Digitaler Führerschein: Bundestag startet Gesetzgebungsverfahren
16.01.2026 - 01:51:12Der Bundestag hat den Weg für den digitalen Führerschein auf dem Smartphone freigemacht. In einer ersten Lesung wurde der Gesetzentwurf für die rechtliche Grundlage debattiert. Das Vorhaben ist Teil des Fünften Gesetzes zur Änderung des Straßenverkehrsgesetzes und soll eine bundesweite Einführung bis Ende 2026 ermöglichen. Damit will Deutschland seine digitale Infrastruktur ausbauen, noch bevor eine EU-weite Lösung verpflichtend wird.
Die Bundesregierung verspricht mehr Komfort im Alltag. Die digitale Alternative zur Plastikkarte soll bei Verkehrskontrollen, beim Mietwagen oder Carsharing genutzt werden können. Doch Datenschützer reagieren mit großer Skepsis. Sie verweisen auf das klägliche Scheitern der „ID Wallet“ im Jahr 2021 und fordern robuste Sicherheitsgarantien. Die Debatte im Parlament markiert einen Balanceakt zwischen staatlicher Digitalisierung und dem Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung.
Das Bundesministerium für Digitales und Verkehr treibt die Pläne voran. Der digitale Führerschein soll ein zentraler Baustein einer umfassenden digitalen Brieftasche für amtliche Dokumente werden. Die nun diskutierten Gesetzesänderungen sind die Voraussetzung für die technische Umsetzung. Diese soll nahtlos in bestehende Apps wie die „i-Kfz-App“ integriert werden, die bereits die digitale Fahrzeugzulassung verwaltet.
Laut Regierung steht die Entbürokratisierung im Vordergrund. Für Bürger und Unternehmen, insbesondere Carsharing-Anbieter und Autovermietungen, sollen Prozesse deutlich vereinfacht werden. Der nationale Rollout bis Ende 2026 ist ambitioniert – die EU plant eine verpflichtende, einheitliche Lösung erst für 2030. Die deutschen Spezifikationen werden von vornherein kompatibel zum geplanten Europäischen Digitalen Identitäts-Wallet (EUDI-Wallet) entwickelt.
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Alte Wunden: Die Sicherheitsfrage dominiert die Debatte
Das Projekt steht im Schatten eines früheren Debakels. Der Vorläufer, die „ID Wallet“-App, musste 2021 nach nur einer Woche wieder aus den App-Stores genommen werden. IT-Experten hatten gravierende Sicherheitslücken entdeckt, die sensible Nutzerdaten hätten preisgeben können. Diese App sollte ebenfalls den digitalen Führerschein beherbergen.
Dieses Scheitern schärft die Wachsamkeit von Cybersicherheitsexperten und Datenschützern. Sie fordern „Privacy by Design“ – Datenschutz muss von Grund auf in die Architektur integriert sein. Kritische Punkte sind die Zentralisierung sensibler Daten, Risiken der Überwachung und die Abwehrkraft gegen Cyberangriffe. Die Akzeptanz der neuen Lösung hängt maßgeblich von einem transparenten und nachweisbar sicheren System ab.
Im europäischen Kontext: Deutschland als Vorreiter?
Deutschlands Schritt ist Teil eines EU-weiten Trends hin zu digitalen Identitätslösungen. Die EUDI-Wallet soll Bürgern aller Mitgliedstaaten ermöglichen, Ausweise und Führerscheine digital im Smartphone zu speichern. Mit der frühen nationalen Einführung will Deutschland Standards mitprägen und Erfahrung sammeln.
Das deutsche Gesetz soll flexibel genug sein, um später in die paneuropäische Lösung integriert zu werden. Bürgerrechtsorganisationen wie der Chaos Computer Club mahnen jedoch zur Vorsicht. Sie warnen vor einem Aushöhlen der Nutzerrechte und einer Stärkung datenhungriger Geschäftsmodelle großer Tech-Konzerne auf EU-Ebene.
Die Kernfrage: Wie viel Privatsphäre bleibt?
Hinter der technischen Diskussion verbirgt sich ein grundsätzlicher Konflikt. Datenschutzexperten pochen auf die strikte Einhaltung der DSGVO, insbesondere des Prinzips der Datensparsamkeit. Eine entscheidende technische und ethische Frage lautet: Kann die Überprüfung des Führerscheins offline, also direkt zwischen zwei Geräten, erfolgen? Eine solche Offline-Fähigkeit würde verhindern, dass jede Überprüfung einen zentralen Server kontaktieren und so ein Bewegungsprofil erzeugen muss.
Digitale Bürgerrechtsgruppen werden die Entwicklung genau beobachten. Sie setzen sich für eine dezentrale Architektur ein, bei der die Nutzer die maximale Kontrolle über ihre persönlichen Daten behalten. Das Scheitern von 2021 zeigt: Ein voreiliger Start eines unsicheren Systems kann das öffentliche Vertrauen in digitale Verwaltungsdienste nachhaltig beschädigen.
Nächste Schritte: Vom Gesetz zur App
Nach der ersten Lesung geht der Entwurf in die Fachausschüsse des Bundestags. Dort folgen Detailberatungen und mögliche Änderungen, bevor weitere Lesungen und die finale Abstimmung im Plenum anstehen. Bei einem erwarteten positiven Votum beginnt die heikle Phase der technischen Umsetzung durch das Digitalministerium und seine Partner.
Die Zeitvorgabe bis Ende 2026 bleibt ambitioniert. Während die technischen Details finalisiert werden, wird die öffentliche Debatte über das Datenschutzkonzept an Schärfe gewinnen. Der Erfolg dieses Großprojekts hängt nicht nur vom beschlossenen Gesetzestext ab, sondern von einer transparenten Umsetzung, die das Vertrauen von Millionen Bürgern gewinnt.
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