DIW, Reform

DIW fordert radikale Reform der Erbschaftsteuer

23.01.2026 - 19:34:12

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung schlägt vor, Steuerbefreiungen für Firmenerben zu streichen und Freibeträge deutlich zu erhöhen. Dies brächte dem Staat Milliarden, während viele Erben entlastet würden.

Ein neuer Vorschlag des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) könnte die Steuer auf Erbschaften und Schenkungen grundlegend verändern. Die Forscher fordern das Ende milliardenschwerer Privilegien für Unternehmensvermögen – und versprechen zugleich Entlastungen für die breite Masse.

Ende der Steueroase für Firmenerben

Das Herzstück des Reformplans ist die Abschaffung der umstrittenen Verschonungsregeln für Unternehmensvermögen. Bislang können große Firmenanteile unter bestimmten Bedingungen nahezu steuerfrei vererbt werden. Diese Ausnahmen will das DIW ersatzlos streichen, um alle Vermögensarten gleich zu behandeln.

Doch wie sollen Familienunternehmen dann die Steuer zahlen, ohne ihr Betriebskapital zu gefährden? Die Forscher um Steuerexperte Stefan Bach schlagen flexible Modelle vor: Langfristige Stundungen oder eine Art Ratenzahlung der Steuerschuld. So bliebe die Liquidität gesichert. Die Analyse zeigt klare Effekte: Allein der Wegfall der Privilegien könnte dem Staat 7,8 Milliarden Euro zusätzlich pro Jahr bringen – belastet würden fast ausschließlich die obersten Vermögensgruppen.

Anzeige

Familienunternehmen und Firmenerben stehen vor großen steuerlichen Herausforderungen. Ein kostenloses E-Book erklärt, wie Rückstellungen gezielt genutzt werden können, um Steuern zu mindern, Liquidität zu sichern und Betriebsübergaben planbar zu gestalten. Enthalten sind 28 typische Rückstellungen, Checklisten für ungewisse Verbindlichkeiten und Hinweise zur Vorbereitung auf Betriebsprüfungen. Ideal für Unternehmer, die die finanzielle Seite einer Nachfolge strategisch regeln wollen. Jetzt den Rückstellungs-Guide herunterladen

Mehr Geld für den Staat, weniger Steuer für viele

Der DIW-Plan kombiniert diese Streichung mit einer grundlegenden Vereinfachung. Ein zentrales Element sind deutlich höhere lebenslange Freibeträge. Nahe Verwandte könnten so im Laufe ihres Lebens bis zu einer Million Euro steuerfrei übertragen.

Die Folge wäre eine Halbierung der steuerpflichtigen Erbfälle – von aktuell 200.000 auf unter 100.000 jährlich. Kleinere und mittlere Vermögen würden komplett entlastet, der Bürokratieaufwand sinkt drastisch. Trotz dieser massiven Entlastungen rechnet das DIW am Ende mit einem Plus von 2,3 Milliarden Euro für die Staatskasse. Ein klarer Umverteilungseffekt.

Unter Druck: Politik und Verfassungsgericht

Die Studie trifft auf eine politisch hochsensible Lage. Erst kürzlich brachte die SPD eigene Pläne zur stärkeren Besteuerung großer Vermögen ins Spiel. Das DIW-Gutachten, das im Auftrag der Grünen-Bundestagsfraktion entstand, liefert nun die wissenschaftliche Munition für diese Debatte.

Besondere Brisanz erhält der Vorstoß durch das erwartete Urteil des Bundesverfassungsgerichts. Viele Experten rechnen damit, dass Karlsruhe die aktuellen Unternehmensprivilegien kippt – sie verstoßen möglicherweise gegen den Gleichheitsgrundsatz. Das DIW argumentiert, dass die extremen Steuerbefreiungen bei Milliardenerbschaften die Akzeptanz der gesamten Steuer untergraben. Eine Reform sei überfällig.

Steiniger Weg zur Umsetzung

Mit dem Gutachten liegt ein detaillierter Fahrplan auf dem Tisch. Doch die Umsetzung wäre politisch ein Minenfeld. Wirtschaftsverbände und Vertreter von Familienunternehmen warnen seit Jahren vor der Gefährdung von Arbeitsplätzen und Investitionen.

Doch das drohende Urteil aus Karlsruhe erhöht den Druck auf die Ampel-Koalition massiv. Sollten die Richter die Regelungen für verfassungswidrig erklären, muss der Gesetzgeber handeln – und schnell. Der DIW-Vorschlag bietet eine Alternative: Weniger Ausnahmen, mehr Gerechtigkeit, und das bei gleichzeitiger Entlastung der Mehrheit. Die Debatte um das Erben in Deutschland ist damit in eine neue, entscheidende Phase getreten.

Anzeige

PS: Bei geplanten Eigentümerwechseln entscheidet oft die Liquidität — Abschreibungen können hier schnell steuerliche Spielräume schaffen. Der Gratis-Spezialreport “Abschreibung von A–Z” zeigt, welche Abschreibungsarten (inkl. degressive AfA und Sonderabschreibungen) Unternehmen aktuell nutzen können, um Cashflow und Steuerlast zu optimieren. Praktische Beispiele erläutern, wie Investitionen und Übergaben steuerlich gestaltet werden. Abschreibungs-Leitfaden jetzt anfordern

@ boerse-global.de