Destatis, Frühindikator

Destatis stoppt Frühindikator für Firmenpleiten

15.01.2026 - 10:44:11

Das Statistische Bundesamt stellt seinen Frühindikator für Insolvenzen ein, während alternative Daten einen starken Anstieg der Unternehmenspleiten aufzeigen. Dies erschwert die Echtzeitanalyse der Konjunktur.

Das Statistische Bundesamt schaltet einen wichtigen Frühwarner für die Konjunktur ab – ausgerechnet jetzt. Die letzten veröffentlichten Zahlen zeigen einen alarmierenden Anstieg der Insolvenzanträge um über 15 Prozent.

Ein Daten-Blackout zur Unzeit

Seit dieser Woche gibt es ihn nicht mehr: den monatlichen Frühindikator für Regelinsolvenzen vom Statistischen Bundesamt (Destatis). Die Wiesbadener Behörde hat die Veröffentlichung der vorläufigen Zahlen eingestellt. Die Begründung: methodische Grenzen und begrenzte Ressourcen. Das Timing könnte kaum ungünstiger sein.

Die letzten verfügbaren Daten zeigten für Dezember 2025 einen deutlichen Warnblink. Die Anträge auf Regelinsolvenzen lagen um 15,2 Prozent höher als im Vorjahresmonat. Für Wirtschaftsanalysten, Sanierer und Unternehmenslenker bedeutet das Ende des „experimentellen“ Indikators eine spürbare Lücke. Bisher lieferte die Auswertung von Insolvenzbekanntmachungen der Amtsgerichte einen Blick auf die Unternehmensgesundheit – etwa zwei Monate vor den finalen, bereinigten Statistiken.

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„Die vorläufigen Zahlen waren immer als experimentell gekennzeichnet“, so Destatis. Ein Problem war die Verzögerung: Das statistische „Antragsdatum“ hing oft bis zu drei Monate dem tatsächlichen Gerichtseingang hinterher. Das verzerrte das Echtzeitbild der wirtschaftlichen Not.

Pleitewelle rollt – ohne offizielles Frühwarnsystem

Das Aus des Indikators fällt in eine Phase steigender Unternehmenspleiten. Die finalen Daten für Oktober 2025, die zuletzt vorlagen, zeigten bereits einen Anstieg der Firmeninsolvenzen um 4,8 Prozent auf 2,108 Fälle. Besonders betroffen sind bestimmte Branchen.

An der Spitze lag im Oktober der Verkehrs- und Lagereisektor mit 12,3 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen. Es folgten das Gastgewerbe (10,5) und das seit langem unter Materialkosten und Finanzierungsproblemen leidende Baugewerbe (8,5). Die Gesamtforderungssumme der Gläubiger sank zwar auf 2,6 Milliarden Euro. Doch die reine Fallzahl sorgt für Beunruhigung.

Kritiker fragen: Warum wird gerade jetzt, während einer erkennbaren Pleitewelle, ein Transparenzinstrument abgeschaltet? Ohne diesen offiziellen Frühindikator vergrößert sich die Lücke zwischen einem Konjunkturschock und seiner statistischen Sichtbarkeit. Das könnte notwendige politische oder unternehmerische Reaktionen verzögern.

Alternativen rücken in den Fokus

Wohin also blicken für Echtzeiteinblicke? Die Aufmerksamkeit verlagert sich zu alternativen Datenquellen. Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) veröffentlicht weiterhin seinen „Insolvenz-Trend“. Dessen Analysen deuten auf ein dramatisches Ausmaß hin: Die Insolvenzzahlen für 2025 sollen den höchsten Stand seit zwanzig Jahren erreicht haben – und sogar die Werte der Finanzkrise 2009 übertreffen.

Das IWH beziffert die Zahl der Firmenpleiten im vergangenen Jahr auf rund 17.600. Für Vorstände und Sanierungsberater dürften diese Daten nun zum primären Benchmark für die Echtzeiteinschätzung werden. Die Abhängigkeit von privaten Wirtschaftsforschungsinstituten und Auskunfteien wächst.

Destatis betont derweil, an der Qualität der endgültigen Monatsberichte festzuhalten. Diese erscheinen jedoch mit erheblicher Verzögerung. Detaillierte Branchenaufschlüsselungen für Dezember 2025 wird es erst im Frühjahr 2026 geben. Für die wirtschaftspolitische Steuerung im ersten Quartal bedeutet das: Man navigiert mit älteren offiziellen Daten durch turbulentes Gewässer.

Die Diskussion über Transparenz und Geschwindigkeit amtlicher Statistiken ist damit eröffnet. Die experimentelle Phase der Insolvenzberichterstattung ist beendet. Geblieben sind die finalen, verifizierten Zahlen – und einige blinde Flecken mehr in der Wirtschaftsbeobachtung.

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