DORA-Regelung, Finanzbranche

DORA-Regelung: Finanzbranche muss jetzt Resilienz beweisen

22.01.2026 - 08:36:12

Die EU-Finanzaufsicht stellt nach der Einführungsphase auf praktische Tests der digitalen Resilienz um. Der Fokus liegt nun auf der gesamten Lieferkette und der Bewährung im Ernstfall.

Die EU-Finanzaufsicht stellt nach einem Jahr Einführungsphase von der Dokumentation auf den Praxistest um. Für Banken und Versicherungen beginnt die Bewährungsprobe ihrer digitalen Widerstandsfähigkeit.

Frankfurt, 22. Januar 2026 – Die Schonfrist ist vorbei. Ein Jahr nach dem offiziellen Start des Digital Operational Resilience Act (DORA) zieht die europäische Finanzaufsicht die Zügel an. 2026 steht nicht mehr das Aufschreiben von Plänen im Vordergrund, sondern der Nachweis, dass die Strategien im Ernstfall funktionieren. Gleichzeitig erhöhen neue EU-Regelwerke wie der AI Act und der Data Act den Druck auf die Compliance-Abteilungen. Der Fokus liegt nicht mehr nur auf dem Finanzinstitut selbst, sondern auf der gesamten digitale Lieferkette.

Die gesamte Wertschöpfungskette rückt in den Fokus

Die größte Veränderung im ersten DORA-Jahr ist die konsequente Ausweitung der Verantwortung. Die Aufsicht schaut nun auf das gesamte Netzwerk aus direkten IT-Dienstleistern und deren Subunternehmern. Viele Technologiepartner gingen fälschlicherweise davon aus, nicht als kritisch zu gelten – ein folgenschwerer Irrtum.

Für Servicepartner wird die nachweisbare DORA-Konformität zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Finanzinstitute müssen die Risiken ihrer gesamten IT-Lieferkette steuern und dies jederzeit belegen können. Die BaFin in Deutschland macht unmissverständlich klar: Die Auslagerung von Dienstleistungen bedeutet keine Auslagerung der Verantwortung. Neue Vertragsklauseln, erweiterte Prüfrechte und klare Exit-Strategien sind die Folge.

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Dichtes Regelungsnetz: DORA, NIS 2 und DSGVO

Die digitale Compliance-Landschaft wird immer komplexer. DORA agiert nicht im luftleeren Raum. Besonders die Überschneidungen mit der NIS-2-Richtlinie zur Cybersicherheit stellen Unternehmen vor Herausforderungen. Für den Finanzsektor gilt DORA zwar als vorrangige Spezialregelung.

Doch andere Gesetze bleiben relevant. Das neue BSI-Gesetz (BSIG), das NIS 2 umsetzt, legt sich wie eine öffentlich-rechtliche Hülle um DORA. Während DORA das “Wie” der operativen Widerstandsfähigkeit regelt, ergänzt das BSIG Aspekte der staatlichen Vernetzung. Und die DSGVO behält bei Vorfällen mit personenbezogenen Daten ihre volle Wirksamkeit – inklusive hoher Bußgelder. Unternehmen sind gezwungen, ihre Compliance-Strategien integriert zu denken, um Doppelarbeit zu vermeiden.

Neue Hürden: KI-Regulierung und Data Act werfen Schatten voraus

Während die Branche noch mit DORA ringt, stehen bereits die nächsten großen EU-Regulierungen in den Startlöchern. Der EU AI Act mit strengen Vorgaben für Künstliche Intelligenz und der Data Act für faire Datennutzung werden die Anforderungen weiter verschärfen. Die Bundesregierung arbeitet bereits an den nationalen Umsetzungsgesetzen.

Diese neuen Regelwerke stellen die Governance-Strukturen in Unternehmen auf eine harte Probe. Vor allem der Einsatz von KI-Systemen erfordert eine sorgfältige Abwägung der Datenschutzrisiken. Die Verknüpfung von DORA (Systemstabilität), AI Act (Technologieregulierung) und Data Act (Datenfluss) schafft ein engmaschiges Netz, das nur ganzheitlich zu bewältigen ist.

Vom Papier in die Praxis: Der Ernstfall wird zur Routine

2026 markiert einen Wendepunkt. Es geht nicht mehr darum, Prozesse zu beschreiben, sondern deren Belastbarkeit zu beweisen. Dazu gehören regelmäßige, anspruchsvolle Resilienztests, die über einfache Penetrationstests weit hinausgehen.

Für Unternehmen bedeutet dies den Abschied von Projektarbeit und den Einstieg in die dauerhafte Integration. Die Meldung schwerwiegender Cyber-Vorfälle innerhalb der extrem kurzen DORA-Fristen muss zur Routine werden. Die Qualität dieser Meldungen nutzen die Behörden, um systemische Risiken früh zu erkennen. Wer hier versagt, riskiert nicht nur hohe Strafen, sondern gefährdet die Stabilität des gesamten Finanzsystems. Eine robuste Compliance-Struktur ist damit keine lästige Pflicht mehr, sondern eine strategische Notwendigkeit für die Zukunft.

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