DGB, Aufweichung

DGB stemmt sich gegen Aufweichung des Acht-Stunden-Tags

25.01.2026 - 08:12:12

Die Gewerkschaften schlagen Alarm: Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) wehrt sich mit aller Kraft gegen die Regierungspläne, die tägliche Höchstarbeitszeit zu lockern. Eine Resolution vom Wochenende markiert den Höhepunkt des Widerstands.

Die Debatte um die Zukunft des deutschen Arbeitszeitgesetzes ist voll entbrannt. Während Teile der Koalition und Arbeitgeber mehr Flexibilität fordern, sieht der DGB ein zentrales Arbeitnehmerschutzrecht in Gefahr. Die Fronten sind verhärtet.

Im Kern geht es um einen Paradigmenwechsel. Die Regierung plant, die starre tägliche Obergrenze von acht Stunden durch eine wöchentliche von durchschnittlich 48 Stunden zu ersetzen. Befürworter, vor allem aus Union und Wirtschaft, versprechen sich mehr Anpassungsfähigkeit an Auftragslagen und mehr Freiheit für Beschäftigte. Überstunden an einem Tag könnten so durch kürzere Tage in derselben Woche ausgeglichen werden.

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Die CSU drängt auf eine schnelle Umsetzung noch 2026. Sie argumentiert, dies stärke die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands im internationalen Vergleich.

Gewerkschaften warnen vor 13-Stunden-Tagen

Der DGB hält dagegen – und warnt vor gefährlichen Konsequenzen. Die Gewerkschafter befürchten, dass die neue Regelung bei gleichbleibender Mindestruhezeit von elf Stunden zu Arbeitstagen von bis zu 13 Stunden führen könnte. „Acht Stunden sind genug“, lautet der Titel einer Resolution, die auf einer bayerischen DGB-Bezirkskonferenz verabschiedet wurde.

„Das wäre ein massiver Rückschritt für den Gesundheitsschutz“, so die Kritik. Überlange Tage würden die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erschweren und die Belastung für Millionen erhöhen. Besonders alarmierend: Nur etwa die Hälfte der Beschäftigten ist durch tarifvertragliche Regelungen geschützt. Für die andere Hälfte ist das Gesetz der einzige Schutzschild.

Politisches Tauziehen in der Koalition

Innerhalb der Ampelkoalition sind die Positionen gespalten. Während die CSU auf Tempo drängt, zeigen sich Teile der SPD deutlich zurückhaltender. Bernd Rützel (SPD), Vorsitzender des Bundestagsausschusses für Arbeit, betonte kürzlich den Charakter des Gesetzes als Gesundheitsschutz. Niemand dürfe zu längeren Arbeitszeiten gezwungen werden.

Für zusätzliche Brisanz sorgten Äußerungen von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). Er hatte das Arbeitszeitgesetz als Beispiel für eine verzichtbare Regelung genannt – ein Statement, das bei den Gewerkschaften Alarmglocken schrillen ließ.

Paradox: Mehr Flexibilität, aber keine Zeiterfassung?

Ein weiterer Kritikpunkt ist die parallel schleppende Umsetzung der verpflichtenden Arbeitszeiterfassung. Seit Urteilen des Europäischen Gerichtshofs sind Arbeitgeber zwar zur systematischen Erfassung verpflichtet, ein deutsches Gesetz dazu fehlt aber weiter.

Kritiker sehen hier einen Widerspruch: Wie sollen potenziell mehr Überstunden durch Flexibilisierung lückenlos dokumentiert werden, wenn der rechtliche Rahmen für die Erfassung selbst noch nicht steht?

Zwischen Fachkräftemangel und Gesundheit

Die hitzige Debatte findet vor einem doppelten Hintergrund statt: dem akuten Fachkräftemangel und dem Druck, den Wirtschaftsstandort Deutschland zu stärken. Arbeitgeberverbände argumentieren, starre Regeln passten nicht mehr in eine digitale, globale Arbeitswelt. Agiles Arbeiten erfordere flexible Lösungen.

Die Gewerkschaften kontern: Der Preis für diese Flexibilität dürfe nicht die Gesundheit der Beschäftigten sein. Sie verweisen auf bereits hohe Belastungen und die Gefahr einer Zunahme stressbedingter Erkrankungen. Es geht um einen fundamentalen Zielkonflikt zwischen ökonomischer Effizienz und sozialem Schutz.

Was kommt jetzt?

Der Ball liegt nun bei der Bundesregierung. Sie muss einen konkreten Gesetzesentwurf vorlegen. Die im Koalitionsvertrag angekündigten Gespräche mit Sozialpartnern dürften nun Fahrt aufnehmen.

Der entschlossene Widerstand des DGB macht jedoch klar: Eine Einigung wird schwer. Die Gretchenfragen lauten: Welche Schutzmechanismen wird eine neue Regelung enthalten, um exzessive Arbeitstage zu verhindern? Und wie kann die Einhaltung der Ruhezeiten wirksam kontrolliert werden?

Die kommenden Monate werden zeigen, ob ein Kompromiss möglich ist – oder ob dieser Konflikt die Koalition weiter unter Druck setzt.

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