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Epic Systems startet KI-gestützte Sprachanalyse für Ärzte

05.02.2026 - 12:13:11

Die neue KI-Funktion 'AI Charting' erstellt in Echtzeit medizinische Berichte aus Gesprächen und soll so Ärzte von Bürokratie entlasten und die Patientenbeziehung stärken.

Das US-Softwareunternehmen Epic Systems automatisiert Arztgespräche mit einer neuen KI-Funktion, die klinische Notizen in Echtzeit erstellt. Das soll Ärzte von Bürokratie befreien und die Patientenbeziehung stärken.

Der Marktführer für elektronische Patientenakten (EHR) hat damit eine Antwort auf die weit verbreitete ärztliche Überlastung durch Dokumentationspflichten. Die neue Funktion „AI Charting“ ist ab sofort Teil der klinischen KI-Suite „Art“ und nutzt Spracherkennung, um Gespräche im Behandlungszimmer automatisch in strukturierte Berichte zu verwandeln. Das System kann sogar basierend auf dem Dialog medizinische Anordnungen vorbereiten.

Die unsichtbare Assistenz im Behandlungszimmer

Die Technologie soll im Hintergrund arbeiten und den Arzt von der Tastatur befreien. „Unser Ziel ist es, den Blickkontakt zum Patienten wieder in den Mittelpunkt zu stellen“, erklärt ein Unternehmenssprecher. Die KI erfasst das Gespräch, erstellt einen Entwurf der Aktennotiz und der Arzt muss diese nur noch prüfen und freigeben.

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Besonders ist die Anpassungsfähigkeit: Ärzte können per Sprachbefehl festlegen, wie bestimmte Abschnitte – etwa die Krankengeschichte – formatiert werden sollen. Diese Features wurden laut Epic in enger Zusammenarbeit mit Ärzten verschiedener Fachrichtungen entwickelt, um die klinische Praxis abzubilden. Parallel verzeichnet das Unternehmen bei seiner „Insights“-Funktion, die komplexe Patientengeschichten zusammenfasst, einen Nutzungsboom: Sie wird seit November 2025 monatlich über 16 Millionen Mal genutzt.

Erste Erfahrungen: Mehr Zeit für den Menschen

Bereits vor dem offiziellen Start setzte die Group Health Cooperative of South Central Wisconsin (GHC-SCW) als erste Klinikgruppe weltweit auf die neue KI. Das Feedback ist positiv: „Es ist ein fundamentaler Wandel für die Arzt-Patienten-Beziehung“, sagt Dr. Chris Kastman, Chief Medical Officer bei GHC-SCW. Die Technologie baue keine Barriere auf, sondern unterstütze dabei, Vertrauen aufzubauen und gemeinsame Entscheidungen zu treffen.

Auch die psychische Entlastung ist spürbar. „Die Technologie spart nicht nur Zeit, sondern schützt auch mein Wohlbefinden, weil ich mich voll auf den Patienten konzentrieren kann“, berichtet Dr. Kate Ledford, eine Ärztin der Kooperative. Die lästige Pflicht der Nachbereitung werde deutlich reduziert.

KI-Ökosystem: Von der Abrechnung bis zum Patientenportal

„AI Charting“ ist nur ein Teil von Epics KI-Offensive. Das Unternehmen treibt auch andere KI-Assistenten voran:
* „Penny“ automatisiert Aufgaben im Finanzwesen der Kliniken, wie die Abrechnungscodierung. Über 200 Organisationen nutzen sie bereits. Bei Einspruchsverfahren gegen Ablehnungen von Krankenkassen sollen Briefe so 23 % schneller erstellt werden.
* „Emmie“ ist der KI-Assistent für Patienten im MyChart-Portal und per SMS. Er hilft bei Terminbuchung, dem Verständnis von Rechnungen und der Einrichtung von Zahlungsplänen. Folge: Die Anfragen zur Abrechnung beim Kundenservice sinken dauerhaft.

Zudem ist „MyChart Central“, eine Single-Sign-On-Lösung für Patienten über alle Epic-Kliniken in den USA hinweg, nun bundesweit verfügbar.

Datenschutz und Partnerschaft mit Microsoft

Angesichts der sensiblen Gesundheitsdaten betont Epic strikte Datenschutzvorkehrungen. Die Aufzeichnung der Gespräche beginnt nur nach ausdrücklicher Einwilligung des Patienten. Die Aufnahmen werden nur kurz gespeichert und nicht zum Training der KI-Modelle verwendet. Das System sei vollständig HIPAA-konform – dem US-amerikanischen Standard für den Schutz von Patientendaten.

Die technologische Basis liefert Microsoft. Epic integriert die KI in seine Workflows, während die Rechenleistung und KI-Technologien von Microsofts Azure Cloud stammen. Diese Partnerschaft verbindet Epics Marktmacht im Gesundheitswesen mit der Skalierbarkeit einer Tech-Giganten.

Wettbewerbsvorteil in der Ärztemüdigkeit

Der Start kommt zum richtigen Zeitpunkt. Die Burnout-Raten unter Klinikpersonal sind nach wie vor hoch, oft verursacht durch administrative Last. Branchenanalysten sehen in der ambienten KI eine der vielversprechendsten Lösungen, die einem Arzt wöchentlich mehrere Stunden Dokumentationszeit einsparen könnte.

Indem Epic diese Funktion direkt in seine EHR-Software einbettet, stellt es sich gegen reine KI-Anbieter. Die nahtlose Integration macht externe Apps überflüssig und könnte die Akzeptanz bei Epics riesiger Kundenbasis beschleunigen. Für 2026 wird mit einer raschen Verbreitung gerechnet. Langfristig könnte sich der Fokus von der reinen Dokumentation hin zur unterstützenden klinischen Entscheidungsfindung verschieben und so die Patientenversorgung nachhaltig verändern.

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