EU-Bericht, Steuerlücke

EU-Bericht: Steuerlücke wächst auf 128 Milliarden Euro

12.01.2026 - 11:14:13

Die Mehrwertsteuer-Lücke in der EU ist 2023 auf 128 Milliarden Euro angestiegen. Deutschland zeigt Schwächen bei der Betrugsbekämpfung, während politische Vergünstigungen hohe Einnahmeausfälle verursachen.

Brüssel/Nürnberg – Die Steuerehrlichkeit in Europa schwindet. Ein neuer EU-Bericht zeigt einen alarmierenden Anstieg der Steuerausfälle, der auch Deutschland betrifft.

Die Europäische Kommission schlägt Alarm. Ihr aktueller „Mind the Gap“-Bericht, dessen Details deutsche Steuerexperten heute analysieren, offenbart eine besorgniserregende Trendwende. Nach Jahren der Verbesserung ist die EU-weite Mehrwertsteuer-Lücke 2023 auf geschätzte 128 Milliarden Euro angeschwollen. Das ist ein drastischer Rückschlag für die europäische Finanzverwaltung.

Die 128-Milliarden-Lücke: Ein Rückschlag für Europa

Die zentrale Erkenntnis des Berichts ist die Wiederausweitung der sogenannten Mehrwertsteuer-Compliance-Lücke. Diese misst die Differenz zwischen der theoretisch möglichen und der tatsächlich eingenommenen Steuer. Nach einem Rückgang in den Pandemiejahren schnellte der Wert 2023 von etwa 89 Milliarden Euro auf die neue Rekordmarke.

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Experten machen einen „perfekten Sturm“ aus wirtschaftlichen Faktoren verantwortlich. Das Ende der Corona-Hilfen ließ zurückgestaute Insolvenzen zutage treten. Hohe Inflation und schwaches Wachstum belasteten die Liquidität der Unternehmen – ein klassischer Nährboden für Steuerausfälle. Zudem kehrten mit Tourismus und Dienstleistungen Branchen zurück, die traditionell anfälliger für Steuerhinterziehung sind.

Deutschlands gemischte Bilanz: Verwaltung versus Politik

Für Deutschland zeichnet der Report ein zwiespältiges Bild. Die Analyse trennt scharf zwischen Compliance-Lücke (durch Betrug und Hinterziehung) und Policy-Lücke (durch politisch gewollte Steuervergünstigungen).

Bei der Bekämpfung von Steuerbetrug zeigt sich Deutschland angreifbar. Die Compliance-Lücke bei der Mehrwertsteuer stieg 2023 auf 9,7 Prozent und liegt damit nur im EU-Durchschnitt. Während Länder wie Österreich (1 Prozent) oder Finnland (3 Prozent) vorbildlich dastehen, verzeichnet Deutschland eine Verschlechterung um etwa drei Prozentpunkte. Das signalisiert: Selbst eine robuste Verwaltung kommt mit ausgeklügelten Betrugsmustern und der Wirtschaftslage kaum noch hinterher.

Deutlich auffälliger ist die Policy-Lücke. Sie beziffert Einnahmeausfälle durch ermäßigte Steuersätze und Befreiungen, etwa für Lebensmittel oder Kultur. Hier liegt Deutschland bei enormen 46 Prozent. Fast die Hälfte des potenziellen Mehrwertsteueraufkommens geht durch politische Entscheidungen verloren. Die EU-Kommission stellt diese Praxis in Zeiten knapper Kassen zunehmend infrage.

Premiere: Auch die Körperschaftsteuer-Lücke wird sichtbar

Eine Neuheit des Berichts ist die erstmalige Schätzung der Lücke bei der Körperschaftsteuer. EU-weit gehen schätzungsweise 10,9 Prozent der fälligen Steuern auf Unternehmensgewinne verloren.

Deutschland schneidet hier vergleichsweise gut ab. Mit einer geschätzten Lücke von nur 6 bis 7,5 Prozent liegt die Bundesrepublik deutlich unter dem EU-Durchschnitt. Das spricht für die Wirksamkeit der deutschen Betriebsprüfungen. In Staaten wie Rumänien oder der Slowakei hingegen liegt die Lücke bei über 20 Prozent – ein Zeichen für massive Unterschiede in den Verwaltungskapazitäten im Binnenmarkt.

Digitale Steuererklärung als Ausweg?

Die Zahlen befeuern die Debatte um eine Modernisierung der Steuerverwaltung. „Der Rückschritt bei der Mehrwertsteuer ist ein Weckruf“, kommentiert die Software-Genossenschaft DATEV, die den Bericht für deutsche Steuerberater auswertet. „Ohne kontinuierliche Modernisierung können Steuersysteme schnell zurückfallen.“

Die EU setzt ihre Hoffnung nun auf die geplante Reform „VAT in the Digital Age“ (ViDA). Sie sieht eine verpflichtende, digitale Echtzeit-Meldung und E-Rechnung für grenzüberschreitende Transaktionen vor. Durch automatisierte Datenströme soll Betrugsmodelle wie der Karussellbetrug, der Milliarden kostet, praktisch unmöglich gemacht werden. Für deutsche Unternehmen bedeutet das: Die Ära der papierbasierten Steuererklärung geht zu Ende. Die Finanzverwaltungen werden den digitalen Kontrollzug beschleunigen, um verlorene Einnahmen zurückzuholen – ohne die offiziellen Steuersätze anzuheben.

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