Deutsche Insolvenzwelle: Leichter Rückgang täuscht über anhaltende Krise hinweg
10.02.2026 - 14:53:12Die Zahl der Unternehmenspleiten in Deutschland bleibt trotz eines leichten Januar-Rückgangs auf historisch hohem Niveau. Experten warnen vor voreiliger Entwarnung.
Halle (Saale)/Berlin – Ein kurzes Aufatmen, gefolgt von der ernüchternden Realität: Die deutsche Wirtschaft steckt weiter tief in der Insolvenzkrise. Neue Daten des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) zeigen für Januar 2026 zwar einen Rückgang der Fallzahlen. Doch der scheinbare Erfolg trügt – die Pleitewelle rollt unvermindert weiter.
Keine Trendwende in Sicht
Im ersten Monat des Jahres meldeten 1.391 Personengesellschaften und Kapitalgesellschaften Insolvenz an. Das sind acht Prozent weniger als im Dezember 2025. Verglichen mit dem Vorjahresmonat steigen die Zahlen jedoch um vier Prozent. Das alarmierende Detail: Gegenüber dem Durchschnitt der Januar-Monate 2016 bis 2019, also vor der Pandemie, liegt die aktuelle Zahl um 54 Prozent höher.
„Von einer Entwarnung kann keine Rede sein“, stellt Steffen Müller, Leiter der IWH-Insolvenzforschung, klar. Die Entwicklung deute eher auf eine Stabilisierung auf hohem Niveau hin. Der leichte monatliche Rückgang falle in den Bereich normaler Schwankungen. Ein Beginn der nachhaltigen Erholung sei nicht erkennbar.
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Das IWH-Institut gilt mit seinem Insolvenz-Trend als wichtiger Frühindikator. Die Auswertung von Registergerichten liegt etwa zwei Monate vor den offiziellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Diese Aktualität ermöglicht eine schnelle Einschätzung der Unternehmensgesundheit.
Weniger Pleiten, mehr betroffene Jobs
Die wahre Dramatik offenbart sich hinter den nackten Fallzahlen: Während weniger Firmen pleitegingen, stieg die Zahl der betroffenen Arbeitsplätze deutlich an. Das zeigt den Kollaps mehrerer größerer Arbeitgeber.
Allein in den zehn Prozent der größten Insolvenzfälle des Monats waren fast 17.000 Jobs betroffen. Das bedeutet einen Anstieg um zehn Prozent gegenüber Dezember und sogar 18 Prozent im Jahresvergleich. Gegenüber der Vor-Pandemie-Zeit schnellen die Zahlen um 164 Prozent in die Höhe.
Was bedeutet diese Diskrepanz? Zwar gehen weniger kleine Betriebe unter. Dafür treffen die Insolvenzen nun vermehrt mittelständische Unternehmen mit großer Belegschaft. Der Verlust solcher Arbeitgeber hat oft dauerhafte Einkommensverluste für Beschäftigte zur Folge – mit spürbaren Auswirkungen auf ganze Regionen.
Dienstleister und Zeitarbeit im Fokus
Welche Branchen leiden besonders? Die IWH-Daten zeigen klare Schwerpunkte. Unternehmensnahe Dienstleistungen verzeichneten im Januar über 5.000 von Insolvenzen betroffene Arbeitsplätze. Dieser Wert liegt doppelt so hoch wie der Zwölfmonatsdurchschnitt der Branche.
Konkret trieben vor allem Pleiten großer Personaldienstleister die Zahlen in die Höhe. Auch der Zusammenbruch eines bedeutenden Autovermieters und eines großen Gebäudedienstleisters schlug massiv zu Buche.
Dennoch bleibt ein Funken Hoffnung: In allen einzelnen Branchen lagen die Insolvenzzahlen unter ihren jeweiligen historischen Höchstwerten. In den meisten Sektoren blieben sie sogar unter den Zwölfmonatsdurchschnitten. Der wirtschaftliche Druck konzentriert sich also auf bestimmte Schwachstellen – er trifft nicht die gesamte Volkswirtschaft gleichmäßig.
Erholung erst ab Frühjahr möglich?
Wie geht es weiter? Die Prognose der Hallenser Forscher fällt nüchtern aus. Die Frühindikatoren des IWH, die Trends typischerweise zwei bis drei Monate im Voraus abbilden, deuten auf anhaltend hohe Zahlen für Februar und März hin.
„Eine spürbare Entspannung könnte frühestens ab April eintreten“, so Müller. Das erste Quartal 2026 werde voraussichtlich weiter von überdurchschnittlicher Insolvenzaktivität geprägt sein. Die strukturellen Wirtschaftsprobleme und das Erbe des Rekordjahres 2025 lasten weiter auf der Unternehmenslandschaft.
Dieser Kontext ist entscheidend: 2025 verzeichnete mit 17.604 Pleiten den höchsten Stand seit 2005. Auslöser waren das Auslaufen der Corona-Hilfen, höhere Zinsen sowie gestiegene Energie- und Lohnkosten. Der von Ökonomen vorhergesagte Nachholeffekt – das Ende vieler nur durch Staatshilfen am Leben erhaltener „Zombie-Unternehmen“ – scheint sich einzustellen.
Strukturwandel mit sozialen Kosten
Die anhaltend hohe Insolvenzzahl wirft grundsätzliche Fragen zur strukturellen Gesundheit der deutschen Wirtschaft auf. In den Jahren extrem niedriger Zinsen und üppiger Subventionen überlebten viele Unternehmen mit schwachem Geschäftsmodell. Die Normalisierung der Finanzierungsbedingungen und das Ende der Hilfen ließen diesen Puffer wegbrechen – die Marktbereinigung setzt ein.
Ökonomen bewerten diesen Prozess als schmerzhafte, aber notwendige Reinigung. Kapital und Arbeitskräfte sollen so in produktivere Bereiche fließen. Die hohe Zahl betroffener Jobs, besonders im Dienstleistungssektor, stellt den Arbeitsmarkt jedoch vor enorme Herausforderungen.
Das Scheitern von Zeitarbeitsfirmen wirkt dabei wie ein Fieberthermometer für die gesamte Wirtschaft. Deren Pleiten deuten oft auf eine allgemein abkühlende Nachfrage nach Arbeitskräften in anderen Industrien hin.
Die IWH-Methodik konzentriert sich bewusst auf Personengesellschaften und Kapitalgesellschaften wie GmbHs. Dieser Wirtschaftssegment ist für Beschäftigung und Produktion besonders relevant. Die weniger bedeutenden Pleiten von Kleinstunternehmen bleiben außen vor – anders als in den umfassenderen Destatis-Zahlen.
Die Januar-Zahlen sind ein deutlicher Weckruf. Die deutsche Wirtschaft bleibt unter Druck. Die Frage für 2026 lautet: Setzt die mögliche Entspannung im Frühjahr tatsächlich ein? Oder setzt sich das Rekordniveau des Vorjahres fort?
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