Freiheit, Warnschutz

EN 17353: Neue Freiheit für Warnschutz der mittleren Risikoklasse

27.01.2026 - 12:43:12

Die Arbeitsschutzbranche setzt auf flexible Sichtbarkeitslösungen nach EN 17353, um Tragekomfort und Akzeptanz zu erhöhen. Hersteller wie Engelbert Strauss und BP Workwear bringen bereits neue Produkte auf den Markt.

Die deutsche Arbeitsschutzbranche setzt zunehmend auf flexiblere Sichtbarkeitslösungen. Maßgeblich dafür ist die Norm EN 17353, die aktuell Produktneuheiten und Kampagnen großer Hersteller prägt.

Am heutigen Dienstag stellte Engelbert Strauss eine neue Kollektion vor, die erstmals zertifizierten UV-Schutz mit der Warnschutznorm EN 17353 kombiniert. Die „Visibility“-Funktionsshirts richten sich an Outdoor-Arbeiter im kommunalen Bereich und im Tiefbau, die an verkehrsnahen Bereichen tätig sind. Die Bekleidung bietet einen UV-Schutzfaktor von 50+ und erfüllt gleichzeitig die Anforderungen für „erhöhte Sichtbarkeit“. Damit reagiert der Hersteller auf den Komfort-Nachteil klassischer Warnwesten, die oft als schwer und wenig atmungsaktiv empfunden werden. Die neuen Shirts aus elastischem Leichtmaterial sollen ab dem 18. Februar 2026 im Handel erhältlich sein.

Typ B2: Gezielte Sichtbarkeit für Lager und Logistik

Bereits vergangenen Freitag startete BP Workwear (Bierbaum-Proenen) eine Initiative unter dem Motto „Mehr Sichtbarkeit, weniger Diskussion“. Im Fokus steht dabei der Typ B2 nach EN 17353. Diese Klassifizierung sichert die Sichtbarkeit der Gliedmaßen durch reflektierende Bänder an Armen und Beinen. Sie ist ideal für Arbeitsumgebungen mit mittlerem Risiko, etwa in Logistikzentren, wo Mitarbeiter zwischen hellen Innenräumen und dunklen Außenbereichen pendeln.

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Laut Branchenanalysen scheitert die konsequente Tragepflicht von Vollschutz-Warnwesten in vielen Unternehmen am Komfort. Die EN 17353 bietet hier einen pragmatischen Mittelweg. Sie erlaubt es, reflektierende Elemente zielgerichtet in die Berufskleidung zu integrieren, ohne auf die gesamte Corporate Identity verzichten zu müssen. Für Sicherheitsverantwortliche wird so die Akzeptanz bei der Belegschaft erhöht.

DGUV treibt Standard für aktive Beleuchtung voran

Die Entwicklung wird auch von den Unfallversicherungsträgern vorangetrieben. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) diskutierte in ihrem Forum im Januar 2026 die Integration aktiver Lichttechnologien. Referenz ist die technische Spezifikation DIN/TS 91418. Sie fungiert als Ergänzung zu EN 17353 und EN ISO 20471 für aktiv leuchtende Warnkleidung.

Diese Spezifikation wird derzeit für ein europäisches Normungsprojekt geprüft. Eine Harmonisierung würde die Möglichkeiten der EN 17353 erweitern und LED-Integrationen formal standardisieren. Solche aktiven Systeme sind vor allem in den dunklen Wintermonaten für Zusteller oder Müllwerker wichtig, da sie Sichtbarkeit auch ohne anstrahlendes Fremdlicht – etwa von Scheinwerfern – gewährleisten.

Warum die Norm den Markt verändert

Der Aufschwung der EN 17353 markiert eine Reifung des europäischen PSA-Markts. Während EN ISO 20471 der Goldstandard für Hochrisikobereiche wie den Autobahnbau bleibt, hat sich EN 17353 eine Nische für Szenarien mit mittlerem Risiko erobert. Die Norm unterscheidet drei Haupttypen:

  • Typ A: Sichtbarkeit bei Tageslicht (nur fluoreszierendes Material).
  • Typ B: Sichtbarkeit bei Dunkelheit (nur retroreflektierendes Material), unterteilt in B1 (frei hängend), B2 (Gliedmaßen) und B3 (Torso).
  • Typ AB: Sichtbarkeit bei Tageslicht, Dämmerung und Dunkelheit (Kombination).

Dieser modulare Ansatz erlaubt eine maßgeschneiderte Schutzausrüstung. Ein Lagermitarbeiter (Typ B2) hat andere Anforderungen als ein Schülerlotse (Typ AB). Die vielbeschworene „Flexibilität“ bezieht sich genau auf diese Möglichkeit, den Schutzgrad präzise anzupassen und eine „Überdimensionierung“ der Sicherheitskleidung zu vermeiden, die oft aus Komfortgründen abgelehnt wird.

Für Sicherheitsmanager heißt das: Sie sollten ihre Gefährdungsbeurteilungen überprüfen. Wo kann Kleidung nach EN 17353 eine komfortablere und damit besser akzeptierte Alternative zur klassischen Warnweste sein? Besonders bei Tätigkeiten mit hoher körperlicher Aktivität oder starker UV-Exposition verspricht dieser Ansatz mehr Compliance. Der nächste Meilenstein wird die mögliche europäische Normung aktiver Beleuchtungssysteme noch in diesem Jahr sein.

PS: Die EN 17353 richtet sich oft an Zusteller, Müllwerker und Lagerpersonal – für diese Tätigkeiten sind konkret formulierte GBU-Checklisten besonders hilfreich. Sichern Sie sich jetzt praxisnahe Musterformulierungen, Bewertungen nach Tätigkeitsprofil und eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, mit der Sie Schutzkleidungskonzepte (z. B. Typ B2 oder AB) rechtssicher begründen und umsetzen. Ideal für Sifas, Sicherheitsbeauftragte und Personaler, die Compliance und Akzeptanz bei Mitarbeitenden erhöhen wollen. Jetzt GBU-Checklisten gratis downloaden

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