ETSI, EU-Standard

ETSI veröffentlicht ersten EU-Standard für KI-Sicherheit

16.01.2026 - 02:02:12

Ein neuer technischer Standard des ETSI übersetzt die Vorgaben des EU-KI-Gesetzes in praktische Handlungsanweisungen für Unternehmen. Er bietet erstmals Planungssicherheit für die Umsetzung bis August 2026.

Brüssel. Der Countdown für die Umsetzung des EU-KI-Gesetzes läuft – und nun gibt es erstmals eine konkrete technische Blaupause für sichere KI-Systeme. Das Europäische Institut für Telekommunikationsnormen (ETSI) hat am Donnerstag einen wegweisenden Standard für KI-Cybersicherheit veröffentlicht. Er soll Unternehmen den Weg zur Compliance mit dem strengen EU-Recht ebnen.

Praktischer Leitfaden für das KI-Gesetz

Der neue Standard ETSI EN 304 223 gilt als entscheidender Schritt, um die komplexen rechtlichen Vorgaben des KI-Gesetzes in praktische Handlungsanweisungen zu übersetzen. Er legt grundlegende Cybersicherheitsanforderungen für KI-Modelle und -Systeme über deren gesamten Lebenszyklus fest. Für Entwickler, Anbieter und Nutzer von KI-Technologie kommt die Veröffentlichung zur rechten Zeit: Die Frist für Hochrisiko-KI-Systeme endet am 2. August 2026.

„Die Uhr tickt für Tausende Unternehmen in der EU“, sagt ein Branchenkenner. „Bisher fehlte es an klaren, technischen Vorgaben. Dieser Standard schafft endlich Planungssicherheit.“ Besonders für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) stellt die Umsetzung des KI-Gesetzes eine enorme Herausforderung dar. Die praktische Übersetzung von Rechts- in Techniktext war bislang ein großes Problem.

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Lebenszyklus-Ansatz gegen neue Bedrohungen

Anders als traditionelle Software birgt Künstliche Intelligenz einzigartige Risiken. Datenvergiftung, Modellmanipulation oder indirekte Prompt-Injection-Angriffe werden von bestehenden Sicherheitsprotokollen oft nicht abgedeckt. Der ETSI-Standard adressiert genau diese Schwachstellen.

Sein Kern ist ein strukturierter Rahmen mit Sicherheitsanforderungen für die fünf Schlüsselphasen eines KI-Systems: sicheres Design, Entwicklung, Bereitstellung, Wartung und Außerbetriebnahme. Dieser lebenszyklusbasierte Ansatz soll einen gemeinsamen Referenzpunkt für die gesamte KI-Lieferkette schaffen – von SAP-ähnlichen Entwicklern bis zu den Betreibern in den Unternehmen.

Harmonisierte Normen als Türöffner zur Compliance

Die ETSI-Norm ist Teil einer größeren EU-Strategie. Sie gehört zu den sogenannten harmonisierten Normen, die von europäischen Normungsgremien auf Ersuchen der EU-Kommission entwickelt werden. Ihre Einhaltung ist freiwillig, bietet aber einen entscheidenden Vorteil: die Vermutungswirkung der Konformität.

Das bedeutet: Wer sein KI-System nach diesem Standard baut und verwaltet, gilt automatisch als konform mit den entsprechenden Rechtsvorgaben des KI-Gesetzes. Das spart Zeit und Kosten bei Compliance-Prüfungen. Die Kommission hat Normen für zehn Schlüsselbereiche des KI-Gesetzes angefordert, darunter Risikomanagement und Daten-Governance. Die Arbeiten daran laufen auf Hochtouren.

Auf dem Weg zu einem Ökosystem des Vertrauens

ETSI EN 304 223 ist ein wichtiger Meilenstein, aber nur ein Baustein. Das neu eingerichtete Europäische KI-Büro wird 2026 voraussichtlich weitere Leitlinien veröffentlichen. Parallel arbeiten Gremien an einem Verhaltenskodex für die Kennzeichnung KI-generierter Inhalte wie Deepfakes.

Die Botschaft an die Wirtschaft ist klar: Die Phase der theoretischen Vorbereitung ist vorbei. Jetzt geht es um die operative Umsetzung. Für deutsche Unternehmen, die KI entwickeln oder einsetzen, beginnt die heiße Phase der Compliance-Arbeit. Der neue Standard bietet ihnen erstmals einen konkreten Fahrplan in die regulierte KI-Zukunft.

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