Digitaler, Euro

Digitaler Euro: EZB und Bundesbank treiben digitale Währung voran

01.02.2026 - 00:04:12

Die europäischen Notenbanken konkretisieren den Zeitplan für die digitale Zentralbankwährung. Ein Rechtsrahmen bis 2026 soll den Weg für Pilotprojekte ab 2027 ebnen.

Der digitale Euro rückt näher. EZB und Bundesbank konkretisieren die Pläne für die digitale Zentralbankwährung und setzen auf eine Einführung bis 2029. Die strategische Unabhängigkeit Europas steht im Fokus.

Frankfurt am Main – Die europäischen Notenbanken schalten einen Gang höher. In dieser Woche haben Spitzenvertreter der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Deutschen Bundesbank die strategischen Prioritäten und den Zeitplan für den digitalen Euro abgesteckt. Während der rechtliche Rahmen bis Jahresende stehen soll, richtet sich der Blick nun auf die technische Umsetzung, die Rolle für die finanzielle Souveränität und eine breite Aufklärung der Öffentlichkeit.

Die jüngsten Ankündigungen markieren den Übergang in eine kritische Vorbereitungsphase. Die EZB hat einen Entwurf für das Regelwerk finalisiert und erste Anbieter für die Plattform-Infrastruktur ausgewählt. Für die Verantwortlichen ist die digitale Währung ein Schlüsselelement, um die strategische Autonomie der Eurozone in einem globalen Finanzsystem zu wahren, das zunehmend von nicht-europäischen Zahlungsanbietern geprägt ist.

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Rechtsrahmen als entscheidende Weiche

Der Fahrplan für den digitalen Euro hängt maßgeblich vom Gesetzgebungsprozess ab. Das Eurosystem geht davon aus, dass die notwendige EU-Gesetzgebung im Laufe des Jahres 2026 verabschiedet wird. Diese rechtliche Grundlage ist die Voraussetzung für einen finalen Emissionsbeschluss. Nach der legislativen Zustimmung könnten Pilotbetriebe bereits Mitte 2027 starten. Eine vollständige Einführung wäre dann 2029 möglich.

EZB-Direktoriumsmitglied Piero Cipollone betonte diese Woche, dass der digitale Euro zusammen mit anderen Großzahlungs-Initiativen die nötige Infrastruktur für die Eigenständigkeit im Retail-Bereich schaffen werde. Hintergrund ist die Dominanz internationaler Kartenanbieter in vielen Mitgliedstaaten und der Aufstieg von an den US-Dollar gekoppelten Stablecoins. Der digitale Euro soll ein universell akzeptiertes, öffentliches Zahlungsmittel für alle Situationen werden – online wie im stationären Handel.

Die Bundesbank unterstützt diese Linie. Präsident Joachim Nagel bezeichnete das Projekt als Weg, die Einheitswährung „fit für die Zukunft“ zu machen. Bundesbank-Vertreter betonen regelmäßig die Notwendigkeit eines europäischen Zahlungssystems, das unabhängig von internationalen Anbietern operiert und so Resilienz sowie strategische Kontrolle sicherstellt.

Stabilität, Privatsphäre und die Aufgabe der Aufklärung

Die Deutsche Bundesbank konzentriert sich bei der praktischen Umsetzung auf Kernmerkmale und die öffentliche Wahrnehmung. Eine zentrale Design-Entscheidung: Der digitale Euro wird kein verzinsliches Asset sein. Diese Maßnahme soll ihn klar als Zahlungsmittel – als „digitalen Zwilling des Bargelds“ – positionieren und verhindern, dass er als Investment-Alternative zu Bankeinlagen konkurriert und so Finanzstabilität riskiert.

Die Privatsphäre bleibt ein Grundpfeiler. Für Offline-Transaktionen mit kleinem Wert soll das digitale Zentralbankgeld bargeldähnliche Anonymität bieten, bei der nur Zahler und Empfänger die Transaktionsdaten kennen. Dies gilt als entscheidend für die Akzeptanz. Bei größeren oder Online-Zahlungen gelten die üblichen Geldwäsche-Bekämpfungsregeln.

Trotz der Fortschritte ortet die Bundesbank eine erhebliche Wissenslücke in der Bevölkerung. Eine im Auftrag der Notenbank Ende 2025 durchgeführte Forsa-Umfrage ergab, dass nur 42 Prozent der Teilnehmer vom digitalen Euro gehört hatten. Noch weniger verstanden seine Funktion als öffentliche digitale Zahlungsmethode. Die Bundesbank intensiviert daher den öffentlichen Dialog, um über Nutzen und Sicherheitsfeatures aufzuklären.

Partnerschaft mit der Privatwirtschaft als Erfolgsmodell

Das Eurosystem setzt auf ein Partnerschaftsmodell zwischen Zentralbank und privaten Finanzinstituten. Geschäftsbanken und andere Zahlungsdienstleister werden die zentrale Schnittstelle für Nutzer sein. Sie verteilen den digitalen Euro und übernehmen kundennahe Services wie digitale Geldbörsen. Dieser Ansatz nutzt die bestehende Bankeninfrastruktur und verhindert gleichzeitig, dass die Zentralbank Zugang zu persönlichen Transaktionsdaten erhält.

Um diese Zusammenarbeit zu fördern, hat die EZB technische Dienstleister zu Workshops eingeladen. Diese können kritische Infrastruktur und innovative Lösungen für die Zahlungsdienstleister bereitstellen. Das Ziel ist eine Art „Autobahn“, auf der auch private Zahlungslösungen fahren können. Dies soll Wettbewerb und Innovation im europäischen Zahlungsverkehr stimulieren.

Nächste Schritte: Gesetzgebung und Pilottests

Die unmittelbare Zukunft des digitalen Euro hängt am europäischen Gesetzgebungsprozess. Eine Abstimmung im Europäischen Parlament wird für Mai erwartet, mit dem Ziel einer finalen Einigung bis Ende 2026. Diese Gesetzgebung wird den gesetzlichen Zahlungsmittel-Status des digitalen Euro festschreiben und den endgültigen Betriebsrahmen liefern.

Sobald der Rechtsakt verabschiedet ist, beginnt die konkrete Test- und Pilotphase. Die EZB plant, in der zweiten Hälfte 2027 europäische Zahlungsdienstleister für die Teilnahme an einem Pilotprojekt aufzurufen. Dieser Schritt wird entscheidend sein, um Funktionalität, Sicherheit und Nutzererfahrung in einer realen Umgebung zu prüfen – bevor der finale Startschuss fällt.

Die Entwicklungen dieser Woche zeigen einen koordinierten und entschlossenen Vorstoß der europäischen Notenbanken. Die digitale Währung soll aus der Konzeptphase in die greifbare Realität überführt werden. Die Agenda für 2026 ist klar: die Regeln finalisieren, die Technologie vorbereiten und die notwendige Unterstützung in Öffentlichkeit und Privatwirtschaft aufbauen.

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