DGUV-Vorschrift, Arbeitsschutz

DGUV-Vorschrift 2: Arbeitsschutz und Gesundheitsmanagement verschmelzen

09.01.2026 - 13:23:12

Die verschärfte DGUV-Vorschrift 2 verpflichtet Unternehmen ab sofort, Betriebliches Gesundheitsmanagement und gesetzlichen Arbeitsschutz als Einheit zu managen. Die Reform bringt Erleichterungen für Kleinbetriebe und digitale Vereinfachungen.

Die Reform der DGUV-Vorschrift 2 zwingt deutsche Unternehmen ab sofort, Sicherheit und Gesundheitsförderung als Einheit zu managen. Diese Woche kristallisierte sich ein neuer „Hand-in-Hand“-Standard als verbindliche Vorgabe heraus.

BERLIN – Ein Paradigmenwechsel im deutschen Arbeitsschutz vollzieht sich in diesen Januartagen. Die verschärfte DGUV Vorschrift 2 und eine neue „Hand-in-Hand“-Strategie machen die Integration von betrieblichem Gesundheitsmanagement (BGM) und gesetzlichem Arbeitsschutz zur Chefsache. Seit dem 1. Januar in Kraft, dominiert die praktische Umsetzung die Agenda von Personalabteilungen und Geschäftsführungen.

Neue Spielregeln: Mehr Flexibilität, mehr Verantwortung

Der wohl wichtigste sofortige Effekt ist die Anhebung der Grenze für das Kleinbetriebsmodell. Unternehmen mit bis zu 20 Beschäftigten – bisher waren es 10 – können nun das „Alternative Betreuungsmodell“ wählen. Diese Erleichterung für den Mittelstand geht jedoch mit strengeren inhaltlichen Anforderungen einher.

Unter dem neuen Regime müssen Inhaber und Führungskräfte eine aktivere Rolle im Gesundheits- und Sicherheitsprozess übernehmen. Die Verantwortung, Themen von Ergonomie bis psychische Belastung in die operative Planung zu integrieren, liegt nun eindeutig bei der Unternehmensleitung. Eine reine Auslagerung an externe Dienstleister genügt nicht mehr.

Anzeige

Passend zum Thema Gefährdungsbeurteilungen: Viele Arbeitgeber unterschätzen aktuell, welche Dokumentation und Nachweise Aufsichtsbehörden bei Prüfungen wirklich sehen wollen. Ein kostenloses Download-Paket liefert fertige Vorlagen, Checklisten und einen Leitfaden, mit dem Sie Gefährdungsbeurteilungen rechtssicher erstellen und Zeit sparen – speziell zugeschnitten auf psychische Belastungen und Büroarbeitsplätze. Jetzt GBU-Vorlagen herunterladen

Digitalisierung entlastet die Verwaltung

Als Ausgleich zu den wachsenden Dokumentationspflichten bringt die Reform 2026 erhebliche digitale Erleichterungen. Viele Dokumente, die bisher eine eigenhändige Unterschrift erforderten, sind nun in digitaler Textform gültig.

Das ermöglicht schnellere Updates der Gefährdungsbeurteilungen ohne Papierkrieg. Zulässig sind auch digitale Beratungen per Video für bis zu einem Drittel der Betreuungszeit – vorausgesetzt, die Fachkraft kennt die Betriebsverhältnisse. Experten warnen jedoch: Digitalisierung bedeutet keine Deregulierung. Die Nachvollziehbarkeit der digitalen Aufzeichnungen bleibt ein kritischer Prüfpunkt.

Psychische Belastung rückt in den Fokus

Die inhaltliche Neuausrichtung zielt aggressiv auf die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen ab. Moderner Arbeitsschutz, so betonten Branchenmedien diese Woche, dient nicht mehr nur der Unfallverhütung, sondern dem Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit in der Demografiekrise.

Die Konsequenz: BGM-Maßnahmen wie Stressmanagement-Workshops sind kein „Nice-to-have“ mehr, sondern integraler Bestandteil der gesetzlichen Pflicht zur Risikominimierung. Arbeitgeber müssen ihre BGM-Initiativen nun als konkreten Nachweis dokumentieren, wie sie psychische Gefahren aus der Sicherheitsbegehung bekämpfen. Der Begriff „Resilienz“ wird vom Schlagwort zur messbaren Kennzahl.

Branche reagiert mit pragmatischer Umsetzung

Die Reaktionen der Wirtschaft sind gemischt, aber pragmatisch auf die Implementierung fokussiert.

  • Entlastung für den Mittelstand: Die höhere Grenze für Kleinbetriebe wird im Handwerk als vitaler Bürokratieabbau begrüßt.
  • Neue Beratergeneration: Der Markt für Sicherheitsfachkräfte diversifiziert sich. Da die Qualifikation nun auch für Absolventen aus Psychologie oder Biologie offensteht, erwartet die Branche eine Welle „hybridier“ Berater, die technische Sicherheit mit Gesundheitspsychologie verbinden.
  • Koordinationsprobleme: Trotz digitaler Erleichterungen bleiben Herausforderungen. Die geforderte Integration von BGM und Sicherheit erfordert eine Abstimmung zwischen Personalwesen und Facility Management, die in vielen Firmen bisher fehlt.

Was kommt auf die Unternehmen zu?

Für das erste Quartal 2026 prognostizieren Experten eine Welle von Prüfungen, die die Qualität der Gefährdungsbeurteilungen für psychische Gesundheit in den Fokus rücken. Ein reines Abhaken von Checklisten wird den neuen Standards nicht genügen, die auf die nachweisbare Wirksamkeit der ergriffenen Maßnahmen pochen.

Während in Österreich diese Woche eine umstrittene neue Hitzeschutzverordnung für Kritik sorgt, sind deutsche Arbeitgeber ebenfalls aufgefordert, ihre Hitzeschutzpläne nach ASR A3.5 zu aktualisieren – in Erwartung eines weiteren heißen Sommers.

Die Botschaft der ersten Woche 2026 ist eindeutig: Die Mauer zwischen „gesetzlichem Arbeitsschutz“ und „freiwilligem BGM“ fällt. Die erfolgreichen Unternehmen werden jene sein, die beides als ein integriertes Managementsystem behandeln.

Anzeige

PS: Sie wollen bei anstehenden Prüfungen nicht nur bestehen, sondern proaktiv Risiken reduzieren? Die kostenlose GBU-Box enthält praxisnahe Checklisten, Musterformulierungen und einfache Anleitungen zur Nachweisführung – ideal, um psychische Belastungen systematisch zu erfassen und umzusetzen. Kostenlose GBU-Checkliste sichern

@ boerse-global.de