Deutschland startet Digital-Identität: 75 Konzerne machen mit
29.11.2025 - 23:40:12Bundesregierung und über 75 Großunternehmen treiben digitale Brieftasche voran. Mit 4,5 Milliarden Euro Budget und klarem Zeitplan soll die European Digital Identity Wallet bis 2027 vollständig verfügbar sein.
Deutschland nimmt Anlauf zur digitalen Souveränität: Mit einem Pakt zwischen Bundesregierung und über 75 Großunternehmen soll die European Digital Identity Wallet (EUDI) bis 2027 zum Standard werden. SAP, Deutsche Bank, Lufthansa und Vodafone sind dabei – doch die Zeit drängt.
Historischer Schulterschluss in Berlin
Am 20. November unterzeichneten das Bundesministerium für Digitalisierung und Staatsverwaltung (BMDS) und der Digitalverband Bitkom ein Memorandum of Understanding. Das Ziel: Die digitale Brieftasche soll Personalausweis, Führerschein und weitere Dokumente sicher aufs Smartphone bringen.
Die Allianz liest sich wie das Who’s Who der deutschen Wirtschaft. Von der Deutschen Bahn über Vodafone bis zu SAP – sie alle wollen sicherstellen, dass die EUDI Wallet von Tag eins an funktioniert. „Der Personalausweis soll sicher auf dem Smartphone gespeichert werden können”, erklärte Bitkom bei der Unterzeichnung während des Europäischen Gipfels zur Digitalen Souveränität.
Der Fahrplan steht: Noch Ende 2025 startet eine „Sandbox”-Testphase mit digitalen Ausweisdaten. Die vollständige Einführung ist für 2027 geplant. Bleibt die Frage: Kann Deutschland diesmal liefern?
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4,5 Milliarden Euro für die digitale Infrastruktur
Ohne Geld keine Digitalisierung – das hat die Bundesregierung verstanden. Am 14. November verkündete das BMDS den Kernhaushalt 2026: rund 1,36 Milliarden Euro. Zusammen mit dem Sondervermögen für digitale Infrastruktur stehen knapp 4,47 Milliarden Euro bereit.
„Der Haushalt 2026 hat wieder Rekordinvestitionen”, betonte Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) in den Haushaltsdebatten im Bundestag. Entscheidend sei nun, dass das Geld schnell fließe und Bürokratie abgebaut werde. Die Mittel sind für das Onlinezugangsgesetz 2.0 (OZG 2.0) und das technische Rückgrat der EUDI Wallet vorgesehen.
Das klingt nach viel Geld – doch reicht es für den „kritischen Update” der deutschen Verwaltungsinfrastruktur? Die nächsten Monate werden zeigen, ob aus den Milliardenversprechen tatsächlich funktionierende Systeme entstehen.
BundID als Sprungbrett
Während die EUDI Wallet noch in den Startlöchern steht, läuft das bestehende BundID-System auf Hochtouren. Laut dem Digital-Dashboard der Verwaltung (Stand: 18. November) gibt es aktuell rund 5,42 Millionen aktive Konten.
Die Nutzung hat sich verdoppelt: Von etwa einer Million auf über zwei Millionen monatliche Logins. Das Wachstum kommt trotz einer technischen Bereinigung Anfang des Jahres, bei der inaktive Konten – viele waren nur für die Energiepreispauschale 2023 angelegt worden – datenschutzkonform gelöscht wurden.
Diese Nutzer sollen künftig zur „DeutschlandID” migrieren, die direkt mit der EUDI Wallet verzahnt ist. Damit will die Regierung das Flickwerk verschiedener Landes-Accounts endlich vereinheitlichen. Ein längst überfälliger Schritt.
Wirtschaft zeigt sich optimistisch – mit Vorbehalten
Die Industrie steht bereit. Eine Bitkom-Umfrage vom November 2025 ergab: 82 Prozent der deutschen Unternehmen mit mindestens 20 Mitarbeitern planen, die EUDI Wallet in ihre Dienste zu integrieren.
Doch der Zeitplan ist sportlich. Die Sandbox-Phase Ende 2025 muss schnell Fahrt aufnehmen. Digitale Führerscheine und Bildungsnachweise – sogenannte „Electronic Attestations of Attributes” (EAAs) – sollen bereits im ersten Quartal 2026 folgen.
Für Bürgerinnen und Bürger könnte 2026 das Jahr werden, in dem „Formulare ausfüllen” zu „Daten bestätigen” wird. Mit gesichertem Budget und starken Partnern versucht Deutschland, seine Digitalisierungsstrategie endlich aus der Theorie in die Praxis zu überführen.
Was kommt wann?
Ende 2025: Start der EUDI-Wallet-Sandbox mit digitalen Ausweisdaten
Erstes Quartal 2026: Erweiterung um Führerscheine und weitere Dokumente
2027: Vollständige Verfügbarkeit der digitalen Brieftasche
Die Sandbox-Phase startet in wenigen Wochen. Ob Deutschland diesmal den digitalen Durchbruch schafft? Die nächsten zwei Jahre werden es zeigen.
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