DGUV Vorschrift 2: Die digitale Revolution der Arbeitssicherheit
13.02.2026 - 09:30:12Die Arbeitssicherheit in Deutschland steht vor dem größten Umbruch seit zehn Jahren. Zwei Entwicklungen dominieren die Agenda: die vollständige Umsetzung der modernisierten DGUV Vorschrift 2 und verschärfte Prüfungen für Batterie- und Wasserstoffanlagen. Für Sicherheitsverantwortliche bedeutet das das Ende der rein analogen Prüfung.
Digitalisierung der Betriebsbetreuung: Flexibilität mit Pflichten
Seit dem 1. Januar 2026 gilt die aktualisierte DGUV Vorschrift 2 in der Praxis. Der Kern der Reform ist die „Digitalisierung der Betreuung“. Betriebsärzte und Fachkräfte für Arbeitssicherheit dürfen Begehungen und Beratungen nun auch digital durchführen – allerdings nur unter strengen Auflagen. Die digitale Inspektion muss dieselbe Informationsqualität liefern wie der Vor-Ort-Termin.
Ein weiterer wichtiger Punkt: Die Grenze für das vereinfachten Kleinbetriebsmodell wurde von 10 auf 20 Beschäftigte angehoben. Tausende zusätzliche Unternehmen können nun die „alternative Betreuung“ wählen, bei der geschulte Unternehmer mehr Sicherheitsaufgaben selbst übernehmen.
Doch die neue Flexibilität hat ihren Preis. Berufsgenossenschaften wie die BGN betonen die gestiegenen Dokumentationspflichten. Bei Prüfungen in diesem Jahr liegt der Fokus stark auf der technischen Infrastruktur. Sind die digitalen Gefährdungsbeurteilungen rechtssicher? Die „Textform“ ersetzt für viele Dokumente die „Schriftform“ – das erfordert fälschungssichere, digitale Nachweiswege.
Neue Prüfschwerpunkte: Batterien und Wasserstoff
Parallel zur allgemeinen Sicherheitsverwaltung rücken spezifische Technologien in den Prüffokus. Auf der Fachmesse E-world energy & water in Essen stellten Prüforganisationen wie DEKRA neue Protokolle für die Energiewirtschaft vor.
Die Sicherheit von Energiespeichern wird zum kritischen Compliance-Thema. Ein entscheidender Termin steht bevor: Ab 18. Februar 2026 sind neue EU-Vorschriften zur CO₂-Fußabdruck-Kennzeichnung für Industriebatterien verbindlich. Diese Regelung betrifft nicht nur die Umweltbilanz, sondern auch Sicherheit und Beschaffung.
Prüfungen für Anlagen mit Großbatterien oder Wasserstoff-Elektrolyseuren werden immer komplexer. Sie müssen die gesamte Wertschöpfungskette abdecken – von der Produktion über den Transport bis zur Lagerung. Die Dokumentation für explosionsgeschützte Bereiche (Ex-Schutz) muss an die neue Technologie angepasst werden. Prüfer achten besonders auf Risiken an den Schnittstellen, wo neue Wasserstoffsysteme auf bestehende Infrastruktur treffen.
Zoll und Digitale Personalkontrolle
Neben der technischen Sicherheit verändert sich auch die administrative Compliance. Das Gesetz zur Modernisierung und Digitalisierung der Bekämpfung der Schwarzarbeit (SchwarzArbMoDiG) hat seit Jahresbeginn die Prüfpraxis des Zolls grundlegend verändert.
Die Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) erhält erweiterte digitale Befugnisse. Behörden können bei Kontrollen nun digitalen Zugang zu Firmendatenbanken verlangen, um Schwarzarbeit und Mindestlohnverstöße aufzudecken. Diese Prüfungen finden oft parallel zu Arbeitsschutzkontrollen auf Baustellen oder in Betrieben statt.
Die FKS setzt auf eine „risikobasierte Prüfstrategie“ mit automatisierter Datenanalyse. Diskrepanzen in digitalen Personalakten oder Subunternehmerdaten können umfassende Sicherheitsaudits auslösen. Papierbasierte Fremdfirmenlisten sind obsolet; Prüfer erwarten heute die digitale Echtzeit-Verifikation, wer vor Ort ist und ob er sicherheitsunterwiesen ist.
Fremdfirmen im Einsatz? Prüfer sehen genau hin – digitale Unterweisungs- und Nachweispflichten sind jetzt entscheidend. Mit einer rechtssicheren Vorlage und Schritt-für-Schritt-Anleitung können Sie Unterweisungen für Fremdmitarbeiter einfach dokumentieren und Ihren Nachweis bei Prüfungen digital erbringen. Kostenlose Vorlage: Unterweisung Fremdfirmen downloaden
Die FKS setzt auf eine „risikobasierte Prüfstrategie“ mit automatisierter Datenanalyse. Diskrepanzen in digitalen Personalakten oder Subunternehmerdaten können umfassende Sicherheitsaudits auslösen. Papierbasierte Fremdfirmenlisten sind obsolet; Prüfer erwarten heute die digitale Echtzeit-Verifikation, wer vor Ort ist und ob er sicherheitsunterwiesen ist.
Die Zukunft: KI und der „transparente“ Audit
Die Rolle der Technologie wird weiter wachsen. Der TÜV-Verband verweist auf die volle Anwendung des EU-KI-Gesetzes im Laufe des Jahres 2026. Ab August werden Transparenzanforderungen für KI-Systeme verbindlich.
Für den Arbeitsschutz bedeutet das: Jede KI-gesteuerte Lösung zur Überwachung der Arbeitssicherheit – sei es zur Erkennung von Schutzausrüstung oder zur Ermüdungsüberwachung – wird selbst zum Prüfgegenstand. Unternehmen müssen technische Dokumentationen vorlegen, die die Zuverlässigkeit, Unvoreingenommenheit und Transparenz der KI belegen.
Die Konvergenz dieser Trends – digitale DGUV-Protokolle, Batteriesicherheit und automatisierte Zollprüfungen – macht 2026 zum Jahr des „transparenten Audits“. Unternehmen, die ihre Dokumentation nicht modernisieren und digitale Compliance-Tools ablehnen, riskieren nicht nur Bußgelder, sondern auch den operativen Stillstand.
Die Botschaft nach der E-world ist klar: Moderne Arbeitssicherheit dreht sich nicht mehr nur um Helme und Schutzgeländer. Sie ist eine Frage von Daten, Dokumentation und digitaler Bereitschaft.
@ boerse-global.de
Hol dir den Wissensvorsprung der Profis. Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlässliche Trading-Empfehlungen – dreimal die Woche, direkt in dein Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr.
Jetzt anmelden.


