E-Rezept: Digitaler Systemausfall legt deutsche Gesundheitsversorgung lahm
12.02.2026 - 02:22:12Ein massiver technischer Ausfall des nationalen E-Rezept-Systems hat diese Woche Deutschlands digitale Gesundheitswende auf eine harte Probe gestellt. Patienten konnten Medikamente nicht erhalten, Apotheken arbeiteten im Notfallmodus. Der Vorfall zwingt die Politik zum Handeln.
Der Zusammenbruch am 10. Februar traf vor allem Versicherte der großen Kassen AOK und Barmer. Sie konnten ihre digitalen Verordnungen zeitweise nicht einlösen. Gesundheitsminister Karl Lauterbach kündigte daraufhin an, die Systemstabilität zur Chefsache zu machen. Sie sei Kern einer neuen Digitalstrategie.
Was genau ist schiefgelaufen?
Die Störung am Dienstagmorgen hatte eine einfache, folgenschwere Ursache: Ein Teil des Update-Dienstes für die elektronische Gesundheitskarte (eGK) fiel aus. Apotheken konnten so weder Patientendaten auslesen noch die auf der Telematik-Infrastruktur gespeicherten Rezepte verifizieren.
Die zuständige Bundesagentur Gematik bestätigte den Ausfall. Notfallroutinen wurden aktiviert, um den Betrieb in einigen Apotheken aufrechtzuerhalten. Am Abend gab Gematik Entwarnung. Das Problem sei behoben.
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Doch der Schaden war angerichtet. Der Tag war geprägt von langen Wartezeiten und großer Verunsicherung. Für Apothekenverbände ist der Vorstand kein Einzelfall. Sie kritisieren seit dem verpflichtenden Start im Januar 2024 immer wieder Instabilitäten und Mehrarbeit durch das System.
Ein Dauerthema: die Verzögerung zwischen der Ausstellung durch den Arzt und der Verfügbarkeit in der Zentrale. Grund ist oft das sogenannte Batch-Signing, bei dem Rezepte gesammelt statt sofort freigegeben werden.
Erfolgsgeschichte mit Makeln
Trotz der Pannen ist das E-Rezept aus dem deutschen Alltag nicht mehr wegzudenken. Die Zahlen belegen den rasanten Siegeszug der Digitalisierung.
Bis Ende 2024 wurden bereits über 500 Millionen E-Rezepte eingelöst. Bis Oktober 2025 knackte das System die Milliardengrenze. Die mit Abstand beliebteste Methode ist die eGK. 80 bis 90 Prozent der Patienten stecken ihre Karte einfach in das Lesegerät der Apotheke. Apps oder QR-Code-Ausdrucke spielen eine Nebenrolle.
Das System sollte Bürokratie abbauen und vor allem Folgeverordnungen vereinfachen. Diese können im selben Quartal ohne erneuten Arztbesuch ausgestellt werden.
Politische Reaktionen und neue Risiken
Der jüngste Ausfall hat politischen Handlungsdruck erzeugt. Lauterbach betonte, eine verlässliche digitale Infrastruktur sei die Voraussetzung für alle weiteren Gesundheits-Apps. Das E-Rezept ist dabei das Fundament. Auf seiner Basis entsteht die elektronische Patientenakte (ePA) mit einer vollständigen Medikationsliste.
Die größte aktuelle Herausforderung steht jedoch erst bevor: Ende 2025 muss die gesamte Verschlüsselungstechnologie von RSA auf den moderneren ECC-Standard umgestellt werden. Ärzteverbände warnen vor einem „digitalen Stillstand“, wenn Zehntausende Praxen nicht rechtzeitig mit neuer Hardware ausgestattet werden.
Sie fordern eine Übergangsfrist. Andernfalls drohe eine flächendeckende, zeitweilige Rückkehr zum Papierrezept.
Die Nagelprobe für das digitale Gesundheitswesen
Die Leistungsfähigkeit des E-Rezept-Systems bleibt unter Beobachtung. Es ist der Lackmustest für die gesamte Digitalisierung des Gesundheitswesens. Davon hängen weitere Projekte ab, wie das E-Rezept für Betäubungsmittel (T-Rezept) und die tiefergehende Integration mit der ePA ab 2026.
Der Ausfall dieser Woche ist eine ernüchternde Mahnung: Bei der digitalen Transformation sind Stabilität und Verlässlichkeit keine technischen Nebensächlichkeiten. Sie sind die Grundlage für das Vertrauen und die Sicherheit der Patienten. Für Millionen Menschen in Deutschland ist der digitale Weg zum Medikament zur Normalität geworden. Diese Normalität so verlässlich wie das alte Papier zu machen, ist jetzt die Hauptaufgabe.
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