Lufthansa, Sparprogramm

Deutsche Lufthansa AG: Zwischen Sparprogramm, Nachfrageschub und Kursdruck – lohnt sich der Einstieg jetzt?

13.01.2026 - 05:02:29

Die Lufthansa-Aktie ringt nach einem turbulenten Jahr um eine klare Richtung. Steigende Nachfrage trifft auf Kostendruck, Tarifkonflikte und hohe Investitionen. Wo steht das Papier jetzt – und wohin kann es gehen?

Die Deutschen fliegen wieder, die Flugzeuge sind gut ausgelastet – doch an der Börse bleibt die Aktie der Deutschen Lufthansa AG ein Zitterkandidat. Während Passagierzahlen und Umsätze sich erholen, kämpft der Kurs mit Gegenwind durch hohe Kosten, Tarifabschlüsse, Investitionsdruck und konjunkturelle Sorgen. Für Anleger stellt sich damit die Frage, ob die aktuelle Schwächephase eine Einstiegschance oder ein Warnsignal ist.

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Ein-Jahres-Rückblick: Das Investment-Szenario

Wer vor rund einem Jahr in die Lufthansa-Aktie eingestiegen ist, braucht derzeit starke Nerven. Ausgehend vom damaligen Schlusskurs zeigt sich über zwölf Monate ein spürbares Minus. Bereinigt um kurzfristige Schwankungen ergibt sich im Jahresvergleich ein deutlicher Kursrückgang im zweistelligen Prozentbereich. Die Aktie hat sich damit deutlich schwächer entwickelt als breite Marktindizes wie der DAX oder der MDAX, in denen konjunktursensible Branchen weniger stark gebündelt sind.

Der Kursverlauf der letzten zwölf Monate gleicht einer Berg- und Talfahrt: Auf Phasen der Hoffnung – etwa bei starken Buchungsdaten oder optimistischen Verkehrszahlen – folgten immer wieder Rückschläge, wenn Meldungen zu steigenden Kerosinkosten, Tarifkonflikten oder konjunkturellen Warnsignalen die Stimmung eintrübten. Im Ergebnis steht für Langfristinvestoren, die seit einem Jahr dabei sind, derzeit eher Ernüchterung als Jubel. Wer zu höheren Kursen eingestiegen ist, sieht nun Buchverluste, die je nach Einstiegszeitpunkt deutlich ausfallen können.

Anders stellt sich das Bild für kurzfristig orientierte Trader dar: Auf Sicht von fünf Handelstagen zeigt die Aktie nur moderate Ausschläge, die Schwankungen bleiben überschaubar. Über einen Zeitraum von rund drei Monaten dominiert jedoch eine tendenziell abwärtsgerichtete Bewegung – ein Muster, das eher zu einem skeptischen Sentiment passt. Die Notierung bewegt sich damit im unteren Bereich der Handelsspanne der vergangenen zwölf Monate, in der sich ein klar erkennbares 52-Wochen-Hoch und -Tief herausgebildet haben. Aus technischer Sicht ist die Aktie damit eher ein Turnaround-Kandidat als ein Wert in stabiler Aufwärtsbewegung.

Frühere Kursniveaus aus der Zeit vor der Pandemie sind weiterhin außer Reichweite. Zwar hat sich das operative Geschäft in vielen Segmenten deutlich erholt, doch die Börse bepreist unverändert die strukturellen Risiken einer zyklischen Branche: hohe Fixkosten, große Flotteninvestitionen, geopolitische Unsicherheiten und die Anfälligkeit für konjunkturelle Dellen. Wer heute neu einsteigt, tut dies also in einem Umfeld, in dem die Erwartungen bewusst gedämpft sind – mit entsprechendem Chancen-Risiko-Profil.

Aktuelle Impulse und Nachrichten

In den vergangenen Tagen standen vor allem zwei Themen im Fokus: die Entwicklung der Ticketnachfrage und der anhaltende Kostendruck. Mehrere Berichte internationaler Nachrichtenagenturen und Finanzportale verweisen darauf, dass die Nachfrage nach Flugreisen in Europa insgesamt robust geblieben ist. Geschäftsreisen erholen sich langsam, während der Urlaubsverkehr teilweise sogar über Vorkrisenniveau liegt. Die Lufthansa-Gruppe profitiert dabei von ihrem dichten Streckennetz, der starken Position in den Drehkreuzen Frankfurt und München sowie der zunehmenden Normalisierung im Langstreckenverkehr, insbesondere in Richtung Nordamerika.

Gleichzeitig aber dämpfen hohe Kosten die Euphorie. Tarifabschlüsse im Cockpit- und Kabinenbereich, Personalknappheit, steigende Gebühren an Flughäfen und für Flugsicherung sowie die weiter schwankenden Kerosinpreise drücken auf die Margen. Immer wieder kommt es zudem zu Meldungen über Streikdrohungen oder Arbeitsniederlegungen bei einzelnen Konzerngesellschaften, die Investoren an die Labilität des operativen Betriebs erinnern. Solche Schlagzeilen haben wiederholt kurzfristige Kursrückgänge ausgelöst, weil sie sowohl Zusatzkosten als auch potenzielle Umsatzausfälle signalisieren.

Hinzu kommen geopolitische Spannungen, die Umleitungen von Flugrouten und damit höhere Flugzeiten und Kosten nötig machen. Luftverkehrskorridore über Krisenregionen stehen regelmäßig auf dem Prüfstand; daraus resultierende operative Anpassungen schlagen letztlich in der Gewinn- und Verlustrechnung nieder. An der Börse werden diese Risiken eingepreist, was sich in einer zurückhaltenden Bewertung niederschlägt.

Auf Unternehmensseite stehen neben der operativen Stabilisierung strategische Weichenstellungen im Vordergrund. Die Gruppe treibt die Flottenerneuerung mit moderneren, treibstoffeffizienteren Flugzeugen voran, was mittelfristig zu niedrigeren Betriebskosten und geringeren CO2-Emissionen führen soll. Parallel dazu wird weiter an einem umfangreichen Effizienzprogramm gearbeitet, das Strukturen verschlanken und Prozesse digitalisieren soll – von der Wartung über die Planung der Umläufe bis hin zur Kundenkommunikation. Diese Maßnahmen sind kapitalintensiv, sollen aber die Wettbewerbsfähigkeit langfristig verbessern.

Im Kapitalmarktumfeld ist zudem die Frage präsent, wie sich der Staatseinfluss nach der in der Pandemie erfolgten Rettung endgültig normalisiert. Die weitgehende Rückführung staatlicher Beteiligungen hatte an der Börse zeitweise für Erleichterung gesorgt, da sie den Handlungsspielraum des Managements und die Attraktivität der Aktie für institutionelle Investoren erhöht. Wie schnell und in welchem Umfang die Bilanz weiter gestärkt und Verschuldung abgebaut werden kann, bleibt ein Schlüsselthema für die Bewertung.

Das Urteil der Analysten & Kursziele

Die jüngsten Analystenkommentare zeichnen ein gemischtes Bild. In den vergangenen Wochen haben mehrere große Häuser ihre Einschätzungen zur Lufthansa-Aktie aktualisiert. Die Spanne der Empfehlungen reicht dabei im Wesentlichen von "Halten" bis "Kaufen", während klare Verkaufsempfehlungen eher die Ausnahme bleiben. Dies deutet auf ein neutrales bis leicht positives Sentiment hin – allerdings mit deutlichen Vorbehalten.

Institute wie Deutsche Bank, JPMorgan, Goldman Sachs, UBS und andere große Investmentbanken analysieren regelmäßig die Ertragskraft der Lufthansa, ihre Wettbewerbsposition sowie das makroökonomische Umfeld. In ihren jüngsten Studien wird einerseits betont, dass sich die Nachfrage nach Flugreisen stabil entwickelt und die Auslastung der Flüge zufriedenstellend ist. Andererseits verweisen die Analysten auf Risiken durch hohe Personalkosten, volatile Kerosinpreise und die konjunkturelle Unsicherheit in Europa.

In der Summe liegt der Konsens der Kursziele der maßgeblichen Analysehäuser spürbar oberhalb des aktuellen Börsenkurses. Viele Analysten sehen damit grundsätzlich Aufwärtspotenzial, sofern es der Lufthansa gelingt, ihre Profitabilität trotz des Kostendrucks zu stabilisieren und die Effizienzprogramme konsequent umzusetzen. Einige Häuser betonen, dass die Bewertung im historischen Vergleich eher günstig wirkt, insbesondere gemessen an Umsatz- und Buchwertkennziffern. Dies spricht für eine gewisse Unterbewertung, die jedoch nur dann gehoben werden kann, wenn das Management seine Ziele bei Marge und Cashflow sichtbar erreicht.

Gleichzeitig mahnen skeptischere Stimmen zur Vorsicht: Sie sehen die Branche am Beginn einer möglichen Abkühlungsphase nach dem pandemiebedingten Nachholboom. Sollte die Konjunktur deutlicher an Schwung verlieren oder der Druck auf Privathaushalte durch Inflation und Zinsen weiter steigen, könnte auch die Reiselust nachlassen. In einem solchen Szenario wären die Gewinnerwartungen der Branche insgesamt zu optimistisch, was Kurskorrekturen nach sich ziehen könnte. Entsprechend bleiben einige Institute bei einer neutralen Haltung und warnen vor überzogenen Hoffnungen auf eine schnelle Rückkehr zu Vorkrisenprofitabilität.

Für Anleger entscheidend ist dabei die Differenz zwischen aktuellem Kurs und durchschnittlichem Kursziel: Sie signalisiert ein rechnerisches Potenzial, das jedoch an zahlreiche Bedingungen geknüpft ist. Wer der Mehrheitsmeinung der Analysten folgt, könnte die Aktie als moderat chancenreichen Titel mit erhöhtem Risiko einstufen – kein Selbstläufer, aber auch kein klarer Problemfall.

Ausblick und Strategie

Der Blick nach vorn ist von gegensätzlichen Kräften geprägt. Auf der Habenseite steht eine weiterhin solide Nachfragebasis: Der Trend zu Erlebnissen und Reisen nach den Einschränkungen der Pandemie wirkt nach, internationale Verbindungen gewinnen wieder an Bedeutung, und auch die internationale Arbeitsteilung stützt den Geschäftsreiseverkehr, wenn auch auf verändertem Niveau. Die Lufthansa-Gruppe ist mit ihrem Verbund an Marken und Airlines in Europa, im transatlantischen Verkehr und in ausgewählten Langstreckenmärkten gut positioniert, von dieser Entwicklung zu profitieren.

Die Kehrseite: Der Wettbewerb bleibt hart. Billigfluggesellschaften drängen weiter in margenstarke Märkte, während große Netzwerkcarrier um Premiumkunden ringen und ihre Allianzen stärken. Gleichzeitig steigt der Druck, in Nachhaltigkeit zu investieren. Der Ausbau nachhaltiger Treibstoffe (SAF), die Erneuerung der Flotte mit effizienteren Mustern und mögliche regulatorische Vorgaben zur CO2-Reduktion verursachen langfristig hohe Kosten. Wie gut es der Lufthansa gelingt, diese Investitionen zu stemmen und gleichzeitig aus höheren Ticketpreisen einen ausreichenden Deckungsbeitrag zu generieren, ist eine der zentralen Fragen für die kommenden Jahre.

Operativ kommt es in den nächsten Quartalen darauf an, die Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit des Flugbetriebs weiter zu stabilisieren. Nach den Turbulenzen der vergangenen Jahre mit Personalknappheit, Streiks und Kapazitätsengpässen ist das Vertrauen der Kunden ein sensibler Faktor. Eine verlässliche Performance ist nicht nur ein Reputations- und Service-Thema, sondern auch ein betriebswirtschaftliches: Unregelmäßigkeiten verursachen hohe Zusatzkosten, etwa für Ersatzcrews, Umbuchungen oder Ausgleichszahlungen.

Für die Aktie selbst lassen sich mehrere strategische Szenarien skizzieren. Im positiven Fall gelingt es der Lufthansa, die Effizienzprogramme zügig umzusetzen, die Produktivität zu erhöhen und gleichzeitig aus der robusten Nachfrage zusätzliche Erlöse zu generieren. In einem solchen Szenario könnte die operative Marge steigen, der Schuldenabbau schneller vorankommen und die Börse die Aktie mit einem höheren Bewertungsmultiplikator versehen. Die Kursziele der optimistischeren Analysten würden dann in Reichweite rücken, und das Papier könnte sich deutlicher von seinen aktuellen Tiefständen absetzen.

Im weniger günstigen Szenario schlagen anhaltender Kostendruck, neue Tarifkonflikte oder eine merkliche Konjunkturabkühlung stärker zu Buche. Bleibt das Gewinnwachstum hinter den Erwartungen zurück oder müssen Prognosen zurückgenommen werden, könnte der Markt die Aktie weiter diskontieren. Gerade in zyklischen Branchen wie der Luftfahrt können sich Stimmungsumschwünge dann schnell verstärken, weil Investoren Risiken nicht Stück für Stück, sondern oft sprunghaft einpreisen.

Anleger sollten daher ihre eigene Risikoaffinität und Anlagestrategie genau prüfen. Für risikobewusste Investoren, die an eine fortschreitende Normalisierung des Luftverkehrs und an die Umsetzung der Konzernstrategie glauben, kann die derzeit gedrückte Bewertung eine Gelegenheit darstellen, schrittweise Positionen aufzubauen. Wichtig ist dabei eine ausreichende Streuung im Portfolio, um branchenspezifische Risiken abzufedern.

Konservativere Investoren werden dagegen womöglich abwarten, bis sich in den Quartalszahlen und im operativen Tagesgeschäft eine klarere Trendwende abzeichnet. Sie dürften ein besonderes Augenmerk auf Kennzahlen wie den freien Cashflow, das Verhältnis von Nettoverschuldung zu EBITDA und die Entwicklung der Stückkosten legen. Erst wenn diese Indikatoren verlässlich in die richtige Richtung zeigen, könnte sich das Chance-Risiko-Verhältnis aus ihrer Sicht deutlich verbessern.

Unabhängig vom kurzfristigen Kursverlauf bleibt die Lufthansa-Aktie ein Gradmesser für die Stimmung in der europäischen Luftfahrtbranche insgesamt. Sie bündelt in ihrer Bewertung sowohl Hoffnungen auf eine anhaltende Reiselust als auch Sorgen vor Kosteninflation und konjunkturellen Stolpersteinen. Wer einsteigt, investiert nicht nur in ein einzelnes Unternehmen, sondern zugleich in ein vielschichtiges Konjunktur- und Strukturthema – mit entsprechend hoher Komplexität, aber auch mit der Chance, von einer schrittweisen Rückkehr zu nachhaltig profitablen Höhenflügen zu profitieren.

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