Ehrenamt am Limit: Burnout-Gefahr für Deutschlands Helfer
27.11.2025 - 03:19:12Der 6. Deutsche Freiwilligensurvey schlägt Alarm. Die Engagementquote ist auf 36,7 Prozent gesunken – doch die verbliebenen Helfer arbeiten mehr denn je. Experten warnen vor einer gefährlichen Verdichtungskrise im Ehrenamt.
Es ist ein Paradox, das die Zivilgesellschaft unter Druck setzt: Während sich weniger Menschen engagieren, steigt die Last auf den Schultern der Verbliebenen. Zwei Wochen nach Veröffentlichung des aktuellen Freiwilligensurveys zeigt sich ein besorgniserregender Trend. Fast ein Viertel der Engagierten investiert inzwischen drei bis fünf Stunden wöchentlich, jeder Fünfte sogar sechs Stunden oder mehr.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Der Rückgang von 39,7 auf 36,7 Prozent mag moderat wirken. Doch wenn weniger Menschen mehr Aufgaben übernehmen müssen, verschwimmen die Grenzen zwischen Ehrenamt und unbezahltem Vollzeitjob. Besonders Vorstandsmitglieder, Kassenwarte und Einsatzleiter spüren den wachsenden Druck.
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„Wir erleben eine Verdichtung der Verantwortung”, warnen Analysten der Zivilgesellschaft. Das Problem: Die intrinsische Motivation – der Wunsch, Gutes zu tun – führt oft dazu, dass Helfer ihre eigenen Belastungsgrenzen ignorieren. Wenn dann noch Bürokratie und fehlende Anerkennung hinzukommen, droht das Burnout.
Psychologen beobachten, dass das Phänomen des „Quiet Quitting” nun auch Vereine und Initiativen erreicht. Die innere Kündigung ist die Folge von Überlastung, die den eigentlichen Sinn des Engagements überdeckt.
Bevölkerungsschutz unter Extrembelastung
Dramatisch ist die Lage im Bevölkerungsschutz. Die Zunahme von Extremwetterereignissen in 2024 und 2025 hat Feuerwehr, THW und Hilfsorganisationen wie DRK oder ASB an ihre Grenzen gebracht – physisch wie psychisch.
Die Psychosoziale Notfallversorgung für Einsatzkräfte (PSNV-E) muss massiv ausgebaut werden. Organisationen wie das Bayerische Rote Kreuz bieten bereits rund um die Uhr erreichbare Hotlines für akute Belastungsreaktionen. Doch während die technische Ausrüstung oft im Fokus steht, hinkt die „mentale Rüstung” hinterher.
Zukunftspakt: Finanzielle Hilfe ohne mentale Entlastung?
Die Bundesregierung hat im Juli mit dem „Zukunftspakt Ehrenamt” reagiert. Die Maßnahmen umfassen:
- Höhere Pauschalen für Übungsleiter und Ehrenamtliche
- Bürokratieabbau durch ein umfassendes Entlastungsgesetz
- Rechtssicherheit im Gemeinnützigkeitsrecht
Doch Wohlfahrtsverbände kritisieren: Diese Maßnahmen lindern vor allem technische Stressfaktoren. „Eine höhere Ehrenamtspauschale verhindert keinen Burnout, wenn der Vereinsvorsitzende 20 Stunden die Woche Formulare ausfüllt”, so die gängige Kritik. Die Forderung nach institutioneller Förderung von Supervision und Coaching wird lauter.
Resilienz als Überlebensfrage
Die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE) hat Resilienz 2025 zu einem Förderschwerpunkt gemacht. Aktuelle Programme untersuchen, wie Organisationen widerstandsfähiger werden können.
Eine überraschende Erkenntnis: Kleine, ehrenamtlich geführte Organisationen sind oft resilienter als gedacht – solange der soziale Zusammenhalt stimmt. Doch sobald die „Sinn-Ressource” durch Überbürokratisierung aufgebraucht ist, droht der Kollaps ganzer Strukturen.
Studien des ASB zeigen: Gut begleitete Engagierte sind tatsächlich resilienter im privaten Leben. Das Ehrenamt kann eine Kraftquelle sein – vorausgesetzt, die Rahmenbedingungen schützen vor Ausbeutung.
Wandel oder Kollaps?
Am 5. Dezember, dem Internationalen Tag des Ehrenamtes, werden Verbände konkrete Forderungen nach einem „Mental Health Shield” für Freiwillige stellen. Die kommenden Monate bringen die ersten Stufen des Bürokratieabbaugesetzes. Ob dies die erhoffte Entlastung bringt, bleibt abzuwarten.
Langfristig muss sich das Ehrenamt wandeln: Weg vom „Mädchen für alles”, hin zu flexiblen, projektbezogenen Engagements. Die Resilienz des Sektors hängt davon ab, ob eine Kultur der Achtsamkeit entsteht – in der es erlaubt ist, auch im Dienst für andere „Nein” zu sagen.
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