Digitale Souveränität: DACH-Region rüstet sich für EU-Unabhängigkeit
29.11.2025 - 20:40:12Österreich, Deutschland und Schweiz treiben Ende 2025 ihre digitale Infrastruktur voran: Von Gesetzen gegen Tech-Abhängigkeiten bis zur staatlichen E-ID für 2026.
Ende November 2025 wird klar: Die digitale Verwaltung in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist erwachsen geworden. Statt nur möglichst viele Nutzer zu gewinnen, steht jetzt die Frage im Mittelpunkt: Wer kontrolliert eigentlich unsere digitale Infrastruktur?
In einer Woche, die von „Black Friday”-Shopping und Monatsendfristen geprägt war, haben alle drei Länder bedeutende Schritte unternommen, um ihre digitalen Fundamente zu stärken. Österreich prescht mit einem neuen Gesetz zur digitalen Souveränität vor, Deutschland treibt die EU-weite Vernetzung vor, und die Schweiz bereitet den Start ihrer staatlichen E-ID für 2026 vor.
Österreich: Gesetzlicher Vorstoß gegen Abhängigkeiten
Wien gibt das Tempo vor. Am 26. November verabschiedete der Parlamentsausschuss für Wissenschaft und Digitalisierung einstimmig einen Antrag zur Stärkung der „digitalen Souveränität” der österreichischen Verwaltung.
Der von Staatssekretär Alexander Pröll (ÖVP) vorangetriebene Vorstoß zielt darauf ab, „einseitige Abhängigkeiten” von außereuropäischen Technologieanbietern zu reduzieren. „Wir müssen europäisch denken und national handeln”, erklärte Pröll nach der Entscheidung. Konkret wird ein „Souveränitätskompass” eingeführt – ein Werkzeug, mit dem Behörden Software-Risiken bewerten können. Zudem erhält Open Source in der öffentlichen Beschaffung künftig Vorrang, wo immer dies umsetzbar ist.
Passend zum Thema Smartphone als Staatsschnittstelle: Viele Nutzer unterschätzen Sicherheitslücken auf Android-Geräten, die auch bei E‑ID-Apps, mobilen Wallets und Online-Logins schwere Folgen haben können. Angesichts massiver Mobile-Transaktionen (wie die Bitkom-Zahlen zur Black‑Friday-Nutzung zeigen) sollten Sie jetzt aktiv werden. Ein kostenloser Ratgeber erklärt die fünf wichtigsten Schutzmaßnahmen – von korrekten Update‑Einstellungen über App‑Prüfung bis zur Verschlüsselung sensibler Daten – und hilft, Identitätsdiebstahl zu vermeiden. Jetzt kostenloses Android-Sicherheits-Paket anfordern
Dieser Schritt folgt der „Erklärung zur Europäischen Digitalen Souveränität”, die am 18. November in Berlin von allen 27 EU-Mitgliedstaaten unterzeichnet wurde. Wien reklamiert für sich, diese Initiative maßgeblich geprägt zu haben.
Parallel zur Politik kümmert sich die Praxis um Stabilität: Das Justizministerium führte diese Woche kritische Updates an der Plattform „JustizOnline” durch. In der Nacht vom 27. auf den 28. November wurde die Stabilität der Web-Formulare und des stark frequentierten Dienstes „Mein Postkorb” verbessert.
Das zentrale Login-System „ID Austria” zählt mittlerweile über 4,1 Millionen Nutzer. Um auch ländliche Regionen zu erreichen, wurde die mobile „ID Austria Service Tour” bis Ende Dezember 2025 verlängert.
Deutschland: Das neue Super-Ministerium macht Druck
In Deutschland konzentriert sich alles auf strukturelle Reformen unter dem neu geschaffenen Bundesministerium für Digitalisierung und Staatsmodernisierung (BMDS). Minister Dr. Karsten Wildberger hat seit dem Regierungsumbau IT-Zuständigkeiten zentralisiert, die zuvor auf sechs verschiedene Ministerien verteilt waren.
Beim „EU Digital Summit” am 18. November in Berlin machte Wildberger deutlich: Die „DeutschlandID” – eine Weiterentwicklung der BundID – soll nicht nur als nationales Login dienen, sondern bis 2026 auch als EU Digital Identity Wallet funktionieren.
Die Praxis zeigt jedoch ein gemischtes Bild. Zahlen des Ministeriums von Mitte November dokumentieren Schwankungen bei den „BundID”-Konten. Viele Accounts, die ausschließlich für die einmalige Energiepreispauschale an Studierende 2023 angelegt wurden, sind automatisch gelöscht worden. Dennoch: Die aktive Nutzung steigt – Ende 2025 zählt das Ministerium rund 4,9 Millionen aktive Konten.
Interessant wird es beim Blick auf das Konsumentenverhalten. Eine am 24. November veröffentlichte Bitkom-Studie zeigt: 69 Prozent der deutschen Verbraucher erledigten ihr „Black Friday”-Shopping ausschließlich online, hauptsächlich über mobile Geräte. Diese hohe Akzeptanz mobiler Transaktionen gilt Analysten als wichtige Voraussetzung für die Verbreitung der Smart-eID, die den Personalausweis aufs Smartphone bringt.
Schweiz: Vom Referendum zur Umsetzung
Die Schweiz befindet sich in die Übergangsphase nach dem knappen Referendum vom 28. September, bei dem 50,4 Prozent der Abstimmenden das neue Bundes-E-ID-Gesetz angenommen haben. Mit der politischen Hürde überwunden, konzentriert sich alles auf die technische Umsetzung.
Der Bundesrat wertet derzeit die Ergebnisse der Konsultation zur E-ID-Verordnung aus, die am 15. Oktober endete. In den kommenden Wochen sollen die technischen Standards für die „Swiyu”-Wallet-Infrastruktur finalisiert werden, um einen öffentlichen Start 2026 zu ermöglichen.
Im Unterschied zu den Nachbarn setzt die Schweiz auf eine „Privacy-First”-Architektur: Der Staat stellt die ID aus, speichert aber keine Nutzungsdaten zentral – eine direkte Antwort auf Datenschutzbedenken, die 2021 den privatwirtschaftlichen Vorgängervorschlag scheitern ließen.
Die Lebendigkeit des Schweizer Digital-Ökosystems zeigte sich beim „Suissedigital-Day” am 19. November in Bern, wo Branchenführer und KMU über KI-Integration in lokale Geschäftsprozesse diskutierten. Zudem meldeten Schweizer Händler am 28. November robuste digitale Verkaufszahlen – ein Zeichen für anhaltendes Vertrauen in die digitale Transaktionsinfrastruktur trotz des knappen Abstimmungsergebnisses.
Der Souveränitäts-Schwenk: Was steckt dahinter?
Die Entwicklungen Ende November 2025 zeigen eine strategische Reifung der DACH-Region. Die Erzählung hat sich gewandelt: Weg vom schlichten „Formulare ins Netz stellen” (die OZG-Ära in Deutschland), hin zur Frage nach sicherer, unabhängiger und vernetzungsfähiger Infrastruktur.
„Die Synchronisation zwischen Wien und Berlin beim Thema digitale Souveränität ist beispiellos”, analysiert Digital-Expertin Dr. Elena Weber. „Österreich liefert die gesetzliche Vorlage mit seinem ‚Souveränitätskompass’, während Deutschland über das BMDS die Marktgröße beisteuert. Die Schweiz, obwohl außerhalb der EU, richtet ihre technischen Standards so aus, dass ihre Bürger nicht abgehängt werden.”
Ausblick: Was kommt jetzt?
Für die Bürger der DACH-Region ist das Smartphone längst mehr als ein Kommunikationsgerät – es ist die primäre Schnittstelle zum Staat geworden. Eine Realität, die Regierungen nun absichern müssen. Die Frage ist nicht mehr, ob die digitale Verwaltung kommt, sondern wer sie kontrolliert.
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