E-Rezept, Hohe

E-Rezept: Hohe Zufriedenheit trifft auf technische Pannen

27.11.2025 - 23:04:12

Deutschlands Gesundheitsdigitalisierung zeigt widersprüchliche Entwicklung: E-Rezept erreicht hohe Nutzerakzeptanz, doch technische Ausfälle der Telematikinfrastruktur gefährden die Zuverlässigkeit.

Deutschlands digitales Gesundheitssystem schreibt diese Woche widersprüchliche Schlagzeilen. Während die nationale Digitalagentur gematik am Montag Rekordwerte bei Nutzerzufriedenheit und Akzeptanz des elektronischen Rezepts verkündet, legt nur 24 Stunden später ein technischer Ausfall zentrale Komponenten der Telematikinfrastruktur lahm. Der Zwiespalt zwischen digitaler Vision und technischer Realität könnte kaum deutlicher sein.

Die am Montag veröffentlichte Studie TI-Atlas 2025 zeigt: Das E-Rezept hat den Sprung vom holprigen Pilotprojekt zum Alltags-Werkzeug geschafft. Über 90 Prozent der gesetzlich Versicherten halten es für nützlich, 87 Prozent sind mit der Handhabung zufrieden. Selbst in Arztpraxen und Apotheken – traditionell skeptisch gegenüber digitalen Neuerungen – wächst die Akzeptanz. Rund 70 Prozent der Praxen und 60 Prozent der Apotheken berichten von spürbar besseren Arbeitsabläufen bei der Arzneimittelversorgung.

Die wichtigste Kennzahl für den effizienzgetriebenen deutschen Gesundheitsmarkt: 49 Prozent der Arztpraxen sparen dank E-Rezept Zeit im Tagesgeschäft – ein Wert, der im Laufe des Jahres 2025 kontinuierlich gestiegen ist. “Die Digitalisierung kommt immer mehr in der Versorgung an”, verkündete gematik selbstbewusst. E-Rezept, KIM und ePA seien längst Teil des Alltags und brächten “konkrete Vorteile”.

Ausfall zur Unzeit

Doch die Euphorie hielt nicht lange. In der Nacht zum Mittwoch, zwischen 23:39 Uhr und 1:10 Uhr, streikten erneut TI-Gateway und HealthID-Dienste. Arztpraxen, die über das TI-Gateway verbunden waren, konnten nicht auf die Telematikinfrastruktur zugreifen – E-Rezept und elektronische Patientenakte blieben vorübergehend unerreichbar.

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Der nächtliche Zeitpunkt begrenzte zwar die Auswirkungen auf Patienten, offenbarte aber die anhaltende Anfälligkeit der Infrastruktur. Für die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) ist das Muster vertraut: Sie kritisiert seit Monaten die “wiederkehrenden TI-Ausfälle”. ABDA-Funktionär Thomas Preis verglich die Zuverlässigkeit des E-Rezepts im Sommer sogar mit der Deutschen Bahn während ihrer schlimmsten Störungsperioden – ein Vergleich, der schmerzt.

Selbst der TI-Atlas räumt ein, dass “noch nicht alles rund läuft” und stuft die Betriebsstabilität als prioritäres Verbesserungsfeld ein. Kann ein System als Erfolg gelten, wenn es zwar geliebt, aber nicht verlässlich ist?

ePA verschärft die Abhängigkeit

Die Timing-Problematik verschärft sich durch den Rollout der elektronischen Patientenakte (ePA) für alle seit Oktober 2025. Die Verzahnung der Systeme bedeutet: Ein Ausfall der Telematikinfrastruktur legt mittlerweile nicht nur das E-Rezept lahm, sondern auch ePA und den sicheren Kommunikationsdienst KIM.

Dabei zeigen die Zahlen auch hier Fortschritte: 75 Prozent der medizinischen Einrichtungen nutzten die ePA bereits im September – vor dem verpflichtenden Start. Ein Drittel der regelmäßig nutzenden Ärzte berichtet von verbesserter Behandlungsqualität. 75 Prozent der Apotheken können Medikationsrisiken früher erkennen.

Die wachsende Abhängigkeit von der digitalen Infrastruktur macht jede Störung folgenreicher. Was früher ein IT-Problem war, wird in einem volldigitalisierten Gesundheitssystem zur medizinischen Notwendigkeit.

Akzeptanz gewonnen, Zuverlässigkeit gefordert

“Die Akzeptanzschlacht ist weitgehend gewonnen”, analysiert ein Branchenbeobachter. “Die Herausforderung für 2026 wird sein, die Infrastruktur unsichtbar zu machen – so zuverlässig, dass Nutzer vergessen, dass sie existiert.”

Für den Rest des Jahres 2025 konzentriert sich gematik auf die Stabilisierung des TI-Gateways und die Hardware-Migration der Konnektoren. Veraltete RSA-Verschlüsselungsstandards werden durch ECC (Elliptic Curve Cryptography) ersetzt – ein technisch notwendiger, aber riskanter Übergang.

Stand Donnerstag läuft das System stabil. Doch der Kontrast zwischen Montagsjubel und Dienstag-Desaster bleibt als Mahnung: In einem volldigitalisierten Gesundheitssystem ist Zuverlässigkeit keine IT-Kennzahl mehr – sie ist überlebenswichtig.

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