Digital Omnibus: EU will Milliarden-Bürokratie abbauen
03.01.2026 - 11:14:12Die EU startet 2026 mit der größten Digitalreform seit einem Jahrzehnt. Der „Digital Omnibus“ soll den regulatorischen Dschungel lichten und Unternehmen bis zu fünf Milliarden Euro an Verwaltungskosten ersparen. Die entscheidende Konsultationsphase endet diesen Januar.
Brüssel vollzieht eine strategische Wende: Nach Jahren neuer Regeln setzt die Kommission nun auf Vereinfachung und Konsolidierung. Das Paket, von Vizepräsidentin Henna Virkkunen Ende 2025 vorgestellt, bekämpft den „Regulierungswildwuchs“, der die Wettbewerbsfähigkeit Europas zunehmend hemmt. Das Ziel ist klar: Weniger Bürokratie, mehr Harmonie zwischen den Vorschriften.
Einheitliche Regeln für Daten und Cybersicherheit
Der Kern des Plans ist die Zusammenführung der zersplitterten Datenvorschriften. Künftig sollen nur noch zwei Hauptpfeiler gelten: die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und der Data Act. Überlappende Verordnungen wie der Data Governance Act werden gestrichen und ihre wesentlichen Teile in den Data Act integriert.
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Ein zentraler Gewinn für die Wirtschaft ist der geplante „Single-Entry Point“ für die Meldung von Cybersicherheitsvorfällen. Bisher müssen Unternehmen identische Vorfälle oft mehrfach melden – unter DSGVO, NIS2 und DORA. Das neue System der Agentur ENISA soll eine Meldung ausreichen lassen, um alle rechtlichen Pflichten zu erfüllen.
Pragmatische Wende bei Auskunftsanträgen und KI
Erste detaillierte Analysen des Textes, wie eine der Kanzlei Ropes & Gray LLP vom 2. Januar 2026, zeigen eine pragmatischere Linie Brüssels. So will die Kommission den Missbrauch von Datenauskunftsanträgen (DSAR) eindämmen.
Diese werden in Rechtsstreits oder Arbeitskonflikten oft taktisch eingesetzt, nicht für echte Transparenz. Die Reform will es Unternehmen erleichtern, offensichtlich missbräuchliche oder strategisch motivierte Anträge abzulehnen. Eine klare Rechtsgrundlage soll endlich Abhilfe schaffen.
Auch beim KI-Gesetz (AI Act) plant Brüssel Entlastung. Ein vorgeschlagener „Stop-the-Clock“-Mechanismus für Hochrisiko-KI-Systeme würde Fristen verlängern. Konkret: Bestimmte Pflichten sollen erst gelten, wenn die technischen EU-Standards dafür vorliegen. Das könnte die Deadline für manche Systeme bis 2027 oder 2028 verschieben. Unternehmen müssten so nicht gegen Anforderungen verstoßen, für die es noch keine Umsetzungshilfen gibt.
Entscheidende Fristen und gespaltene Reaktionen
Die Zeit für Einflussnahme läuft ab. Die öffentliche Konsultation zum Digital Omnibus endet am 29. Januar 2026. Das Feedback wird den weiteren Gesetzgebungsprozess im Parlament und Rat maßgeblich prägen.
Parallel läuft bis zum 11. März 2026 ein umfassender „Digital Fitness Check“. Diese Überprüfung soll Inkonsistenzen im gesamten digitalen Regelwerk – inklusive Digital Services Act (DSA) und Digital Markets Act (DMA) – aufdecken.
Die Reaktionen aus der Wirtschaft sind verhalten optimistisch. Ein Bericht von PYMNTS vom Jahresbeginn begrüßt die Vereinfachung, sieht aber auch einen „abrupten Kurswechsel“. Er spiegelt die wachsende Sorge wider, dass das Übermaß an Regeln Wachstum und Investitionen, besonders in KI, erstickt habe. Die entscheidende Frage: Werden die Gewinner und Verlierer des alten Systems den neuen Kompromiss akzeptieren?
Volle Agenda: Was 2026 auf Europa zukommt
Nach Ende der Konsultation geht es schnell. Das Europäische Parlament will die Ausschussberatungen im ersten Quartal 2026 beginnen, der Rat der EU parallel seine Position erarbeiten.
Doch trotz des Drucks wird es dauern: Die endgültige Verabschiedung der Omnibus-Verordnung wird voraussichtlich Ende 2026 oder Anfang 2027 erfolgen. Das gleichzeitige Ändern mehrerer Grundgesetze ist komplex.
Der regulatorische Kalender bleibt voll. Am 28. Januar 2026 debattiert das Europäische Internetforum bereits den nächsten großen Wurf: den geplanten „Digital Networks Act“ für moderne Konnektivität.
Für Unternehmen ist die Botschaft klar. Die Regeln sollen handhabbarer werden, aber der Aufwand, den Prozess zu begleiten, bleibt hoch. Der Digital Omnibus bietet die Chance, das regulatorische Umfeld für das nächste Jahrzehnt mitzugestalten – aber nur, wenn die Stimme der Wirtschaft rechtzeitig gehört wird. Die Januar-Fristen sind entscheidend.
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