Eberswalder Wurst schließt Britzer Werk – 500 Jobs fallen weg
06.01.2026 - 23:52:12Die Produktion der legendären Eberswalder Wurst in Britz wird Ende Februar 2026 endgültig eingestellt. Für die Region Barnim bedeutet dies den Verlust von rund 500 Arbeitsplätzen und das Ende einer fast fünf Jahrzehnte währenden Tradition.
Wirtschaftlichkeit nicht mehr gegeben
Das Management der EWN Wurstspezialitäten GmbH & Co. KG bestätigte die Schließung des Stammwerks am Dienstag. Als Hauptgrund nannte ein Unternehmenssprecher die fehlende wirtschaftliche Perspektive. Trotz der Übernahme durch die Zur-Mühlen-Gruppe – einer Tochter des Tönnies-Konzerns – im Jahr 2023 seien die Herausforderungen unüberwindbar gewesen.
„Die Kombination aus rückläufigem Fleischkonsum, enormem Preisdruck internationaler Konkurrenz und steigenden Betriebskosten ließ keinen realistischen Weg zur Fortführung zu“, hieß es in der Erklärung. Besonders die Kosten für Energie, Logistik und Löhne hätten dem Standort zugesetzt.
Die Produktion wird schrittweise heruntergefahren, der letzte Betriebstag ist der 28. Februar 2026. Für die Belegschaft, die sich nach der Konzernübernahme Hoffnungen auf eine gesicherte Zukunft gemacht hatte, ist die Entscheidung ein schwerer Schlag.
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Sozialplan soll Übergang abfedern
Immerhin: Das Unternehmen hat mit dem Betriebsrat einen Interessenausgleich und einen Sozialplan vereinbart. Dieser sieht Abfindungen sowie individuelle Karriereberatung und Unterstützung bei der beruflichen Neuorientierung vor.
Die Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit und anderen regionalen Unternehmen soll den Übergang in neue Positionen erleichtern. Die genauen finanziellen Details der Abfindungen bleiben vertraulich. Lokale Beobachter befürchten dennoch, dass viele der langjährigen Mitarbeiter ab April 2026 arbeitslos sein könnten.
Scharfe Kritik von Gewerkschaft und Politik
Die Schließung stößt auf massive Kritik. Die Gewerkschaft NGG wirft dem Tönnies-Konzern zerstörerisches Handeln und gebrochene Versprechen vor. Während der Übernahme 2023 seien Zusicherungen für einen sicheren Standort gemacht worden, die nun nicht eingehalten würden.
„Notwendige Investitionen in die Modernisierung, etwa in die Kältetechnik, wurden vernachlässigt“, so NGG-Vertreter. Dies sei eine Strategie der Marktkonsolidierung, die Unternehmenseffizienz über regionale Verantwortung stelle.
Barnims Landrat Daniel Kurth sprach von einer „Schockwelle für die Region“. Trotz gemeinsamer Anstrengungen in den vergangenen Jahren habe keine tragfähige Lösung zur Rettung des Standorts gefunden werden können.
Marke überlebt – Produktion wandert
Die bekannte Marke „Eberswalder“ wird es weiter geben. Die Produktion der Würste und Fleischwaren wird auf andere Standorte des Konzernnetzwerks verlagert, vorzugsweise in Ostdeutschland. Rezepturen und Qualitätsstandards sollen unverändert bleiben.
Die Schließung spiegelt einen breiteren Trend in der deutschen Fleischindustrie wider. Hohe Energiekosten und sich ändernde Konsumgewohnheiten – hin zu pflanzlichen Alternativen – setzen traditionelle Verarbeiter unter enormen Druck. Die Branche konsolidiert sich zunehmend.
Was wird aus dem riesigen Gelände?
Jetzt richtet sich der Fokus auf die Zukunft des 65 Hektar großen Industriegeländes in Britz. Seit 1977, als hier das „Schlacht- und Verarbeitungskombinat Eberswalde“ (SVKE) entstand, ist der Ort ein Zentrum der Lebensmittelproduktion. Die Gemeinde und der Landkreis Barnim stehen vor der großen Herausforderung, einen neuen Investor zu finden.
Kann das Areal einer anderen Industrie zugeführt werden? Oder bleibt es brach liegen? Die Antwort auf diese Frage wird die wirtschaftliche Entwicklung der Region im Jahr 2026 maßgeblich prägen. Das Ende der Produktion in Britz zeigt eindrücklich: Selbst eine jahrzehntelange Tradition bietet keinen Schutz vor den harten Realitäten des globalen Marktes.
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