Deutschland, Strafen

Deutschland erhöht Strafen für EU-Sanktionsverstöße drastisch

18.01.2026 - 08:00:12

Deutschland verschärft den Kampf gegen Sanktionsumgehungen massiv. Das neue Gesetz vervierfacht die Höchstbußgelder für Unternehmen auf 40 Millionen Euro. Zugleich werden viele Verstöße nun strafrechtlich verfolgt.

Der Bundestag hat eine deutliche Verschärfung des Sanktionsrechts beschlossen. Die maximale Geldstrafe für Unternehmen, die EU-Embargos umgehen, steigt von 10 auf 40 Millionen Euro. Ein noch gravierenderer Wandel betrifft die rechtliche Einordnung: Zahlreiche Tatbestände, die bislang als Ordnungswidrigkeiten galten, werden künftig als Straftaten verfolgt. Damit drohen Geschäftsführern und Vorständen nicht nur hohe Geldstrafen, sondern auch persönliche Konsequenzen bis hin zu Haftstrafen.

Hintergrund ist die Umsetzung einer EU-Richtlinie, die eine einheitlichere und abschreckendere Bestrafung in allen Mitgliedstaaten erreichen will. Deutschland, dessen Umsetzung sich verzögert hatte, bringt sich nun auf Linie mit den europäischen Vorgaben. Die Maßnahme zielt explizit auf die Umgehung von Handelsbeschränkungen gegen Länder wie Russland und den Iran.

Reaktion auf systematische Umgehungswege

Die Verschärfung ist eine direkte Antwort auf erkannte Schwachstellen. Analysen zeigen, dass insbesondere Dual-Use-Güter und Hochtechnologie über Drittstaaten in sanktionierte Länder gelangen. Dieser „Grauimport“ unterläuft die europäischen Exportverbote und stellt die Wirksamkeit der gesamten Sanktionspolitik infrage.

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Die EU verlagert daher den Fokus: Nach Jahren, in denen neue Sanktionspakete im Mittelpunkt standen, rückt nun die lückenlose Durchsetzung in den Vordergrund. Die deutschen Maßnahmen sind ein zentraler Baustein dieser Strategie. In der kommenden Woche wird das Europäische Parlament zudem über die geopolitische Souveränität der EU debattieren – ein Thema, das eng mit der Sanktionsfähigkeit verknüpft ist.

Juristische Gegenwehr und grundlegende Kritik

Während die Exekutive verschärft, formiert sich juristischer Widerstand. Jüngst reichte die Betreibergesellschaft der Gaspipeline Nord Stream 2 Klage gegen den Rat der EU ein. Das Unternehmen wehrt sich gegen Sanktionsverschärfungen vom Juli 2025, die eine Wiederinbetriebnahme blockieren.

Parallel gibt es eine grundsätzliche Debatte über die Rechtmäßigkeit von Sanktionen. Verfassungsrechtler fragen: Handelt es sich bei der Listung von Personen durch den EU-Rat – oft ohne Anhörung – um legitime Gefahrenabwehr oder politische Repression? Diese Diskussion berührt das Fundament des EU-Sanktionsregimes.

Strategischer Schwenk: Von der Verhängung zur Durchsetzung

Die deutschen Beschlüsse markieren einen strategischen Schwenk. Es geht nicht mehr nur darum, Regeln zu erlassen, sondern sie auch durchzusetzen. Die Harmonisierung der Strafen in der EU soll „Forum Shopping“ verhindern – also die gezielte Nutzung von Mitgliedstaaten mit laschen Strafen für illegale Geschäfte.

Indem Deutschland als wirtschaftliches Schwergewicht mit drastisch erhöhten Strafen vorangeht, sendet die EU ein klares Signal an die Wirtschaft: Sanktionsumgehung ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat mit existenziellen Risiken. Für Export- und Importunternehmen steigt der Druck, ihre Compliance-Systeme zu überprüfen, um nicht Teil von Umgehungsketten zu werden.

Ausblick auf weitere Verschärfungen

Es ist zu erwarten, dass weitere EU-Staaten ihre Gesetze nachschärfen werden. Die Debatte der kommenden Monate wird sich auf die Bekämpfung konkreter Umgehungsmechanismen konzentrieren. Denkbar sind neue Instrumente zur Überwachung von Handelsströmen und eine intensivierte Zusammenarbeit der Zollbehörden.

Die Botschaft an die Wirtschaft ist eindeutig: Die Eigenverantwortung, Sanktionen einzuhalten, wird zum kritischen Erfolgsfaktor. Die EU ist entschlossen, die Kosten für Verstöße so hoch zu setzen, dass der wirtschaftliche Anreiz für illegale Geschäfte schwindet.

@ boerse-global.de