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Digitales Erbe: Steuervorteile ja, Zugang nein

13.01.2026 - 13:22:12

Die US-Erbschaftssteuer-Freibeträge wurden auf 15 Millionen Euro erhöht, während digitale Testamente in Schlüsselstaaten wie New York noch Jahre lang ungültig bleiben. Für Anleger entsteht ein paradoxer Mix aus Steuererleichterung und rechtlicher Unsicherheit.

Die US-Steuerreform schützt digitale Vermögen bis 15 Millionen Euro – doch in Schlüsselstaaten wie New York bleiben digitale Testamente noch bis 2027 ungültig. Für deutsche Anleger mit US-Assets wird die Lage paradox.

Während das neue Jahr steuerliche Klarheit brachte, herrscht bei der praktischen Umsetzung digitaler Nachlässe weiterhin Chaos. Der „One Big Beautiful Bill Act“ (OBBBA) hat die Freibeträge für die US-Erbschaftssteuer auf umgerechnet rund 15 Millionen Euro pro Person angehoben. Das schützt Krypto-Portfolios und digitale Sammlungen vor einer sofortigen Steuerlast von 40 Prozent. Gleichzeitig fehlen in wichtigen Jurisdiktionen aber die rechtssicheren Werkzeuge, um diese Vermögen auch zu vererben.

Steuerdruck weg – Zugangsproblem da

Die Angst vor dem 1. Januar 2026 war groß: Viele rechneten mit einer Halbierung der Freibeträge. Stattdessen verabschiedete der US-Kongress im Juli 2025 den OBBBA. Das Gesetz setzt die Grenze dauerhaft auf umgerechnet 15 Millionen Euro fest. Für Ehepaare sind es rund 30 Millionen Euro.

„Die steuerliche Notwendigkeit, digitale Assets schnell zu verkaufen, ist für die meisten entfallen“, analysiert eine US-Kanzlei. Das klingt nach Entwarnung, ist aber nur die halbe Wahrheit. Denn ohne den Zwang zur schnellen Liquidation wächst jetzt das Risiko, dass Erben schlicht nicht an die Vermögen herankommen. Vergessene Passwörter, verlorene Hardware-Keys oder gesperrte Zwei-Faktor-Authentifizierung werden zur größeren Gefahr als das Finanzamt.

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New Yorks digitaler Testaments-Stillstand

Während sich die Steuerlage auf Bundesebene klärt, herrscht in Einzelstaaten wie New York rechtliche Unsicherheit. Gouverneurin Kathy Hochul unterzeichnete zwar im Dezember 2025 ein Gesetz für elektronische Testamente. Der Haken: Es tritt erst nach einer 545-tägigen Übergangsfrist im September 2027 in Kraft.

Die Begründung: Die Gerichte benötigen Zeit, um sichere Infrastrukturen für die Speicherung digitaler Video-Aufzeichnungen von Testamentserrichtungen aufzubauen. Die Konsequenz für Anleger ist drastisch. „Jedes digitale Testament, das heute mit gängigen Online-Tools erstellt wird, ist in New York voraussichtlich ungültig“, warnen Rechtsexperten. Das Erbe würde nach Intestat-Erbrecht verteilt – möglicherweise ganz anders als gewollt.

Der Rat für jetzt ist analog: Digitale Vermögen können in einer Liste aufgeführt werden, das Testament selbst muss aber auf Papier stehen und persönlich bezeugt werden.

Die digitale Checkliste für 2026

Rechtsexperten haben ihre Empfehlungen angepasst. Der Fokus liegt nicht mehr auf Steuervermeidung, sondern auf Zugangssicherung.

1. Das „Zugang-zuerst“-Inventar
Erstellen Sie eine gestaffelte Liste Ihrer digitalen Schlüssel:
* Stufe 1 (Finanziell): Krypto-Hardware-Wallets, Seed-Phrasen, Brokerage-Konten.
* Stufe 2 (Persönlich): Cloud-Speicher (iCloud, Google Fotos), Social-Media-Accounts, E-Mail-Archive.
* Stufe 3 (Kommerziell): Einnahmen generierende YouTube-Kanäle oder Patreon-Konten.

2. Plattform-eigene Nachlass-Tools
Die Funktionen der Tech-Konzerne sind unverändert entscheidend:
* Apple: Nutzer sollten ihren „Legacy Contact“ aktivieren (in den Apple-ID-Einstellungen). Dies erzeugt einen Zugangsschlüssel für Erben.
* Google: Der „Inaktiver-Konten-Manager“ bleibt der Standard für Android- und Gmail-Nutzer. Experten empfehlen eine Inaktivitätsfrist von drei Monaten.

3. Der „Digitale Testamentsvollstrecker“
In den meisten US-Bundesstaaten gilt das Gesetz RUFADAA, das den Zugriff auf digitale Assets regelt. Setzen Sie in Ihrem Papier-Testament explizit einen „digitalen Testamentsvollstrecker“ ein – eine technisch versierte Person mit ausdrücklicher Berechtigung.

4. 2FA und Hardware-Keys
Die Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA) wurde 2025 zum großen Problem. Ist das Telefon des Verstorbenen gesperrt, kommen keine SMS-Codes an. Die Empfehlung für 2026: Bewahren Sie Backup-Codes oder einen Hardware-Security-Key (wie einen YubiKey) physisch in einem Safe getrennt vom Gerät auf.

Ausblick: Digitale Trusts und wartende Tech-Firmen

Der OBBBA dürfte einen neuen Markt für „digitale Trusts“ befeuern – rechtliche Konstrukte, die Krypto-Vermögen generationenübergreifend halten können, ohne den Umweg über das Nachlassgericht.

In New York läuft indes der Countdown bis September 2027. Legal-Tech-Firmen entwickeln nun Plattformen, die den strengen Identitätsprüfungen des Staates genügen. Bis dahin gilt für die modernsten digitalen Vermögen die älteste Regel: Eine handschriftliche Unterschrift auf echtem Papier.

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