Digitale Gesundheitswende: Senioren sind bereit, das System noch nicht
07.02.2026 - 05:28:12
Deutschlands Senioren sind digitalen Gesundheitsangeboten gegenüber überraschend aufgeschlossen. Doch die technische Umsetzung hinkt dem Enthusiasmus der Nutzer hinterher, wie aktuelle Umfragen und Praxiserfahrungen zeigen.
Die Mär von der digitalen Abstinenz der Älteren
Das Klischee des technikfernen Seniors ist überholt. Eine repräsentative Bitkom-Umfrage belegt: 92 Prozent der Menschen ab 65 Jahren sehen die Digitalisierung im Gesundheitswesen als große Chance. Bei den über 80-Jährigen sind es sogar 95 Prozent. Die Bereitschaft wird durch konkretes Nutzungsverhalten untermauert. Heute bucht bereits die Hälfte aller Senioren Arzttermine online – vor fünf Jahren waren es nur 18 Prozent. Auch der digitale Arztkontakt per E-Mail oder Chat gewinnt an Bedeutung: Jeder Fünfte nutzt diese Kanäle bereits, über die Hälfte kann sich eine künftige Nutzung vorstellen.
Die elektronische Patientenakte als Bremsklotz
Trotz dieser positiven Grundstimmung hapert es bei der Einführung der Kerntechnologie, der elektronischen Patientenakte (ePA). Ein Jahr nach dem Start berichten Ärzte, Apotheker und Krankenkassen aus Hessen von anhaltenden Problemen. Technische Hürden und mangelnde Nutzerfreundlichkeit bremsen die flächendeckende Nutzung im Praxisalltag aus. Apotheker monieren vor allem, dass das Befüllen der Akten mit Daten nur schleppend vorankomme. Das schmälert den eigentlichen Nutzen für die Arzneimittelsicherheit.
Eine aktuelle Nutzeranalyse der Gematik, der nationalen Agentur für digitale Medizin, bestätigt diese Eindrücke vom 6. Februar 2026. Die Software-Module für die ePA-Interaktion in den Praxisverwaltungssystemen seien in ihrer Bedienbarkeit sehr unterschiedlich. Während die Module für das E-Rezept Fortschritte zeigten, fehlten bei den ePA-Funktionen oft intuitive Bedienung und klare Fehlermeldungen. Das behindere eine effiziente Integration in den Arbeitsablauf.
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Vom E-Rezept zur App auf Rezept
Neben der ePA wächst das Ökosystem der digitalen Patientenunterstützung. Seit dem 1. Februar 2026 ist eine zweite Verordnung zur Änderung der Digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA)-Verordnung in Kraft. Sie soll das Zulassungs- und Integrationsverfahren für diese „Apps auf Rezept“ verbessern. Diese Anwendungen bieten digitale Lösungen zur Überwachung und Behandlung verschiedener Erkrankungen.
Gleichzeitig wird die Anbindung der DiGAs an die ePA vereinfacht. Das ermöglicht einen besseren Datenaustausch zwischen Patient, App und Leistungserbringer. Für ältere Patienten, die von Erinnerungsfunktionen für Medikamente oder der Dokumentation von Nebenwirkungen profitieren können, ist dieser Rahmen entscheidend. Der Aufstieg der Telepharmazie und die Standardisierung des digitalen Verordnungswegs verändern zudem die Apothekenarbeit – weg vom Papier, hin zu einem integrierten digitalen Dienstleistungsmodell.
Systemreife hinkt der Nutzerbegeisterung hinterher
Die aktuelle Lage offenbart eine deutliche Diskrepanz: Die Nachfrage und positive Einstellung der Senioren sind der Reife der digitalen Infrastruktur voraus. Der Erfolg der digitalen Arzneimittelversorgung hängt davon ab, diese Lücke zu schließen. Damit Apotheker Werkzeuge wie den elektronischen Medikationsplan in der ePA zur Vermeidung von Wechselwirkungen nutzen können, müssen die Systeme zuverlässig, schnell und nahtlos in den Praxisalltag integriert sein.
Krankenkassen wie die Barmer in Hessen bestätigen das hohe Interesse ihrer Versicherten an der ePA-Nutzung. Gleichzeitig betonen sie, dass die User Experience für die medizinischen Fachkräfte ein entscheidender Erfolgsfaktor sei. Die aktuellen Herausforderungen zeigen: Die digitale Transformation ist weniger ein Problem der Patient*innenakzeptanz, sondern vielmehr eines der technischen Umsetzung und systemweiten Integration.
Der Wettlauf um die Benutzerfreundlichkeit
Die digitale Strategie der Bundesregierung sieht ein ehrgeiziges Ziel vor: Bis 2026 sollen 80 Prozent der Kommunikation im Gesundheitswesen papierlos abgewickelt werden. Um dies zu erreichen, müssen die Usability- und Funktionalitätsprobleme bei ePA und Co. gelöst werden. Die positive Aufnahme in der Seniorengemeinschaft bietet eine starke Grundlage und einen klaren Auftrag, diese Verbesserungen zu beschleunigen.
Die Entwickler von Praxissoftware und die Gematik müssen den Fokus nun auf die Verbesserung der Nutzererfahrung legen. Nur so kann das technologische Gerüst endlich sein Versprechen einlösen: eine sicherere, effizientere und besser koordinierte Arzneimittelversorgung für Deutschlands alternde Bevölkerung.
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