DigiFLUX, Schweizer

DigiFLUX: Schweizer Pflanzenschutz-Datenbank fällt durch

05.02.2026 - 16:40:12

Die Eidgenössische Finanzkontrolle rügt gravierende Mängel bei Führung, Datenschutz und Technik des BLW-Projekts, was die Digitalisierung des Bundes infrage stellt.

Die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) stellt dem IT-Projekt des Bundesamtes für Landwirtschaft ein vernichtendes Zeugnis aus. Die Kritik an der Pestizid-Datenbank „digiFLUX“ reicht von mangelhafter Führung bis zu gravierenden Datenschutzlücken und entfacht die Debatte über die Digitalisierung des Bundes neu.

Projektführung im Blindflug

Im Zentrum des Prüfberichts steht eine „intransparent und reaktiv geführte Situation“. Die EFK kritisiert, dass das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) seine Kernaufgaben wie Planung und Kontrolle massiv vernachlässigt habe. Statt einer vorausschauenden Strategie herrsche ein Mangel an klarer Steuerung – ein Bild, das bei großen IT-Vorhaben der öffentlichen Hand leider oft zu sehen ist. Die Prüfer fordern die Projektleitung auf, die Kontrolle zurückzugewinnen. Diese strukturellen Schwächen gefährden nicht nur „digiFLUX“, sondern die gesamte Digitalisierungsstrategie des Bundes.

Datenschutz als Achillesferse

Besonders schwer wiegen die ungelösten Datenschutzfragen. Laut EFK ist bis heute nicht klar definiert, wie die sensiblen Daten der Landwirtschaftsbetriebe konkret genutzt werden sollen. Diese Unklarheit macht eine Prüfung auf Rechtmäßigkeit unmöglich. In der Branche schürt das die Sorge vor einem „gläsernen Hof“ und dem Missbrauch von Betriebsdaten durch die Behörden. Experten fordern eine konsequente Integration von Datenschutz-Folgenabschätzungen von Projektbeginn an – hier wurde sie offenbar sträflich vernachlässigt.

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Technische Mängel frustrieren Nutzer

Auch die technische Umsetzung fällt durch: Die Applikation sei unzureichend getestet, wichtige Dokumentation fehle und der Support für Anwender sei unzuverlässig. Ein EFK-Vertreter spricht von erheblichem Frust bei den Nutzern, die sich eine unausgereifte Lösung vorgesetzt fühlen. Solche Erfahrungen beschädigen die Akzeptanz für Digitalisierungsprojekte nachhaltig. Das BLW räumte fehlende Dokumente ein, betonte aber, diese Lücken inzwischen geschlossen zu haben. Der Eindruck eines überstürzt eingeführten Produkts bleibt.

Politische Reaktionen und systemisches Problem

Das BLW hat Konsequenzen angekündigt und will sich bis Ende 2026 auf die gesetzlich geforderten Kernfunktionen konzentrieren. Ein Vizedirektor akzeptierte die Kritik. Doch der Fall ist kein Einzelfall: Die EFK hatte in der Vergangenheit bereits bei anderen Großprojekten wie dem IT-System Asal 2 des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) massive Mängel moniert. Damals führten die Probleme zu erheblichen Verzögerungen bei der Auszahlung von Arbeitslosengeldern. Die wiederholten Pannen deuten auf ein systemisches Defizit in der Steuerung von Schlüsselprojekten hin.

Ruf nach besserer IT-Governance wird lauter

Der „digiFLUX“-Skandal unterstreicht die dringende Notwendigkeit einer verbesserten IT-Governance auf Bundesebene. Die Forderungen nach standardisierten Prozessen, konsequentem Risikomanagement und einer klaren strategischen Aufsicht werden lauter. Ob die schrittweise Abarbeitung der EFK-Empfehlungen ausreicht, um das Ruder herumzureißen, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Der Erfolg hängt davon ab, ob die grundlegenden Mängel in Führung, Datenschutz und Technik nachhaltig behoben werden können.

@ boerse-global.de