DGB stellt Betriebsratswahlen als Demokratietest auf
20.01.2026 - 13:31:12Die deutschen Gewerkschaften rüsten sich für einen politischen Frühling. Anlässlich der anstehenden Betriebsratswahlen 2026 hat der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) die Mitbestimmung am Arbeitsplatz zur zentralen Frage der demokratischen Resilienz erklärt. Auf seiner Jahrespressekonferenz am 20. Januar 2026 in Berlin stellte DGB-Vorsitzende Yasmin Fahimi die strategischen Schwerpunkte des Dachverbands vor und positionierte die Gewerkschaften als Bollwerk gegen politische Polarisierung.
Kampfansage an Rechtsextreme in den Betrieben
Ein zentrales Thema ist die Abwehr rechtsextremer Einflüsse in den Betriebsräten. Die regulären Wahlen beginnen in gut einem Monat, am 1. März. Fahimi warnte davor, die Gefahr zu überdramatisieren, zeigte sich aber wachsam. Die Zahl gewählter Vertreter von rechtsextremen Listen sei unter den rund 180.000 Betriebsratsmitgliedern marginal. „Rechtspopulistische Parolen stehen für einen Mangel an Solidarität und haben in der betrieblichen Interessenvertretung nichts verloren“, so Fahimi.
Die Gewerkschaftsstrategie setzt auf Kontrast: Sie will die praktische, lösungsorientierte Arbeit der Betriebsräte gegen die spaltende Rhetorik politischer Extremisten stellen. Sichere Jobs und faire Arbeitsbedingungen seien die beste Medizin gegen politische Radikalisierung. Die Betriebsratswahlen werden so zum Stresstest für die Demokratie direkt am Arbeitsplatz.
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Eigene Rentenkommission als Gegenpol zur Politik
In einem bedeutenden politischen Schritt kündigte der DGB die Gründung einer eigenen, unabhängigen Rentenkommission an. Das Gremium aus dreizehn hochrangigen Vertretern aus Gewerkschaften, Wissenschaft und Zivilgesellschaft soll bis Sommer 2026 ein umfassendes Zukunftskonzept für die Alterssicherung erarbeiten.
Mit dieser Initiative schafft der DGB einen bewussten Gegenpol zu den Expertengruppen der Bundesregierung. Diese würden, so die Kritik, zu stark auf finanzpolitische Austerität und mögliche Leistungskürzungen fokussieren. Fahimi kritisierte die „permanente Krisen- und Opfernarrative“ in der Rentendebatte. Die Gewerkschaften lehnen eine Anhebung des Rentenalters oder Absenkungen des Rentenniveaus ab und fordern ein System, das ein gutes Leben im Alter garantiert.
Scharfe Kritik an Wirtschaftspolitik der Ampel
Die Pressekonferenz nutzte der DGB auch für eine Generalabrechnung mit der Wirtschaftspolitik der Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz. Fahimi kritisierte scharf den Kurs aus Deregulierung und Kostensenkung auf Kosten der Beschäftigten.
Debatten über Kürzungen beim Krankengeld, Verlängerungen der Arbeitszeit oder ein höheres Rentenalter verbesserten die Auftragslage der deutschen Industrie nicht, so Fahimi. Sie verunsicherten lediglich die Belegschaften und schwächten den sozialen Zusammenhalt. Der Weg aus der wirtschaftlichen Stagnation führe stattdessen über ein massives öffentliches Investitionsprogramm.
Der DGB fordert ein „Paket für gute Löhne, gute Arbeit und ein gutes Leben“. Private Investitionen bräuchten Planungssicherheit und eine verlässliche öffentliche Infrastruktur, nicht den Abbau sozialer Schutzrechte.
Gewerkschaften mobilisieren für politischen Richtungskampf
Der harte Kurs des DGB spiegelt die angespannte Lage in den deutschen Arbeitsbeziehungen wider. Vor dem Hintergrund hoher Energiekosten und globalem Wettbewerbsdruck signalisieren die Gewerkschaften, dass sie die Lasten des wirtschaftlichen Strukturwandels nicht allein den Arbeitnehmern aufbürden lassen werden.
Indem der DGB die Betriebsratswahlen mit den großen Fragen der demokratischen Resilienz und sozialen Sicherung verknüpft, mobilisiert er seine Basis nicht nur für die betriebliche Vertretung, sondern für einen breiteren politischen Richtungskampf um das deutsche Sozialmodell. Die kommenden Monate werden zeigen, ob diese Botschaft bei einer Belegschaft ankommt, die mit den Realitäten des industriellen Wandels ringt.
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