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Doctronic: KI erneuert erstmals eigenständig Rezepte in Utah

20.01.2026 - 09:32:12

Der US-Bundesstaat Utah testet als erster ein KI-System, das eigenständig Rezepte für Standardmedikamente verlängern darf. Das Projekt soll die Gesundheitsversorgung entlasten, stößt aber auf Kritik von Ärzteverbänden.

Ein US-Bundesstaat lässt eine Künstliche Intelligenz eigenständig Medikamente verlängern – ein historischer Schritt, der die Arzt-Patienten-Beziehung neu definiert. Utah hat als erster Staat der USA ein Pilotprojekt gestartet, bei dem ein KI-System Rezepte ohne menschlichen Arztbesuch erneuern darf. Die Initiative soll die Gesundheitsversorgung entlasten und den Zugang erleichtern, stößt aber auf Kritik von Medizinverbänden.

KI als Ersatz für den Arztbesuch

Das Programm unter der Aufsicht des Utah Office of Artificial Intelligence Policy (OAIP) nutzt einen „regulatorischen Sandkasten“. Dieser erlaubt es, bestehende Vorschriften zeitweise auszusetzen, um neue Technologien unter staatlicher Kontrolle zu testen. Konkret kann die vom Health-Tech-Startup Doctronic entwickelte KI nun für bestimmte Standardmedikamente die Verlängerung autorisieren.

„Wir wollen Innovation fördern und gleichzeitig die Sicherheit der Verbraucher gewährleisten“, erklärt Margaret Woolley Busse, Direktorin des Handelsministeriums von Utah. Der Hintergrund: Nach Angaben der Behörde machen Rezeptverlängerungen rund 80 Prozent aller medikamentenbezogenen Aktivitäten aus – eine enorme administrative Last für Ärzte. Die KI soll Routineaufgaben übernehmen, damit sich Mediziner auf komplexe Fälle konzentrieren können.

So funktioniert der digitale Rezeptservice

Für eine Pauschalgebühr von vier US-Dollar können Einwohner Utahs derzeit etwa 190 gängige Erhaltungsmedikamente verlängern lassen. Dazu zählen Mittel gegen Bluthochdruck, Diabetes (nicht insulinpflichtig), Schilddrüsenerkrankungen, hohe Cholesterinwerte und Asthma.

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Die Sicherheitsvorkehrungen sind streng: Die KI darf weder Betäubungsmittel wie Opioide noch ADHS-Medikamente oder Beruhigungsmittel verlängern. Auch neue Rezepte ausstellen ist tabu – nur bestehende Verschreibungen für Patienten, die bereits in ärztlicher Behandlung sind, kommen infrage.

Der Ablauf ähnelt einer Telemedizin-Sitzung: Patienten loggen sich ein, bestätigen ihre Identität und beantworten klinische Fragen. Die KI prüft die Antworten anhand von Sicherheitsprotokollen. Bei positiver Bewertung geht die Verlängerung direkt an die Wunsch-Apotheke.

Wer haftet, wenn die KI einen Fehler macht?

Ein Novum ist das „Doctor, not Device“-Haftungsmodell. Die KI wird für Versicherungszwecke wie ein zugelassener Arzt behandelt. Doctronic hat eine spezielle Berufshaftpflichtversicherung abgeschlossen, die für Entscheidungen der KI aufkommt. Damit soll Klarheit bei eventuellen Fehlern geschaffen werden.

In der Startphase wird jede der ersten 250 Verlängerungen noch von einem menschlichen Arzt überprüft. Anschließend werden nur noch Stichproben (10 Prozent) und später zufällige Audits durchgeführt. Doctronic gibt an, dass interne Tests eine Übereinstimmung mit menschlichen Entscheidungen in über 99 Prozent der Fälle gezeigt hätten.

Kontroverse: Fortschritt oder Risiko?

Die Einführung spaltet die Fachwelt. Kritiker wie die American Medical Association betonen, die Arzt-Patienten-Beziehung sei zentral für eine sichere Medizin. Sie warnen, dass ohne den regelmäßigen Kontakt bei der Rezeptverlängerung subtile Gesundheitsveränderungen unentdeckt bleiben könnten.

Befürworter verweisen dagegen auf die Zugangshürden im aktuellen System. Für Patienten mit stabilen chronischen Erkrankungen könne ein nicht erhältlicher Termin zu gefährlichen Medikamentenpausen führen. Staatssenator Kirk Cullimore Jr. sieht in dem Pilotprojekt einen notwendigen Schritt, um Kosten zu senken und den Zugang für Familien zu vereinfachen.

Blaupause für die USA?

Das auf zwölf Monate angelegte Pilotprojekt wird genau beobachtet. Die Ergebnisse sollen künftige Regelungen in Utah und möglicherweise auf Bundesebene beeinflussen. Andere Staaten mit ähnlichen Sandkasten-Gesetzen, wie Arizona und Texas, verfolgen das Experiment laut Berichten aufmerksam.

Sollte sich das Modell bewähren, könnte es den Weg für eine breitere Einführung autonomer medizinischer KI in den USA ebnen. Bis 2027 könnte sich die Landschaft der Primärversorgung dadurch spürbar verändern. Der Test in Utah zeigt bereits heute: Die Frage ist nicht mehr, ob KI Ärzte unterstützt, sondern welche Verantwortung sie künftig übernehmen darf.

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