser Übergang ohne regulatorische Lücken.

Praktische Folgen für Unternehmen

Die Botschaft an die Wirtschaft ist klar: Erklärbarkeit wird zur Voraussetzung für Rechtmäßigkeit. Besonders betroffen sind Branchen mit hohem Scoring-Anteil – Fintechs, Telekommunikation und Versorger.

Compliance-Teams müssen ihre Datenschutzhinweise und Erklärungen dringend überprüfen. Systeme, deren Entscheidungslogik für Laien nicht verständlich ist, könnten als DSGVO-widrig eingestuft werden. Das zwingt möglicherweise zum Umstieg von „Blackbox“-Modellen auf interpretierbare Systeme oder zur Nutzung spezieller Explainable AI (XAI)-Werkzeuge.

Was kommt auf Unternehmen zu?

Im ersten Halbjahr 2026 rechnet der Markt mit einer Reihe hochkarätiger Untersuchungen und möglicher hoher Geldbußen. Die Ergebnisse werden voraussichtlich in einem umfassenden EDPB-Bericht zusammengefasst, der den europäischen Transparenzstandard endgültig definiert.

Unternehmen, die ihre Daten-Governance jetzt nicht anpassen, riskieren bis Jahresende den doppelten Druck von Datenschutz- und KI-Aufsichtsbehörden. Die Weichen für die KI-Regulierung des nächsten Jahrzehnts werden in diesen Monaten gestellt.

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