Deutsche Behörden: Digitalisierung stockt, Kommunen hängen ab
21.01.2026 - 08:23:12Die Digitalisierung der deutschen Verwaltung kommt kaum voran, während die Kluft zwischen Bund und Kommunen wächst. Für die meisten Bürger bleibt der Behördengang analog.
Berlin. Fast zehn Jahre nach dem Start der Digitalisierungsoffensive ist der digitale Amtstisch für die Mehrheit der Deutschen noch immer nicht erreicht. Eine aktuelle Analyse des Vergleichsportals Verivox zeigt: 59 Prozent der Bürger haben noch nie eine digitale Verwaltungsleistung genutzt. Der Hauptgrund ist simpel und ernüchternd: In 39 Prozent der Fälle stand der gewünschte Dienst online schlicht nicht zur Verfügung.
Damit klafft eine tiefe Lücke zwischen den Zielen des Onlinezugangsgesetzes (OZG) und der Alltagsrealität. Die Analyse, die in den letzten Tagen veröffentlicht wurde, offenbart eine nahezu komplette Stagnation. Auf kommunaler Ebene kamen im vergangenen Jahr nur neun neue vollständig digitalisierte Dienstleistungen hinzu – von 101 auf gerade einmal 110.
Bund digital, Kommune analog: Ein Land, zwei Geschwindigkeiten
Die Untersuchung zeichnet das Bild einer gespaltenen Verwaltung. Während der Bund seine 115 priorisierten Leistungen digitalisiert hat, verharren zwei Drittel der kommunalen Dienste im Analogen. Experten sprechen von einer Zwei-Klassen-Digitalisierung, die den Bürger direkt betrifft.
Wenn Kommunen jetzt Registermodernisierung und Once-Only-Austausch planen, ist lückenlose Dokumentation zentral. Ein unvollständiges Verarbeitungsverzeichnis nach Art. 30 DSGVO kann Datenschutzprüfungen und Haftungsrisiken nach sich ziehen. Unser kostenloses Excel‑Muster plus Schritt‑für‑Schritt‑Anleitung zeigt, wie Sie ein prüfungssicheres Verzeichnis erstellen — praxisnah, bereits für Behörden anpassbar und sofort einsetzbar. Verarbeitungsverzeichnis jetzt kostenlos herunterladen
Das ursprüngliche OZG-Ziel, bis Ende 2022 alle 575 definierten Leistungen online anzubieten, wurde klar verfehlt. Ein neues Änderungsgesetz, oft OZG 2.0 genannt, setzt nun sogar auf eine schwächere Formulierung: Statt einer verbindlichen Frist soll ein einklagbares Recht auf digitale Leistungen geschaffen werden. Doch was nützt ein Recht, wenn die Infrastruktur fehlt?
Die Gründe für das kommunale Hinterherhinken sind vielfältig: Fehlende einheitliche Standards, ein Flickenteppich aus Insellösungen und mangelnde IT-Ressourcen. Oft gilt eine Leistung bereits als digitalisiert, wenn sie in nur einer Kommune online geht – ein statistischer Trick, der die bundesweite Wirklichkeit verschleiert. Die Königsdisziplin, der automatische Datenaustausch zwischen Behörden nach dem Once-Only-Prinzip, wurde bislang bei keiner einzigen Leistung erreicht.
Lokale Leuchttürme in tristem Meer
Trotz der flächendeckenden Probleme gibt es punktuelle Hoffnungsschimmer. In Potsdam hat sich kürzlich der zweite Digitalisierungsrat der Stadt konstituiert. Das Gremium aus 14 Experten soll drei Jahre lang die digitale Entwicklung der brandenburgischen Landeshauptstadt beraten.
Solche lokalen Initiativen sind wichtig, um Digitalisierung bürgernah zu gestalten. Sie zeigen aber auch das Grundproblem: Der Fortschritt hängt vom Einzelengagement ab, nicht von einer bundesweit koordinierten und finanzierten Strategie. Kann Deutschland es sich leisten, dass die Qualität der Verwaltung vom Wohnort abhängt?
Die Folgen der schleppenden Digitalisierung sind weitreichend. Sie führen zu Frust bei Bürgern und Unternehmen und bremsen als Standortnachteil die wirtschaftliche Entwicklung. Länder wie Estland oder Dänemark demonstrieren seit Jahren, wie eine effiziente, bürgerfreundliche digitale Verwaltung funktionieren kann.
2026: Entscheidendes Jahr für die digitale Identität
Im kommenden Jahr stehen zentrale Weichenstellungen an, die den Stillstand durchbrechen könnten. Im Fokus steht die Vorbereitung der European Digital Identity Wallet (EUDI-Wallet). Ab 2027 soll diese digitale Brieftasche auf dem Smartphone einen EU-weiten Identitätsnachweis ermöglichen und Dokumente wie Führerschein bündeln.
Technologische Grundlage soll die Online-Ausweisfunktion des Personalausweises sein. Parallel soll die Registermodernisierung starten, um den behördenübergreifenden Datenaustausch endlich zu ermöglichen. Der Erfolg dieser Großprojekte hängt maßgeblich davon ab, ob die Kommunen eingebunden werden und die Nutzung zentraler Dienste wie der BundID steigt.
Die zentrale Frage bleibt: Schafft Deutschland 2026 den Sprung von der Theorie in die Praxis? Oder bleibt die digitale Verwaltung ein Projekt mit zwei Geschwindigkeiten – schnell für den Bund, quälend langsam für den Bürger vor Ort? Die Zeit drängt, im europäischen Vergleich fällt Deutschland bereits weiter zurück.
PS: Die zunehmende Vernetzung von Behörden macht Verwaltungs-IT zu einem bevorzugten Ziel für Cyberangriffe. Ein kostenloses E‑Book erklärt aktuelle Bedrohungen, einfache Schutzmaßnahmen und priorisierbare Schritte, mit denen Städte und Kommunen ihre IT‑Sicherheit stärken können – auch ohne großes Budget. Gerade im Vorlauf zur EUDI‑Wallet und Registermodernisierung lohnt sich Vorsorge. Jetzt Cyber‑Security‑Guide gratis anfordern


