ElektroG4: Neue Rücknahmepflichten für Händler starten 2026
29.12.2025 - 13:42:12Ab 1. Juli müssen auch Kioske und Tankstellen Elektroschrott zurücknehmen. Das neue Elektrogesetz zielt vor allem auf Einweg-E-Zigaretten und soll Brände verhindern. Für den Handel beginnt jetzt eine sechsmonatige Vorbereitungsphase.
Die vierte Novelle des Elektro- und Elektronikgerätegesetzes (ElektroG4) tritt diese Woche in Kraft. Der Bundesrat hatte die Reform bereits Ende November gebilligt. Während der rechtliche Rahmen ab 1. Januar 2026 sofort gilt, haben Händler bis zum 1. Juli 2026 Zeit, die geforderte physische Rücknahmeinfrastruktur aufzubauen. Der Gesetzgeber reagiert damit auf Deutschlands anhaltendes Verfehlen von EU-Recyclingzielen und die wachsende Brandgefahr durch Lithium-Ionen-Batterien im Abfall.
Die Umsetzung des ElektroG4 folgt einem abgestuften Zeitplan. Ab dem Jahreswechsel ist das Gesetz in vollem Umfang rechtswirksam. Diese erste Phase betrifft vor allem administrative Pflichten. Die spürbarste Veränderung für Verbraucher – die flächendeckende Rücknahme von Altgeräten im Einzelhandel – wird jedoch erst mit der zweiten Stufe ab Juli Realität.
Bis zum 1. Juli 2026 müssen die erweiterten Rücknahmeplichten vollständig umgesetzt sein. Diese Übergangsfrist soll Supermärkten, Discountern und Drogerien Zeit geben, Sammelbehälter zu beschaffen, Personal zu schulen und Verträge mit zertifizierten Entsorgungspartnern abzuschließen. Für viele dieser Geschäfte ist es die erste Berührung mit dem Thema Elektroschrottlogistik. Juristen betonen: Die Frist ist verbindlich. Wer danach keine konforme Rücknahmemöglichkeit anbietet, riskiert hohe Bußgelder.
Fokus auf Einweg-Vapes: Alle Verkaufsstellen in der Pflicht
Ein Haupttreiber der Novelle ist der explosive Anstieg von Einweg-E-Zigaretten. Diese Produkte mit fest verbauten Lithium-Batterien bereiten Entsorgungsbetrieben massive Probleme. Werden sie im Hausmüll entsorgt, werden sie in Müllfahrzeugen oft mechanisch zerdrückt – was zu gefährlichen Batteriebränden führt.
Die neuen Vorschriften schließen eine Lücke: Ab Juli sind alle Verkaufsstellen, die E-Zigaretten anbieten, zur Rücknahme verpflichtet. Das gilt unabhängig von der Verkaufsfläche und betrifft somit auch Kioske (“Spätis”), Tankstellen und Tabakläden. Für viele kleine Händler bedeutet das den Einstieg in eine komplett neue Logistik. Sie müssen sichere Lagerlösungen für potenziell beschädigte Lithium-Batterien einrichten. Die Sammelstellen müssen für Kunden klar sichtbar und leicht zugänglich sein.
Passend zum Thema Lagerung und sichere Handhabung elektrischer Altgeräte – Lithium-Ionen-Batterien sind eine nachweisliche Brandursache. Ein praxisorientiertes Komplettpaket zur Elektro-Unterweisung erklärt in verständlichen Modulen, wie Sie Mitarbeiter schulen, sichere Sammelstellen einrichten und Brandrisiken reduzieren. Ideal für Einzelhändler, Tankstellenbetreiber und Kiosk-Inhaber, die jetzt schnell handeln müssen. Jetzt Elektro-Unterweisung downloaden
Mehr Sicherheit: Das “Thekenmodell” für Wertstoffhöfe
Neben dem Handel verschärft das ElektroG4 auch die Verfahren auf kommunalen Wertstoffhöfen. Das neue “Thekenmodell” verlangt, dass Elektroaltgeräte nicht mehr einfach in Container geworfen werden dürfen. Geschultes Personal muss die Geräte persönlich in Empfang nehmen, um lose Batterien oder beschädigte Komponenten vor der Einlagerung auszusortieren.
Hintergrund sind die zunehmenden Brände in Recyclinganlagen. Branchendaten zufolge verursacht die falsche Entsorgung von Lithium-Batterien deutschlandweit etwa 30 Brände pro Tag. Das “Übergabe”- statt “Ablade”-Prinzip soll gefährliche Batterien so früh wie möglich ausschleusen. Für Unternehmen, die ihre Altgeräte auf Wertstoffhöfen abgeben, wird der Prozess dadurch aufwändiger. Eine Vorabtrennung batteriehaltiger Geräte wird empfohlen.
Neue Symbole und verschärfte Informationspflichten online
Ab 2026 gelten auch neue visuelle Standards. Ein einheitliches, farbiges Symbol für Sammelstellen ersetzt die bisherigen schwarz-weißen Logos. Händler und Online-Marktplätze haben bis zur Juli-Frist Zeit, ihre Beschilderung und digitalen Auftritte anzupassen.
Für den Online-Handel verschärfen sich die Informationspflichten sofort. E-Commerce-Plattformen müssen Kunden vor Abschluss des Kaufs klar über die Rückgabemöglichkeiten informieren. Auch die Berechnung der 400-Quadratmeter-Lagerflächen-Schwelle – die bestimmt, ob ein Online-Händler rücknahmepflichtig ist – wurde präzisiert, um Umgehungen zu erschweren. Branchenverbände raten Online-Händlern, noch diese Woche ihre Bestellabläufe und Impressumsseiten zu überprüfen. Verstöße können bereits im Januar wettbewerbsrechtliche Abmahnungen nach sich ziehen.
Hintergrund: Deutschland verfehlt EU-Recyclingziele
Die Verschärfung der Regeln erfolgt vor dem Hintergrund anhaltender Defizite. Die EU verlangt von den Mitgliedstaaten, 65 Prozent des durchschnittlichen Gewichts der in den drei Vorjahren in Verkehr gebrachten Elektrogeräte zu sammeln. Deutschland liegt mit einer Sammelquote von nur etwa 38,6 Prozent deutlich darunter.
Umweltverbände wie die Deutsche Umwelthilfe (DUH) kritisieren seit langem die komplexe Rückgabestruktur als Hindernis für Verbraucher. Sie sehen in den Reformen einen Schritt in die richtige Richtung, fordern aber eine strenge Durchsetzung. Der Erfolg des neuen Rücknahmenetzes für Einweg-Vapes wird zum Lackmustest dafür, ob dezentrale Sammlung die nationalen Recyclingquoten tatsächlich steigern kann.
Die erste Hälfte des Jahres 2024 wird für viele kleine Händler und Vape-Shops von einem Wettlauf um Compliance-Lösungen geprägt sein. Entsorgungsdienstleister dürften spezielle Abholservices für diese neuen Kleinmengen-Sammelstellen anbieten. Marktbeobachter rechnen in der zweiten Jahreshälfte mit den ersten behördlichen Kontrollen. Das Bundesumweltamt (UBA) und die lokalen Behörden stehen unter Druck, die Wirksamkeit der neuen Regeln nachzuweisen. Für die Wirtschaft ist die Botschaft klar: Das Gesetz gilt ab sofort, und die Infrastruktur muss bis zum Sommer stehen.
PS: Händler und Kommunen müssen jetzt beweisen, dass sie Risiken wie beschädigte Lithium-Akkus rechtzeitig erkennen und sicher lagern. Eine sofort einsetzbare Gefährdungsbeurteilungs-Checkliste hilft Ihnen, Prüfprozesse zu dokumentieren, Mitarbeiteranweisungen zu erstellen und Bußgelder zu vermeiden. Praktisch für kleine Händler, Wertstoffhöfe und Entsorger, die die Juli-Frist einhalten müssen. Gefährdungsbeurteilung-Checkliste gratis herunterladen


