Ehrenamt, Krise

Ehrenamt in der Krise: Deutschlands Helfer brennen aus

28.11.2025 - 04:13:12

Deutschlands Engagement-Quote fällt auf 36,7 Prozent, während Vereinsvorstände an Belastungsgrenzen stoßen. Die Politik diskutiert Entlastungsmaßnahmen gegen den drohenden Kollaps lokaler Strukturen.

Berlin – Der neue Freiwilligensurvey zeigt: Deutschlands Engagement-Quote ist auf 36,7 Prozent gefallen. Unter 30 Millionen Menschen engagieren sich noch ehrenamtlich – Tendenz sinkend. Eine Woche vor dem Internationalen Tag des Ehrenamts dominiert ein anderes Thema: Vereinsvorstände und Helfer erreichen ihre Belastungsgrenze.

Die Zahlen sind ernüchternd. Rund drei Prozentpunkte weniger als in früheren Erhebungen – der Rückgang ist deutlich messbar. Doch wichtiger als die Quantität sind die Gründe: Immer mehr ehemalige Engagierte geben an, dass Beruf, Familie und Ehrenamt nicht mehr vereinbar sind. Die Anforderungen steigen, die Ressourcen bleiben gleich.

Besonders betroffen sind Sportvereine, Hilfsorganisationen und soziale Träger. Dort, wo bürokratische Hürden wachsen und Nachwuchs fehlt, lastet der Druck auf immer weniger Schultern.

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Vorstände am Limit: 24/7 erreichbar, nie bezahlt

Die Parallelen zur Wirtschaft sind frappierend. Während 55 Prozent der CEOs von mentalen Gesundheitsproblemen berichten, leiden Vereinsvorsitzende unter vergleichbarem Druck – ohne das Gehalt der Chefetage.

Die drei Hauptprobleme:
* Keine Abgrenzung: WhatsApp-Gruppen und digitale Kanäle machen Ehrenamtliche rund um die Uhr erreichbar
* Hohe Haftungsrisiken: Finanzen und Datenschutz lasten schwer auf Laien-Vorständen
* Fehlende Wertschätzung: Die Diskrepanz zwischen geleisteter Arbeit und Anerkennung wächst

„Wir predigen Work-Life-Balance im Hauptberuf, belohnen aber Selbstausbeutung im Ehrenamt”, bringt es ein oft zitierter Vorwurf auf den Punkt. Vorstände sagen offen: Unter diesen Bedingungen können und wollen sie nicht weitermachen. Lokale Strukturen drohen zu kollabieren.

Politik reagiert: DSEE im Fokus

Die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE) wird zur Schlüsselstelle. Im Oktober beschloss die Bundesregierung einen positiven Evaluierungsbericht – die Stiftung habe dem Engagement „Sichtbarkeit und Profil” verliehen.

Doch Sichtbarkeit reicht nicht mehr. In Berlin werden konkrete Maßnahmen diskutiert:
* Entbürokratisierung: Steuer- und Haftungsregeln radikal vereinfachen
* Supervision: Finanzierte Coaching-Angebote zur Burnout-Prävention
* Hauptamt stärkt Ehrenamt: Mehr bezahlte Koordinatoren, die Freiwilligen Bürokratie abnehmen

Die DSEE muss jetzt liefern – mit Serviceangeboten, die gezielt auf psychische Entlastung zielen.

Selbstfürsorge wird zur Kernkompetenz

Experten sind sich einig: Ohne Kulturwandel kippt das System. Self-Care ist keine Nische mehr, sondern existenziell für nachhaltiges Engagement.

Was jetzt hilft:

Nein-Sagen lernen

Klare Aufgabendefinition im Verein. Alles ablehnen, was nicht zum Kernauftrag gehört. „Ehrenamt ist kein Lückenbüßer für staatliches Versagen” – dieser Satz fällt in Workshops immer häufiger.

Digitale Grenzen ziehen

WhatsApp-Gruppen sind einer der größten Stressfaktoren. Neue Leitfäden empfehlen „digitale Ruhezeiten” für Vorstände und asynchrone Kommunikation statt permanenter Instant-Messaging-Bereitschaft.

Die Sauerstoffmasken-Regel

Erst sich selbst stabilisieren, dann anderen helfen. Vereine investieren neuerdings in Gesundheitsmanagement für ihre Mitglieder. Nur wer physisch und psychisch stabil ist, kann langfristig einen Beitrag leisten.

Ein systemisches Problem

Der Rückgang der Engagement-Quote ist ökonomisch ein Desaster. Die Milliardenwerte unbezahlter Arbeit lassen sich staatlich kaum kompensieren. Wenn Führungskräfte im Sport, in der Kultur oder im Rettungswesen ausbrennen, brechen lokale Infrastrukturen weg.

Während Unternehmen in Corporate Health investieren, hinkt der Dritte Sektor hinterher. Die Pandemie sprach von einer „Renaissance der Nachbarschaftshilfe” – jetzt folgt der Kater. Die Reserven sind aufgebraucht.

Was der 5. Dezember bringen muss

Am kommenden Freitag ist Internationaler Tag des Ehrenamts. Bundespräsident und Regierung nutzen den Tag traditionell für Ankündigungen. Angesichts der neuen Datenlage reicht reine Symbolpolitik nicht aus.

Verbände fordern eine „Nationale Strategie für Resilienz im Ehrenamt”. Bleiben konkrete Entlastungspakete aus, droht der Abwärtstrend 2026 zu beschleunigen.

Die Erkenntnis bleibt: Selbstfürsorge ist kein Egoismus, sondern die Voraussetzung für dauerhaftes Engagement. Nur wer gut für sich sorgt, kann auch gut für andere da sein.

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