Alarm, Digitalakte

ePA: Ärzte schlagen Alarm – Digitalakte droht an Aufklärung zu scheitern

15.01.2026 - 23:36:12

Ein Jahr nach der Einführung der ePA warnen Ärzteverbände vor einem Akzeptanz-Desaster. Praxen werden mit Patientenfragen überflutet, während die erhoffte Nutzung hinterherhinkt.

Ein Jahr nach dem Start der elektronischen Patientenakte werden Arztpraxen mit Patienten-Anfragen überflutet. Die KBV warnt vor einem Akzeptanz-Desaster und fordert eine Notfall-Kampagne.

Die Digitalisierung der Gesundheitsversorgung stockt an einer unerwarteten Stelle: der Aufklärung. Ein Jahr nach der flächendeckenden Einführung der elektronischen Patientenakte (ePA) für gesetzlich Versicherte zieht die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) eine alarmierende Bilanz. Während die Technik grundsätzlich funktioniere, seien die Praxen mit dem massiven Informationsbedarf der Patienten alleingelassen. Dieser Mehraufwand gefährde die Akzeptanz des milliardenschweren Digitalprojekts.

Seit dem 15. Januar 2025 wird für jeden Versicherten automatisch eine ePA angelegt, sofern er nicht aktiv widerspricht. Doch der erhoffte Nutzen – bessere Vernetzung von Befunden, Diagnosen und Medikationsplänen – bleibt für viele abstrakt. Die KBV startete nun eine bundesweite Ärzteumfrage, um den Praxisdruck zu dokumentieren. Die Ergebnisse sollen bis Ende Januar vorliegen und in die politische Debatte einfließen.

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Praxen als kostenlose Aufklärungs-Hotline

Ärzte und Medizinische Fachangestellte sehen sich laut KBV täglich mit grundlegenden Fragen konfrontiert. Patienten wollten wissen, wie die ePA funktioniert, wer auf ihre Daten zugreifen kann und wie sie ihr Widerspruchsrecht nutzen. Diese Beratung binde wertvolle Zeit, die für die eigentliche Behandlung fehle.

Bereits vor dem Start hatte die KBV die Krankenkassen aufgefordert, ihrer Informationspflicht umfassend nachzukommen. Diese Warnung scheint sich zu bewahrheiten. Ein weiterer Kritikpunkt: Die Vergütung für das Befüllen der Akte wurde zwar bis Mitte 2026 verlängert, die aufwändige Basis-Beratung der Patienten bleibt jedoch unbezahlt.

Ministerium sieht Erfolg, TK zeigt gemischtes Bild

Während Gesundheitsministerin Annalena Baerbock (Grüne) eine positive Zwischenbilanz zieht, herrscht bei den Praxen vor Ort Ernüchterung. Die KBV kritisiert, eine versprochene breite Informationskampagne des Ministeriums habe nicht die nötige Wirkung entfaltet.

Andere Akteure zeichnen ein differenzierteres Bild. Die Techniker Krankenkasse (TK) bewertet den Start als erfolgreich. Laut Vorstandschef Dr. Jens Baas hätten bereits 85 Prozent der Praxen auf Akten zugegriffen; die elektronische Medikationsliste werde millionenfach genutzt. Doch auch die TK räumt ein: Die aktive Nutzung durch Versicherte hinkt hinterher. Von rund 12 Millionen TK-Kunden nutzen bislang nur 900.000 ihre ePA selbst.

Verbraucher- und Datenschützer unterstützen Kritik

Die Sorgen der Ärzteschaft finden Rückhalt bei Verbraucherschützern. Die Verbraucherzentralen monieren seit Langem, die Informationsschreiben der Kassen seien oft einseitig. Die Vorteile würden betont, während Hinweise zum Widerspruch oder zur Nutzung ohne Internetzugang zu kurz kämen.

Datenschützer kritisieren zudem praktische Hürden. Patienten stünden oft vor einer „Alles-oder-nichts“-Entscheidung: Entweder gewähren sie dem Arzt vollen Zugriff auf alle Dokumente oder gar keinen. Eine feinjustierte Freigabe einzelner Befunde sei kaum möglich – ein Problem besonders bei sensiblen Daten.

2026 wird zum Schicksalsjahr für die Digitalakte

Das zweite Jahr der ePA wird zeigen, ob die anfänglichen Probleme überwunden werden können. Die KBV-Umfrage soll konkrete Verbesserungsvorschläge für Software und Telematikinfrastruktur liefern.

Die zentrale Aufgabe für Politik und Krankenkassen bleibt jedoch die Aufklärung. Ohne eine breite, verständliche Informationsoffensive droht das Potenzial der ePA ungenutzt zu bleiben. Das Ziel muss sein, dass die Technik im Hintergrund reibungslos läuft – und nicht zum Störfaktor in der Arzt-Patienten-Beziehung wird.

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