EU beschleunigt Zollreform: Ab Juli 2026 Gebühr für Billig-Pakete
29.01.2026 - 12:27:12Die EU zieht bei der Zollreform die Notbremse und führt eine neue Bearbeitungsgebühr für Billig-Importe bereits ab 1. Juli 2026 ein. Grund sind explodierende Paketmengen aus China, die das europäische Zollsystem an seine Grenzen bringen.
Alarmierende Zahlen zwingen zum Handeln
Die Entscheidung fiel nach der Veröffentlichung alarmierender Daten durch die Europäische Kommission. Demnach erreichten 2025 rund 5,8 Milliarden niedrigpreisige E-Commerce-Sendungen die EU – ein Plus von 26 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dieses exponentielle Wachstum überfordert die Zollbehörden und untergräbt den fairen Wettbewerb für europäische Händler.
„Das Wachstum dieser Importe ist nicht mehr tragbar“, erklärt Dirk Gotink, EU-Abgeordneter und Chefverhandler der Zollgesetzgebung. Deshalb werde die europäische Bearbeitungsgebühr vorgezogen. Ursprünglich war die komplette Reform erst für 2028 geplant.
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Die 3-Euro-Gebühr: Das steckt dahinter
Kern der beschleunigten Reform ist eine pauschale Bearbeitungsgebühr von 3 Euro pro Paket. Sie betrifft alle Direktimporte aus Drittländern unter 150 Euro Warenwert, die bisher zollfrei in die EU gelangten. Die Gebühr deckt die administrativen Kosten für die Abfertigung von Millionen Kleinstsendungen – Kosten, die bisher Steuerzahler und Logistiker trugen.
Die Maßnahme schließt eine lukrative Lücke im System zwei Jahre früher als geplant. Sie ist eine direkte Reaktion auf den operativen Notstand an den Grenzen. Durch die einfache Pauschale ab Juli 2026 will die EU sofort Einnahmen und Daten erfassen, anstatt auf die komplexen IT-Systeme des für 2028 geplanten EU-Zolldatenhubs zu warten.
Temu-Effekt und US-Politik treiben Paketflut
Die Beschleunigung wird maßgeblich vom Boom ultra-billiger Mode- und Marktplatzplattformen getrieben. Beobachter verweisen auf die rasante Expansion chinesischer Plattformen wie Temu, Shein und AliExpress als Hauptmotor der Paketflut.
Der 26-prozentige Anstieg der Importe 2025 wird auch einem „Ballon-Effekt“ durch die US-Handelspolitik zugeschrieben. Nachdem die USA im vergangenen Jahr ihre eigene Bagatellgrenze abschafften, scheinen sich Handelsströme nach Europa verlagert zu haben. Der Kommissionsbericht zeigt: Der Großteil der 5,8 Milliarden Pakete stammt aus China. Die Sorge wächst, die EU sei zum Abladeplatz für Billigwaren geworden, die nicht mehr zollfrei in die USA gelangen können.
Ein weiteres Argument für die frühe Gebühr sind massive Compliance-Probleme. Schätzungen zufolge werden etwa 65 Prozent der Kleinstpakete in die EU unterbewertet, um Zölle oder Kontrollen zu umgehen. Die neue Pauschale macht solche Strategien wirkungslos, da sie pro Sendung unabhängig vom deklarierten Wert fällig wird.
Folgen für Handel und Logistik
Für europäische Händler und Logistikunternehmen kommt die Vorziehung der Gebühr gelegen. Deutsche Handelsverbände kämpfen seit langem für die Abschaffung der 150-Euro-Grenze. Sie benachteilige lokale Unternehmen, die volle Steuern und Abgaben zahlen müssen.
Logistikexperten warnen jedoch: Die Einführung im Juli 2026 erfordert sofortige Anpassungen bei Transporteuren und Postdiensten. Die Gebühr schafft zwar Einnahmen, macht aber auch die „letzte Meile“ komplexer. Die Zusteller müssen sicherstellen, dass die Gebühr entweder beim Verkauf (über das IOSS-System) oder bei der Lieferung erhoben wird.
Die Reform wird das Konsumverhalten verändern. Bei einem 3-Euro-Aufschlag auf Artikel, die oft nur 5 oder 10 Euro kosten, wird das „kostenlose Versand“-Modell für Billigware unattraktiv. Analysten erwarten eine Konsolidierung der Bestellungen oder eine Abkühlung des Ultra-Billig-Marktes.
Ausblick: Der Weg bis 2028
Die Gebühr ab Juli 2026 ist nur die erste Phase des EU-Zollreformpakets. Endziel bleibt die Einrichtung des EU-Zolldatenhubs 2028, einer zentralen digitalen Plattform, die nationale IT-Systeme ersetzen und Echtzeitdaten zu Lieferketten liefern soll.
Bis dahin arbeiten Rat und Parlament am finalen Rechtstext für die Juli-Einführung. Die politische Einigung steht seit Ende 2025. Jetzt liegt der Fokus auf der technischen Umsetzung der Gebührenerhebung. Unternehmen, die mit der EU handeln, sollten ihre Preismodelle und Zolldatensysteme sofort aktualisieren.
Die beschleunigte Timeline sendet eine klare Botschaft an globale E-Commerce-Riesen: Die Ära des zoll- und reibungslosen Zugangs zum europäischen Binnenmarkt endet abrupt.
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