Ehrenamt in der Krise: 42 Tage Bürokratie im Jahr
27.11.2025 - 18:31:12Deutschlands Ehrenamtliche kämpfen mit hoher Bürokratielast und emotionaler Erschöpfung. Neue Studien zeigen alarmierende Zahlen zu Verwaltungsaufwand und psychischer Belastung im Engagement.
Deutschland hat 29 Millionen Ehrenamtliche – doch viele von ihnen sind am Limit. Bürokratie-Flut und emotionale Erschöpfung machen aus dem guten Willen eine Belastungsprobe. Kommende Woche startet mit den Mental Health Awareness Days eine Initiative, die das Tabu brechen will.
Die Zahlen sind alarmierend: Über 77 Prozent der Vereinsvorstände klagen über „hohe” bis „sehr hohe” Bürokratiebelastung. Durchschnittlich 42 Tage pro Jahr – das entspricht sechseinhalb Stunden pro Woche – verbringen Engagierte nur mit Verwaltungskram. Datenschutz, Steuerrecht, Transparenzregister: Statt Menschen zu helfen, füllen Freiwillige Formulare aus.
„Ein kleiner Verein darf nicht wie eine Aktiengesellschaft behandelt werden”, warnt Jan Holze, Vorstand der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE). Die Zahlen stammen aus einer Umfrage unter 901 Vereinsvorständen vom Februar 2025.
Passend zum Thema Zeitdruck: Ehrenamtliche verbringen laut Umfrage im Schnitt 42 Tage pro Jahr mit Verwaltung – keine Überraschung, dass viele am Limit sind. Ein kostenloses E‑Book zeigt 7 praxiserprobte Methoden für effektives Zeit‑ und Aufgabenmanagement (Pareto, Eisenhower, ALPEN, Pomodoro) und erklärt, wie Sie in wenigen Minuten Prioritäten setzen, Verwaltungszeit reduzieren und wieder Raum für Erholung schaffen. Ideal für Engagierte, die Beruf, Privatleben und Ehrenamt besser ausbalancieren wollen. Jetzt kostenloses Zeit‑E‑Book sichern
Mental Health Days: Universitäten gehen voran
Vom 2. bis 4. Dezember richten die Universitäten Leipzig, Jena und Halle-Wittenberg die Mental Health Awareness Days aus. Ursprünglich für den akademischen Bereich konzipiert, sendet die Initiative ein klares Signal an die gesamte Zivilgesellschaft: Psychische Überlastung ist kein Tabu, sondern ein strukturelles Problem.
Themen wie Resilienz und Umgang mit mentalen Belastungen treffen den Nerv der Zeit. Was lange als reines „Freizeitvergnügen” galt, wird für viele zur Burnout-Falle. Die Balance zwischen Ehrenamt, Beruf und Privatleben? Für Millionen Engagierte längst gekippt.
Die ASB-Studie: Zwischen Idealismus und Angst
Die Datenlage ist eindeutig. Eine Studie des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) mit dem rheingold Institut vom November 2024 zeigt: Viele wollen helfen, schrecken aber vor langfristigen Verpflichtungen zurück. Grund: die Angst vor zeitlicher und emotionaler Überforderung.
Stephan Grünewald, Gründer des rheingold Instituts, nennt es einen „Dornröschenschlaf der Selbstbezüglichkeit”. Besonders jüngere Generationen zögern, klassische Vereinsämter zu übernehmen. Sie brauchen flexible Angebote – keine zusätzlichen Verpflichtungen.
Die Hauptprobleme im Überblick:
- Bürokratische Überlastung durch Verwaltungsaufwand
- Fehlende Abgrenzungsstrategien zwischen Engagement und Privatleben
- Emotionale Erschöpfung durch stetig wachsende Anforderungen
- Mangelnde Flexibilität in traditionellen Vereinsstrukturen
Der Wandel: Vom Lebens- zum Projekt-Ehrenamt
Die Engagement-Kultur verändert sich grundlegend. Das „Lebens-Ehrenamt” stirbt aus, das „Projekt-Ehrenamt” wächst. Organisationen splitten große Ämter in kleine, zeitlich begrenzte Aufgaben auf. Mikro-Engagement lautet das Schlagwort.
Doch die Digitalisierung bringt neue Probleme: Apps zur Vereinsverwaltung sollen entlasten, führen aber oft zum „Always-On”-Phänomen. Ehrenamtliche sind plötzlich auch am Wochenende ständig erreichbar. Die Grenze zwischen Helfen und Überhelfen verschwimmt.
Eine Studie des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) vom April 2025 zeigt zusätzlichen Druck: Zwar sind 1,76 Millionen Menschen im Bevölkerungsschutz engagiert, doch häufigere Krisen durch Klimawandel und Hochwasser lassen die Anforderungen explodieren. Ohne aktive Psychohygiene droht ein Systemkollaps.
Was jetzt passieren muss
Während die Arbeitswelt längst auf „New Work” und Achtsamkeit setzt, hinkt das Ehrenamt hinterher. Experten erwarten, dass große Wohlfahrtsverbände und Sportbünde ab kommender Woche neue Leitlinien zur psychischen Gesundheit vorstellen werden.
2026 könnte das Jahr der Strukturreform werden – mit dem Ziel, Bürokratie radikal abzubauen. Die Alternative? Ein schleichender Rückgang des Engagements, den sich die Gesellschaft nicht leisten kann.
Für Engagierte gilt ab sofort: Nein sagen ist erlaubt. Denn nur wer auf sich selbst achtet, kann auf Dauer für andere da sein. Die kommenden Tage werden zeigen, ob Politik und Verbände diese Botschaft verstanden haben.
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