Digitaler EU-Omnibus: Einheitsregeln für Zahlungen und Identität
02.02.2026 - 09:30:12Die EU ebnet mit einem neuen Gesetzespaket den Weg für einen nahtlosen digitalen Binnenmarkt. Kern ist die Abschaffung von Zahlungshürden und die Einführung einer digitalen Unternehmensidentität.
Revolution für grenzüberschreitende Geschäfte
Das sogenannte Digital Omnibus-Paket der EU-Kommission soll den Flickenteppich aus Daten- und Digitalregeln vereinheitlichen. Für Unternehmen, besonders KMU, bedeutet das weniger Bürokratie und niedrigere Kosten. Bis 2029 könnten so Verwaltungsausgaben von schätzungsweise fünf Milliarden Euro eingespart werden. Die Reform bündelt Regelwerke wie den Data Governance Act und die Open Data Directive in einem klaren Rahmen. Ein wichtiger Nebeneffekt: Sie schafft Rechtssicherheit für die Finanzbranche, indem sie das Zusammenspiel von Datenschutz (DSGVO) und neuer KI-Regulierung klärt.
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„Zahlung überall“ für Behördenleistungen
Ein Durchbruch für den europäischen Handel: Öffentliche Stellen in der gesamten EU werden verpflichtet, Online-Zahlungen mit grenzüberschreitenden Diensten zu akzeptieren. Bisher scheiterten ausländische Firmen oft an lokalen Bezahlsystemen, wenn sie Gebühren, Bußgelder oder Genehmigungen in einem anderen Mitgliedstaat begleichen wollten. Künftig gilt das „Pay-Anywhere“-Prinzip. Diese Änderung beseitigt eine der letzten großen Hürden im digitalen Binnenmarkt und soll den grenzüberschreitenden Dienstleistungsverkehr deutlich beschleunigen.
Die „European Business Wallet“ kommt
Das ambitionierteste Vorhaben ist die Einführung der „European Business Wallet“. Diese digitale Unternehmensbrieftasche baut auf der digitalen Identität für Bürger auf und soll Firmen eine sichere, einheitliche Identität bieten. Sie ermöglicht das digitale Unterzeichnen von Dokumenten, die Verifizierung des Rechtsstatus und die Autorisierung von Zahlungen. Die Kommission erhofft sich dadurch jährliche Einsparungen von bis zu 150 Milliarden Euro. Der größte Vorteil: Durch die Verknüpfung von Zahlungsdaten mit einer verifizierten Identität soll Betrug, wie etwa gefälschte CEO-Überweisungen, massiv erschwert werden.
Doppelschloss gegen Betrug
Parallel zum Omnibus treibt die EU die Sicherheit von Zahlungen mit neuen Instrumenten voran. Die europäische Zahlungsverkehrsbehörde EPC plant mit FRIDA eine zentrale Plattform, auf der Zahlungsdienstleister Betrugsinformationen in Echtzeit austauschen können. Diese Initiative ergänzt die neue Zahlungsdienste-Verordnung (PSR), die ab 2028 gelten soll. Sie verschärft die Haftung der Anbieter, wenn sie keine angemessenen Betrugspräventionsmaßnahmen ergreifen. Gemeinsam mit den Identitäts-Tools des Omnibus entsteht so ein „Doppelschloss“ für sichere Online-Transaktionen.
Nächste Schritte und Konsultation
Das Gesetzespaket liegt nun zur Beratung beim Europäischen Parlament und Rat. Die Kommission führt zudem eine Konsultation zur Kohärenz der neuen Regeln durch, an der sich Unternehmen bis zum 11. März 2026 beteiligen können. Die Branche begrüßt die Vereinfachung, warnt aber vor den technischen Herausforderungen und Investitionen, die die Einführung der Business Wallet für Banken und Fintechs mit sich bringt.


