Drohnen-Branche im Handelskrieg: USA und China verschärfen Tech-Konflikt
12.01.2026 - 13:34:12Die globale Drohnenindustrie steckt in der schwersten Versorgungskrise ihrer Geschichte. Gleichzeitige Sanktionen der USA und Chinas zwingen Hersteller zum sofortigen Umbau ihrer Lieferketten.
WASHINGTON/BEIJING — Ein regelrechter Doppelschlag der Großmächte bringt die weltweite Produktion von unbemannten Flugsystemen (UAS) ins Wanken. Innerhalb weniger Tage haben sowohl die USA als auch China neue Handelsbeschränkungen erlassen, die sich direkt auf kritische Komponenten für Drohnen auswirken. Branchenkenner sprechen bereits von einer „Phase massiver Störungen“.
USA: FCC verbietet kritische Bauteile aus dem Ausland
Den Auftakt machte die US-Regulierungsbehörde FCC. Sie hat ihre sogenannte „Covered List“ erweitert und damit den Import ganzer Drohnenmodelle sowie entscheidender Einzelteile verboten. Betroffen sind vor allem Produkte chinesischer Marktführer.
Das Verbot gilt nicht nur für komplette Fluggeräte, sondern erstmals auch für Komponenten-Ebene. Darunter fallen Flugcontroller, Funkübertragungssysteme, Navigationsmodule, Motoren und Batteriemanagementsysteme. Hintergrund sind nationale Sicherheitsbedenken, die im Vorfeld großer Events wie der Fußball-WM 2026 verstärkt wurden.
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Doch die FCC gewährte der Industrie eine Atempause. In Abstimmung mit dem Verteidigungsministerium wurden Ausnahmen für bestimmte „kritische Komponenten“ bis zum 1. Januar 2027 beschlossen. Davon profitieren Hersteller aus verbündeten Nationen wie Nvidia, Panasonic, Sony und Samsung. Auch Systeme von der vertrauenswürdigen „Blue UAS“-Liste – etwa von Skydio oder Parrot – bleiben zugelassen.
Diese Ausnahme soll den sofortigen Kollaps der heimischen Drohnenindustrie verhindern, die noch immer auf Zulieferer aus Partnerländern angewiesen ist. Für chinesische Giganten wie DJI und Autel Robotics hingegen bleibt der US-Markt weiterhin weitgehend verschlossen.
China kontert mit Exportstopp für Seltene Erden
Fast zeitgleich zog China mit einer Vergeltungsmaßnahme nach. Das Handelsministerium in Peking verhängte einen sofortigen Exportstopp für „Dual-Use“-Güter nach Japan. Gemeint sind damit Waren, die sowohl zivil als auch militärisch genutzt werden können.
Das Verbot trifft insbesondere Seltene Erden, die für Hochleistungs-Drohnenmotoren und Halbleiter unverzichtbar sind. Analysten werten den Schritt als direkte Reaktion auf politische Spannungen um Taiwan und Japans jüngste Erhöhungen des Verteidigungshaushalts.
Die Folgen sind weitreichend: China deckt etwa 60 Prozent des japanischen Imports Seltener Erden ab. Da japanische Firmen wiederum hochwertige Sensoren und Kondensatoren für westliche Drohnen herstellen, entsteht ein sekundärer Engpass. Ausgerechnet jene Komponenten, die die USA gerade von ihrem Einfuhrverbot ausgenommen haben, könnten nun knapp werden.
Landwirtschaft und Infrastruktur in der Zwickmühle
Der regulatorische Kollision trifft unmittelbar kommerzielle Anwender. Besonders betroffen ist die Landwirtschaft. US-Landwirte, die auf günstige Sprühdrohnen für das Pflanzenmanagement angewiesen sind, stehen vor großen Unsicherheiten.
Zwar sind bereits zugelassene Geräte nicht rückwirkend vom Verbot betroffen. Doch der Import von Ersatzteilen oder neueren Modellen ist blockiert. Experten warnen vor einem „Technologie-Stillstand“ für gewerbliche Nutzer. Selbst zivile Drohnen geraten ins Fadenkreuz der Regulierung, weil ihre Motoren und Flugcomputer als Dual-Use-Güter eingestuft werden.
Wettlauf um souveräne Lieferketten beginnt
Die Industrie steht vor einem gewaltigen Umbau. Das Zeitfenster der US-Ausnahmen schließt sich Anfang 2027. Herstellern bleiben damit weniger als zwölf Monate, um ihre Komponentenfertigung vollständig ins Inland oder in befreundete Nationen zu verlagern.
Beobachter rechnen damit, dass die Europäische Union bald mit ähnlichen Restriktionen auf Komponentenebene nachziehen wird. Die EU hatte ihr Sanktionsregime Ende 2025 bereits für strengere Kontrollen bei Zukunftstechnologien aktualisiert. Eine weitere Angleichung an den US-Kurs gilt als wahrscheinlich, sollte sich der Handelskonflikt weiter zuspitzen.
Die Lage für Hersteller und Importeure ist paradox: Ein Flugcontroller ist legal, wenn er aus Südkorea kommt, aber verboten, wenn er aus Shenzhen stammt. Und die Magnete im Motor könnten knapp werden, weil sich die Diplomaten in Tokio und Beijing streiten. Die Ära global verflochtener Drohnen-Lieferketten scheint vorerst beendet.
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