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Diginex kauft The Remedy Project: Menschenrechte werden digital

09.01.2026 - 13:00:12

Nachhaltigkeits-Tech und Regulierung verschmelzen: Während die EU Fristen für Sorgfaltspflichten verschiebt, setzen Unternehmen auf digitale Lösungen für Lieferketten-Risiken.

Die Woche stand im Zeichen einer neuen Allianz: Der Nachhaltigkeits-Technologieanbieter Diginex übernimmt The Remedy Project, einen Spezialisten für Abhilfemaßnahmen bei Menschenrechtsverstößen. Diese Fusion markiert einen Wendepunkt. Unternehmen wollen Compliance nicht mehr nur dokumentieren, sondern Probleme aktiv lösen. Der Deal fällt in eine Phase regulatorischer Unsicherheit: Die EU hat die Fristen der Corporate Sustainability Due Diligence Directive (CSDDD) auf Mitte 2029 verschoben. Diese Atempause nutzen Vorreiter nun, um ihre Risikomanagement-Systeme mit neuer Technologie zu stärken.

Die Übernahme ist strategisch. Bislang konzentrierten sich digitale Due-Diligence-Tools oft auf die reine Risikoidentifikation durch Audits und Dashboards. The Remedy Project bringt hingegen operative Expertise ein: Das Unternehmen entwickelt Beschwerdemechanismen und konkrete Abhilfestrategien für Arbeitsrechtsverletzungen direkt bei Zulieferern.

Diginex will diese Methodik in seine Plattform integrieren. Das Ziel ist ein durchgängiger digitaler Prozess – von der Risikoerkennung bis zur verifizierten Lösung. Marktbeobachter sehen darin einen Reifeschub für den ESG-Softwaremarkt. „Firmen wollen keine passiven Berichte mehr, sondern aktive Werkzeuge“, kommentiert ein Analyst. Gerichte und Investoren achten zunehmend darauf, ob Unternehmen gefundene Missstände auch tatsächlich beheben.

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KI in der Lieferkette: Ein neues Risiko entsteht

Parallel wirft ein Report des Thomson Reuters Institute ein Schlaglicht auf ein paradoxes Problem. Künstliche Intelligenz soll helfen, Lieferketten transparenter zu machen. Doch die KI selbst schafft neue Risiken.

Die Studie „The Crosswinds of AI, Sustainability & Human Rights“ warnt: Das Training von KI-Systemen benötigt oft zehntausende „unsichtbare“ Arbeitskräfte für Datenlabeling und Content-Moderation – häufig unter prekären Bedingungen im Globalen Süden. Für multinationale Konzerne bedeutet das eine doppelte Herausforderung: Sie müssen nun Due Diligence nicht nur für ihre physischen Lieferketten betreiben, sondern auch für die digitale Wertschöpfungskette der eingesetzten KI-Tools. Juristen der Kanzlei Ropes & Gray bestätigen diesen Trend und mahnen zu Vorsicht bei Bias und Arbeitsplatzverlusten durch KI.

EU-Regulierung: Verschiebung ist kein Freibrief

Im Hintergrund sorgt die europäische Politik für Bewegung. Das sogenannte „Omnibus I“-Paket wurde im Dezember 2025 vom Parlament gebilligt und verschiebt die einheitliche Anwendung der CSDDD auf Juli 2029. Dies soll Bürokratie abbauen.

Rechtsexperten von Fieldfisher und Stibbe betonen jedoch: Die Verschiebung der Fristen bedeutet keine Aufweichung der Pflichten. Die substantielle Verantwortung, Risiken zu identifizieren und zu mindern, bleibt bestehen. Auch die deutsche Bundesregierung arbeitet an Vereinfachungen des nationalen Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes (LkSG), ohne dessen Kern anzutasten.

Für Compliance-Profis eröffnet die Verzögerung ein „Fenster für Fähigkeiten“. Statt in hektische Berichterstattung zu investieren, können Unternehmen nun in robuste digitale Infrastrukturen – wie die von Diginex angestrebte – investieren. Diese sollen langfristig standhalten, wenn die verschärfte Berichtspflicht 2029 wirklich greift.

Die Zukunft: Digitale Tools müssen menschlicher werden

Die Entwicklungen der Woche zeigen eine fundamentale Verschiebung. Der Fokus wandert von der Formatfrage der Berichte hin zur operativen Wirksamkeit. Der Markt honoriert Tools, die Probleme lösen, nicht nur melden.

Die Agenda für 2026 ist gesetzt: Der Rat der EU muss das Omnibus-Paket finalisieren. Anbieter von Compliance-Software arbeiten unter Hochdruck an KI-gestützten Lösungen, die die „doppelte Materialität“ von Menschenrechtsrisiken erfassen können – also sowohl die Auswirkungen des Unternehmens auf Menschen als auch das finanzielle Risiko von Verstößen für das Unternehmen.

Der Druck wächst nicht nur von den Regulierern, sondern aus den globalen Liefernetzwerken selbst. Die Unternehmen, die die aktuelle Pause nutzen, um ihre Überwachung zu digitalisieren und zugleich menschlicher zu gestalten, werden die künftigen Standards setzen.

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