Digitalpakt 2.0 startet mit Fokus auf KI und Lehrkräfte
11.01.2026 - 17:31:12Deutschlands Schulen erhalten ab sofort fünf Milliarden Euro für die digitale Bildung. Das Nachfolgeprogramm des Digitalpakts setzt neue Schwerpunkte: Künstliche Intelligenz, Lehrerfortbildung und Datenschutz stehen im Mittelpunkt. Hamburg geht mit der ersten konkreten Förderzusage voran.
Hamburg erhält 120 Millionen Euro als Vorreiter
Die Hansestadt sicherte sich vergangene Woche Fördermittel in Höhe von rund 120 Millionen Euro aus dem Digitalpakt 2.0. Über 56 Millionen davon stammen aus Bundesmitteln, den Rest trägt das Land. „Ohne diese Anschlussfinanzierung wäre die digitale Schulentwicklung in vielen Bundesländern zum Erliegen gekommen“, betonte Hamburgs Bildungssenatorin Ksenija Bekeris. Das Geld fließt nicht nur in neue Geräte, sondern vor allem in die Qualifikation der Lehrkräfte und moderne Unterrichtskonzepte. Damit vollzieht der Pakt die längst überfällige Abkehr von der reinen Hardware-Förderung.
Die schnelle Umsetzung in Hamburg wurde durch eine politische Weichenstellung ermöglicht. Bereits im Dezember einigten sich Bund und Länder auf einen rückwirkenden Maßnahmenbeginn zum 1. Januar 2025. So entstand keine Finanzierungslücke für laufende Projekte.
Strategische Wende: Von der Technik zur Pädagogik
Der Digitalpakt 2.0 korrigiert fundamentale Schwächen seines Vorgängers. Statt weiter nur Tablets und WLAN zu finanzieren, unterstützt er nun erstmals auch IT-Administration und nachhaltige Support-Strukturen. Der Digitalverband Bitkom begrüßte diese Entscheidung ausdrücklich. In der Vergangenheit standen an vielen Schulen teure Geräte ungenutzt herum, weil das Personal für Wartung und Support fehlte.
Das Kernziel lautet: KI-Kompetenz für alle. Schüler sollen nicht nur Anwendungen wie ChatGPT nutzen, sondern auch deren ethische und gesellschaftliche Folgen kritisch reflektieren können. Deutschland verfolgt damit einen systemischen Ansatz. Während die USA etwa 170 Millionen Euro für KI in Schulen bereitstellen, investiert die Bundesrepublik fünf Milliarden in die komplette digitale Lernumgebung.
Schulen und Lehrkräfte integrieren zunehmend KI‑Tools wie ChatGPT in den Unterricht – doch die EU‑KI‑Verordnung bringt seit August 2024 neue Pflichten für Kennzeichnung, Risikobewertung und Dokumentation mit sich. Wer die Regeln nicht beachtet, riskiert Einschränkungen bei der Nutzung oder rechtliche Folgen. Dieser kostenlose Umsetzungsleitfaden erklärt verständlich, welche Anforderungen speziell für Bildungsanwendungen gelten und welche ersten Schritte Schulleitungen und IT‑Verantwortliche jetzt setzen sollten. Jetzt kostenlosen KI‑Verordnungs‑Leitfaden für Schulen herunterladen
EduCheck Digital: Datenschutz als Fundament
Angesichts cloudbasierter Lernplattformen und KI-Tools gewinnt der Schutz von Schülerdaten an Bedeutung. Hier setzt das Projekt EduCheck Digital an. Mit einem Budget von 2,5 Millionen Euro entwickelt es ein standardisiertes Prüfverfahren für digitale Bildungsmedien. Bevor eine App oder Software im Unterricht eingesetzt wird, muss sie strenge technische und datenschutzrechtliche Kriterien erfüllen.
Dieses „Whitelisting“ soll Schulleitungen rechtliche Sicherheit geben und das Vertrauen von Eltern stärken. Viele hatten zuvor Bedenken geäußert, dass Bildungsanbieter Schülerdaten kommerziell nutzen könnten. Die zentrale Prüfung nach der DSGVO entlastet die Schulen vor Ort erheblich.
Weniger Bürokratie, schnellere Umsetzung
Aus den Fehlern der ersten Förderrunde hat die Politik gelernt. Die fünf Milliarden Euro teilen sich Bund und Länder je zur Hälfte. Ein Großteil der Bundesmittel stammt aus dem Sondervermögen „Infrastruktur und Klimaneutralität“. Entscheidend ist die Verwaltungsreform: Statt aufwändiger Einzelanträge erhalten kommunale Schulträger nun pauschalierte Zuweisungen.
„Die Reduzierung bürokratischer Hürden war eine conditio sine qua non“, erklärte Bundesbildungsministerin Karin Prien nach den Verhandlungen. Die Verteilung der Mittel erfolgt nach dem Königsteiner Schlüssel, der Steueraufkommen und Einwohnerzahl berücksichtigt. So soll eine gerechte Verteilung über alle 16 Bundesländer gewährleistet werden.
Digitale Bildung als Kulturtechnik
Der Start des Digitalpakts 2.0 fällt in eine kritische Phase. Internationale Vergleichsstudien wie PISA attestieren deutschen Schulen seit Jahren Nachholbedarf bei digitalen Kompetenzen. Die neue Förderung zielt darauf, diese Lücke zu schließen.
Fachleute bewerten die strategische Neuausrichtung als richtigen Schritt. Die Summe von fünf Milliarden Euro bis 2030 stellt zwar keine massive Aufstockung dar, wenn man Inflation und Technikkosten berücksichtigt. Doch der qualitative Shift ist bedeutend: Digitale Kompetenz wird damit offiziell zur vierten Kulturtechnik neben Lesen, Schreiben und Rechnen erhoben.
Was kommt jetzt auf die Schulen zu?
Nach Hamburgs Vorreiterrolle werden in den kommenden Wochen die anderen Bundesländer ihre Förderpläne vorlegen. Ab dem zweiten Quartal 2026 sollen die Mittel spürbar werden – vor allem durch Fortbildungsangebote und die Einstellung von IT-Fachpersonal.
Der Erfolg wird sich nicht an der Anzahl gekaufter Tablets messen lassen, sondern daran, wie digital gestützte Methoden im Fachunterricht ankommen. Mit den ersten „EduCheck“-zertifizierten Anwendungen, die noch dieses Jahr erwartet werden, erhalten Lehrkräfte endlich rechtssichere Werkzeuge. Die eigentliche Herausforderung beginnt jetzt: die Umsetzung dieser ambitionierten Ziele in über 40.000 deutschen Schulen.
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