Deutsche Finanzbranche im Fokus: Cloud-Compliance wird zur strategischen Pflicht
29.01.2026 - 19:02:12Deutschlands Banken und Versicherer stehen unter verschärftem Aufsichtsdruck für ihre Cloud-Infrastrukturen. Auslöser sind eine neue Risikowarnung der BaFin und ein EU-Gesetzesvorschlag für mehr Cybersicherheit.
Die Abhängigkeit von wenigen globalen Cloud-Anbietern wird für Aufseher zum systemischen Risiko. Regulatoren fordern nun konkrete Notfallpläne und eine lückenlose Risikokontrolle über die gesamte Lieferkette. Compliance entwickelt sich vom IT-Thema zur Chefetagen-Aufgabe.
BaFin warnt vor „Tail Risks“ und digitalen Abhängigkeiten
In ihrem Jahresbericht „Risiken im Fokus“ mahnt die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zur Vorsicht. Präsident Mark Branson betonte, dass sich die Branche auf schwere, unerwartete Ereignisse vorbereiten müsse – nicht nur auf historisch bekannte Szenarien. Diese Philosophie gilt auch für die Digitalisierung.
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Die BaFin identifiziert drei Megatrends: Digitalisierung, Nachhaltigkeit und geopolitische Verschiebungen. Besonders die Konzentration von Cloud-Diensten bei wenigen, oft nicht-europäischen Anbietern bereitet den Aufsehern Sorgen. Künftig werden Ausstiegsszenarien aus Cloud-Verträgen und Risikobewertungen von Dienstleistern strenger geprüft.
Doppelter Regulierungsdruck: DORA und der neue Cybersecurity Act
Die Finanzbranche steckt bereits mitten in der Umsetzung der EU-Verordnung DORA (Digital Operational Resilience Act). Seit 2025 schreibt sie einen einheitlichen Rahmen für das Management von ICT-Risiken vor – inklusive des Umgangs mit Drittanbietern.
Nun kommt ein weiterer Baustein hinzu: Die EU-Kommission legte am 20. Januar 2026 einen Entwurf zur Überarbeitung des Cybersecurity Act („CSA2“) vor. Die Analyse, die diese Woche veröffentlicht wurde, zeigt klare Absichten. Der Vorschlag zielt auf messbar höhere Cybersicherheit in der gesamten Lieferkette ab.
Für Finanzunternehmen bedeutet das neue, konkrete Pflichten in der Lieferkettengovernance. Der Entwurf sieht hohe Geldstrafen bei Verstößen vor und könnte sogar den Ausschluss risikobehafteter Anbieter aus kritischen Sektoren ermöglichen. Experten sprechen bereits von „Resilience Compliance“.
Telekom Security reagiert mit neuer Partnerschaft
Auf das verschärfte regulatorische Umfeld reagiert auch die IT-Sicherheitsbranche. Telekom Security gab am 27. Januar eine Partnerschaft mit Akamai bekannt. Ziel ist die Erweiterung von Sicherheitsdienstleistungen für Kunden aus Finanzwesen, kritischer Infrastruktur und öffentlichem Sektor.
Der Fokus liegt auf Schwachstellen in Cloud-nativen Umgebungen. Dazu zählen der Schutz von Application Programming Interfaces (APIs) und die softwaredefinierte Segmentierung von Netzwerken. Die angebotenen Dienstleistungen – von kontinuierlichem API-Security-Management bis hin zu Incident-Response durch Expertenteams – sollen Finanzinstituten helfen, Risiken proaktiv zu identifizieren und Compliance nachzuweisen.
Besonders relevant: Die Services lassen sich auch in einer souveränen Cloud-Umgebung bereitstellen. Damit adressieren sie direkt die wachsende Nachfrage nach Lösungen, die Datentreuhänderschaft und digitale Souveränität gewährleisten.
Strategisches Dilemma: Innovation versus Regulierung und Souveränität
Die gleichzeitigen Entwicklungen bei BaFin und auf EU-Ebene stellen Finanzvorstände vor eine grundlegende strategische Frage: Wie lassen sich die innovativen Möglichkeiten globaler Cloud-Hyperscaler mit den strengen europäischen Regulierungen und dem Ziel digitaler Souveränität vereinbaren?
Viele deutsche Unternehmen wünschen sich einen starken europäischen Cloud-Anbieter. Der Markt wird jedoch nach wie vor von wenigen großen internationalen Playern dominiert. Genau diese Abhängigkeit sehen Aufseher als Konzentrationsrisiko.
Verordnungen wie DORA und der geplante CSA2 zielen darauf ab, dieses Risiko zu mindern. Sie zwingen Unternehmen dazu, ihre Anbieter gründlich zu prüfen, vertragliche Audit-Rechte durchzusetzen und funktionierende Migrationsstrategien für Krisenfälle zu entwicken. Die ultimative Verantwortung für das Management dieser Drittanbieterrisiken bleibt jedoch bei der Führung der Finanzinstitute.
Ausblick: Vom Projekt zur gelebten Resilienz
Die nächste Phase für Banken und Versicherer heißt: Digitale Widerstandsfähigkeit im Tagesgeschäft verankern. Mit dem DORA-Rahmen im Rücken werden Aufsichtsbehörden wie die BaFin ihre Überwachungs- und Durchsetzungsaktivitäten intensivieren. Der neue Cybersecurity Act würde eine weitere Ebene verbindlicher Sicherheitsanforderungen hinzufügen.
Der Weg führt für Finanzdienstleister in einen kontinuierlichen Zyklus aus Risikobewertung, technologischer Anpassung und strategischer Planung. Die Zeit, in der Cloud-Compliance als peripheres IT-Thema galt, ist endgültig vorbei. Wie die Ereignisse dieser Woche zeigen, sind robuste Data Governance und digitale operative Resilienz unverzichtbare Bestandteile der Finanzstabilität geworden – und eine Grundvoraussetzung für das Vertrauen in eine zunehmend digitalisierte Finanzwelt.
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