Deutsche Rüstungsexporte 2025: Hohes Niveau, Ukraine bleibt Fokus
09.02.2026 - 23:24:11Die deutschen Rüstungsexporte bleiben mit 12 Milliarden Euro auf hohem Niveau, zeigen aber erstmals seit Kriegsbeginn einen leichten Rückgang. Die Unterstützung der Ukraine prägt weiterhin die Bilanz, während Kritiker eine strategische Aufweichung der Exportrichtlinien befürchten.
Die heute vom Bundeswirtschaftsministerium veröffentlichten vorläufigen Zahlen für 2025 markieren eine Phase der Konsolidierung. Nach den Rekordwerten von 12,2 Milliarden Euro (2023) und 13,33 Milliarden Euro (2024) sank der Gesamtwert der Genehmigungen auf rund 12 Milliarden Euro. Dennoch: Die Nachfrage nach deutscher Militärtechnologie in einem von geopolitischen Spannungen geprägten Umfeld ist ungebrochen hoch.
Ukraine bleibt wichtigster Empfänger – aber mit Einschränkung
Im Zentrum der Exportpolitik stand erneut die Ukraine. Das Land erhielt Genehmigungen im Wert von über zwei Milliarden Euro und war damit das wichtigste Einzelempfängerland. Doch dieser Wert fällt deutlich niedriger aus als die 8,15 Milliarden Euro des Vorjahres.
Das Ministerium begründet den Rückgang mit einem veränderten Abwicklungsmodus. Ein Teil der laufenden Unterstützung greife auf bereits früher erteilte Genehmigungen zurück. Zudem fließen Mittel verstärkt in langfristige Projekte, deren volle Finanzierung erst in künftigen Bilanzen sichtbar wird. Fast die Hälfte aller Exportgenehmigungen für Länder außerhalb von EU und NATO entfiel allein auf die Ukraine.
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Europa rüstet auf: 90 Prozent für Bündnispartner
Die deutsche Exportpolitik zeigt eine klare Schwerpunktsetzung. Rund 90 Prozent der Genehmigungen, ein Volumen von etwa 10,7 Milliarden Euro, gingen an EU- und NATO-Partner sowie gleichgestellte Staaten wie die Schweiz oder Japan.
An der Spitze der Empfängerliste stehen europäische Verbündete: Norwegen (1,4 Mrd. Euro), Schweden (1 Mrd. Euro) und die Türkei (742 Mio. Euro). Weitere Top-Empfänger sind Großbritannien, die USA und Dänemark. Diese Verteilung unterstreicht das außenpolitische Ziel, die Verteidigungsfähigkeit der eigenen Bündnisse nachhaltig zu stärken.
Kritik an Exporten in Drittländer wird lauter
Exporte an sogenannte Drittländer machten etwa zehn Prozent des Gesamtvolumens aus (1,2 Mrd. Euro). Wichtige Empfänger waren hier Südkorea und Singapur. Doch genau diese Lieferungen bleiben höchst umstritten.
Menschenrechtsorganisationen wie die Gemeinsame Konferenz Kirche und Entwicklung (GKKE) kritisieren eine zunehmende strategische und wirtschaftliche Ausrichtung der Exportpolitik – auf Kosten von Menschenrechten und Friedensaspekten. Das Bündnis „Aktion Aufschrei“ warnt vor einer schleichenden Aufweichung der Richtlinien, insbesondere gegenüber Staaten in der Golfregion, und den Risiken von Weiterverbreitung in Konfliktgebieten.
Analyse: Normalisierung statt Trendwende
Der leichte Rückgang der Exporte deutet nicht auf eine grundlegende Kehrtwende hin. Vielmehr scheint sich das Niveau nach den außergewöhnlichen Sprüngen der unmittelbaren Nachkriegsjahre zu normalisieren. Die Politik der partnerschaftlichen „Ertüchtigung“ wird fortgesetzt, jedoch mit klarem Fokus auf das Bündnisgebiet.
Interessant ist die Aufteilung der Genehmigungen: 5,6 Milliarden Euro entfielen auf Kriegswaffen, 6,4 Milliarden Euro auf sonstige Rüstungsgüter wie Kommunikations- oder Schutztechnologie. Dies zeigt die Bandbreite der militärischen Zusammenarbeit, die weit über reine Waffenlieferungen hinausgeht.
Ausblick: Debatte um Exportkontrollgesetz steht an
Die Exporte werden voraussichtlich auf strategisch hohem Niveau verbleiben. Die langfristige Unterstützung der Ukraine und der Modernisierungsbedarf der NATO treiben die Nachfrage weiter an. Die große Herausforderung für die Bundesregierung bleibt der Spagat zwischen sicherheitspolitischer Notwendigkeit und restriktiven Grundsätzen.
An Bedeutung gewinnen wird die anstehende Debatte um das geplante Rüstungsexportkontrollgesetz. Kritiker fordern verbindlichere und transparentere Regeln, vor allem für Lieferungen an Drittstaaten. Die finale, detaillierte Bilanz für 2025, die später im Jahr erwartet wird, dürfte dieser Debatte neuen Zündstoff liefern.
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