DGUV reformiert Arbeitsschutz: Mehr Freiheit, mehr Verantwortung
21.01.2026 - 22:46:12Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung stellt die Regeln für Sicherheit am Arbeitsplatz auf eine neue Grundlage. Eine überarbeitete Vorschrift und schärfere Warnungen vor konkreten Gefahren zwingen Unternehmen zum Umdenken.
Die Arbeitswelt wird digitaler, mobiler und nachhaltiger – und mit ihr die Risiken. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) reagiert mit einem grundlegenden Update der Spielregeln. Ziel ist ein proaktiver Schutz von Millionen Beschäftigten, der nicht erst nach Unfällen greift. Der Mix aus struktureller Reform und gezielten Warnungen markiert eine Zeitenwende im deutschen Arbeitsschutz.
Neufassung der Vorschrift 2: Bürokratieabbau für KMU
Seit Anfang 2026 gilt eine neu gefasste DGUV Vorschrift 2. Die wichtigste Änderung: Der Schwellenwert für vereinfachte Betreuungsmodelle steigt von 10 auf 20 Beschäftigte. Damit können deutlich mehr Kleinbetriebe von flexiblen und oft kostengünstigeren Alternativen profitieren, etwa dem Kompetenzzentrenmodell.
Statt starrer Vorgaben können qualifizierte Unternehmer große Teile der Arbeitssicherheit nun selbst in die Hand nehmen und Experten nur bei Bedarf hinzuziehen. Doch die neue Freiheit hat einen Preis: Betriebe, die ein alternatives Modell wählen, müssen eine verbindliche Selbsterklärung abgeben. Sie bestätigt, dass eine aktuelle Gefährdungsbeurteilung vorliegt. Experten sprechen von einem Paradigmenwechsel – weg von reiner Pflichterfüllung, hin zu gelebter Eigenverantwortung.
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Digitalisierung: Videosprechstunde für die Sicherheit
Die Reform öffnet auch die Tür für die digitale Welt. Fachkräfte für Arbeitssicherheit (Sifa) und Betriebsärzte dürfen ihre Leistungen nun teilweise per Videosprechstunde erbringen, sofern sie den Betrieb kennen. Diese Flexibilisierung kommt Unternehmen mit mehreren Standorten oder viel mobiler Arbeit entgegen.
Gleichzeitig ist die Digitalisierung selbst ein zentrales Beobachtungsfeld der DGUV. Ihr Risikoobservatorium analysiert ständig, wie KI, Plattformarbeit oder Exoskelette die Sicherheit verändern. Die Erkenntnisse münden direkt in neue Präventionsempfehlungen. Ein fortlaufender Kreislauf aus Beobachtung und Anpassung soll sicherstellen, dass der Arbeitsschutz mit der rasanten Entwicklung Schritt hält.
Aktuelle Warnung: Gefahrstoffe in Werkstätten
Parallel zu den strukturellen Änderungen warnt die DGUV vor alltäglichen, aber unterschätzten Risiken. In einer Mitteilung vom 20. Januar 2026 richtet sie den Fokus auf die unsachgemäße Lagerung von Gefahrstoffen in Werkstätten.
Viele dieser Substanzen sind leicht entzündlich, ätzend oder krebserregend. Unfälle sind oft schwerwiegend, aber vermeidbar. Die DGUV unterstreicht die zentrale Rolle der Gefährdungsbeurteilung. Sie muss nicht nur mechanische, sondern auch chemische und biologische Risiken systematisch erfassen. Diese gezielte Kommunikation zeigt: Auch altbekannte Gefahren werden im Kontext moderner Arbeitsabläufe neu bewertet.
Analyse: Flexibilität gegen Eigenverantwortung tauschen
Der Trend ist klar: Der Arbeitsschutz bewegt sich weg von starren Vorgaben hin zu passgenauen, flexiblen Modellen. Die neue Vorschrift 2 gibt vor allem KMU die Werkzeuge für eine effizientere Organisation an die Hand.
Doch die neugewonnene Freiheit ist untrennbar mit mehr Verantwortung verbunden. Ohne sorgfältige Gefährdungsbeurteilung und Dokumentation drohen bei Unfällen erhebliche Haftungsrisiken. Analysten raten Geschäftsführern, die neuen Möglichkeiten aktiv zu nutzen – sich aber gleichzeitig umfassend über die Pflichten zu informieren. Die gelebte Sicherheitskultur im Betrieb gewinnt an Bedeutung.
Ausblick auf die Arbeitswelt von morgen
2026 markiert einen Meilenstein. Unternehmen müssen ihre Betreuungsmodelle überprüfen und die neuen Regeln umsetzen. Das betrifft nicht nur Formalia, sondern die inhaltliche Auseinandersetzung mit allen Gefährdungen.
Die DGUV-Trendsuche als Daueraufgabe stellt sicher, dass der Arbeitsschutz mitwächst. Themen wie psychische Belastung, demografischer Wandel und sichere „Green Jobs“ rücken weiter in den Fokus. Für Unternehmen wird Arbeitssicherheit so zu einem permanenten Prozess aus Beobachtung, Bewertung und Anpassung. Nur so bleiben die Arbeitsplätze von morgen sicher und gesund.
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