Diakonie-Tarife, Schichtzulagen

Diakonie-Tarife 2026: Schichtzulagen steigen erst im Herbst

01.01.2026 - 15:44:12

Diakonie-Beschäftigte erhalten gestaffelte Gehalts- und Zulagenerhöhungen bis 2027, wobei Bayern mit sofortigen Steigerungen vorangeht. Die Umsetzung stellt Mitarbeitervertretungen vor Herausforderungen.

Für rund 180.000 Beschäftigte der Diakonie Deutschland beginnt das Jahr mit ungleichen Tarifperspektiven. Während in Bayern die Gehälter bereits zum Jahreswechsel steigen, müssen die meisten Mitarbeiter auf die großen Sprünge bei den Schichtzulagen bis September warten. Die Mitarbeitervertretungen (MAV) stehen vor der Aufgabe, die komplexe Staffelung durchzusetzen.

Gestaffelte Erhöhungen: Der Fahrplan bis 2027

Die zentrale Neuerung für Schichtarbeiter betrifft die Schichtzulage und Wechselschichtzulage. Die im Juli 2025 beschlossenen Erhöhungen erfolgen in zwei Stufen, um an den öffentlichen Dienst (TVöD) aufzuschließen.

Ab 1. September 2026 steigt die allgemeine Schichtzulage von 60 auf 80 Euro monatlich. Die Wechselschichtzulage erhöht sich gleichzeitig von 150 auf 200 Euro. Weitere Steigerungen sind für Juli 2027 festgelegt – dann auf 100 bzw. 250 Euro. Zudem sieht der Bundesrahmentarif (AVR.DD) eine lineare Gehaltserhöhung von 3,0 Prozent zum September vor.

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Tarifexperten bewerten die verzögerten, aber prozentual starken Sprünge als wichtigen strukturellen Fortschritt für Pflegekräfte. Die Verzögerung bis in den Herbst stößt jedoch auf Kritik, da sie hinter der Inflation zurückbleibt.

Bayern geht voran: Sofortige Gehaltserhöhung

Während Bundesangestellte warten, profitieren Beschäftigte der Diakonie Bayern bereits seit dem 1. Januar von einer 3,0-Prozent-Erhöhung. Zudem hat die bayerische Tarifkommission eine Verdoppelung der Schichtzulagen beschlossen, die ab 1. März 2026 greift.

Dann springt die Schichtzulage in Bayern von 50 auf 100 Euro, die Wechselschichtzulage erreicht 250 Euro. Damit liegen bayerische Mitarbeiter bei den Zulagenbeträgen leicht vor dem Bundeszeitplan. Auch Diakonie Niedersachsen (TV DN) hat einen Sonderweg mit Erhöhungen ab März vereinbart.

Diese regionalen Unterschiede zeigen: Den einheitlichen “Diakonie-Tarif” gibt es nicht mehr. MAVs müssen genau klären, welcher Vertrag im jeweiligen Haus gilt.

„Vitaltag“ und neue Fachkräfte-Zulagen

Neben den Gehältern wird 2026 die Regelung zum „Vitaltag“ verstetigt. Dieser zusätzliche freie Tag für Beschäftigte mit mindestens zehn Jahren Dienstzeit wurde zunächst für 2025 eingeführt und gilt nun weiter für 2026 und 2027. Berechtigte sollten den Tag frühzeitig in der Dienstplanung berücksichtigen.

Die Tarifentscheidungen brachten zudem gezielte Verbesserungen für Fachpersonal:
* Praxisanleiterzulage: Wurde vereinfacht und in eine Pauschale umgewandelt.
* Fachkraftzulage: Der Kreis der Berechtigten wurde auf drei weitere Tätigkeitsbereiche ausgeweitet.
* Pflegezulage: Erhält ab 1. Juli 2026 eine weitere Erhöhung um 20 Euro.

Die Herausforderung: Korrekte Umsetzung

Für die Mitarbeitervertretungen beginnt nun die Phase der Umsetzungskontrolle. Die Staffelung der Termine – Januar (Bayern Gehälter), März (Bayern Zulagen), Juli (Pflegezulage Bund) und September (Bundeserhöhungen) – erfordert wachsame Begleitung.

Arbeitsrechtsexperten warnen: Die Aktualisierung von Gehaltssoftware hinkt komplexen Tarifvereinbarungen oft hinterher. MAVs sollten die ersten Gehaltsabrechnungen nach jedem Stichtag prüfen. Besonderes Augenmerk gilt:
1. Der korrekten Erfassung des „Vitaltags“.
2. Der fehlerfreien Anwendung der neuen Pauschalregelung für Praxisanleiter.
3. Der automatischen Zuordnung erweiterter Fachkraftzulagen ohne Einzelantrag.

Das Lohngefälle zum TVöD bleibt ein Reizthema. Zwar werden die Diakonie-Zulagen später das Niveau des öffentlichen Dienstes erreichen oder übertreffen. Doch bis September verdienen Diakonie-Beschäftigte für gleiche Schichtbelastungen faktisch weniger. Die MAVs wollen diese Diskrepanz als Argument für frühere Umsetzungen künftiger Erhöhungen nutzen.

Was kommt danach?

Der aktuelle Tarifrahmen bietet bis Ende 2027 Stabilität. Der Fokus liegt 2026 auf der praktischen Anwendung. Separate Verhandlungen für Diakonie-Ärzte, die einem anderen Zeitplan folgen, wurden für das laufende Jahr angekündigt.

Für die einzelne Pflegekraft auf Station bringt 2026 also mehr Geld – doch Geduld ist gefordert. Die spürbarsten Zulagen für die Belastung des Schichtdienstes kommen nicht mit den Neujahrsraketen, sondern mit dem Herbstlaub.

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